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Fragen

zur Komplexität der religiösen, ökologischen und gesellschaftlichen Problematik

 

Nach meinen Erfahrungen verbirgt sich selbst hinter den unglaubwürdigsten Aussagen ein Anteil an Wahrheit. Wenn wir diese These auf das derzeitige Weltgeschehen übertragen, ergeben sich eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung bedeutsam sein könnte.

 

1. Wir sollten fragen, wer die wirkliche Macht über unsere Erde hat und von wo diese Macht ausgeht. Ein Ökonom könnte sagen, dass es die Macht der global wirkenden Konzerne und Banken ist, also die Macht des Kapitals, die letztlich alles Wesentliche beherrscht. Doch es könnte auch eine Macht geben, die die Interessen jener wirtschaftlich Mächtigen nutzt, um nicht nur ihre geistige Macht über die Menschheit immer weiter auszudehnen. Wenn sich z. B. der amerikanische Präsident, G. W. Bush, subjektiv auf eine höhere Macht beruft, die er als „Gott“ bezeichnet, und wir nehmen seine Aussage zumindest teilweise ernst, dann könnten wir am Ergebnis der amerikanischen Politik einschätzen, wie wir jene grauen Eminenzen zu werten haben, die sich hinter den Mächtigen unserer Welt verbergen. Sollten wir sie dem „Guten“, dem „lieben Gott“ zuordnen, oder dem verborgenen „Bösen“? Es bleibt also die Frage, ob jene, die unmittelbar die Macht über die Menschheit auszuüben versuchen, selbst von geistigen oder außerirdischen Kräften geführt werden?

 

2. Sollte es mächtige Kräfte des Bösen geben, wäre die Frage zu beantworten, warum sie ihre Macht nicht direkt über die Erdenmenschheit ausüben? Seit wann existieren sie, und welchen historischen Hintergrund hat ihre Entstehung? Welchen Bezug haben sie zu den unterschiedlichen Religionen auf der Erde? Gibt es ein „Teile und Herrsche“ auf geistigem Gebiet, das eine entscheidende Ursache für die Entstehung der Religionen und den Kampf zwischen ihren Vertretern sein könnte? Welche historischen Belege gibt es für das Schaffen von Zwietracht durch die Kreation von Religionen? Wurde Zwietracht allein durch unterschiedliche Glaubensbekenntnisse gesät oder auch durch bewusste Bevorzugung, durch Schenkungen oder durch die Akzeptanz und Unterstützung bestimmter Formen der Ausbeutung und Bereicherung, wie etwa der Sklaverei und von Eroberungskriegen? D. h., wurden im Zusammenhang mit der Schaffung von Religionen auch bestimmte, sich eigenständig entwickelnde gesellschaftliche Verhältnisse geschaffen?

 

3. Sind also die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse im tendenziellen Sinne das Ergebnis der bewussten Kreation aus der Zeit der Antike? Hat folglich Karl Marx „nur“ jene Gesetze der Eigenentwicklung von Ausbeutungsgesellschaften erkannt, wie sie ihren Initiatoren vor Jahrtausenden bereits bekannt waren? Doch woher stammte jenes höhere Wissen, dass es erlaubte, die tendenzielle Entwicklung einer ganzen Menschheit im Voraus zu kennen, um sie damit auf indirekte Weise zu beherrschen?  

 

4. Worin äußert sich im Kern die Tendenz der Gesellschaftsentwicklung seit der Antike? Trifft nach wie vor die Marxsche Erkenntnis der historischen Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen zu? Reicht es aus, von Ausbeutergesellschaften zu sprechen, oder bedarf es – unter Einbeziehung der ökologischen Problematik – einer erweiterten Betrachtung im Sinne von Bereicherungsgesellschaften? Kann von privater Bereicherung auf Kosten und zu Lasten unserer Lebenswelt (unserer „Umwelt“) gesprochen werden? Gab es diese Form der privaten (und gesellschaftlichen) Bereicherung schon zur Zeit der antiken Sklavenhaltergesellschaft? Traf also damals wie heute die Feststellung von Friedrich Engels zu, der die Nationalökonomie als ein „ausgebildetes System des erlaubten Betrugs“ und „eine komplette Bereicherungswissenschaft“ bezeichnete (vgl. MEW, Bd. 1, S. 499)? Wurde die Entstehung von sich immer weiter ausdehnenden Bereicherungsgesellschaften bereits zu antiker Zeit initiiert?

 

5. Aristoteles unterschied  zwischen der „Chrematistik“, der „Kunst …, Geld zu machen“ und der „Ökonomik“, die sich als „Erwerbskunst“ auf die „Verschaffung der zum Leben und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter“ beschränke. Er fügte hinzu: „Die Verwechslung beider Formen, die ineinander überspielen, veranlasst einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche als Endziel der Ökonomik zu betrachten.“ (vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 167, Fußnote 6). Spricht sein überraschendes Wissen zur Unterscheidung nach zwei Ökonomien für die geistige Beeinflussung von bedeutenden Wissenschaftlern auch der Antike? Ist es ausgehend von Aristoteles richtig, wenn Friedrich Engels die Ökonomie seiner Zeit als „Privatökonomie“ bezeichnet, „denn ihre öffentlichen Beziehungen sind nur um des Privateigentums willen da“ (vgl. MEW, Bd. 1, S. 499). Doch wenn wir heute Wirtschaftlichkeit nach Engels als „Privatökonomie“ bezeichnen würden – was ist dann unter Ökonomie zu verstehen? Gibt es neben der Privatökonomie auch Gemeinschaftsökonomie? Und wie ist das nebeneinander der beiden von Aristoteles erkannten Ökonomien zu verstehen, die „ineinander überspielen“? Gibt es Beispiele der Dominanz einer möglichen Gemeinschaftsökonomie über die Privatökonomie?

 

6. Wenn wir das heutige „ökonomische“ Denken und Handeln unter dem Blickwinkel der Existenz zweier Ökonomien genauer betrachten, stellen sich unangenehme Fragen: Was ist „ökonomisch“ daran, dass die „freie“ Wirtschaft die Arbeitskraft von Millionen Menschen ungenutzt lässt, obgleich es hinreichend viel notwendige Arbeit gibt, etwa zur Wiederherstellung einer gesunden Lebenswelt?

 

7. Ist es überhaupt richtig, von „freier Wirtschaft“ zu sprechen? Unterliegt nicht jeder, ob „Arbeitgeber“ oder „Arbeitnehmer“, dem Diktat des Kapitals? Sind die Demokratien der westlichen Welt nicht vielmehr Diktaturen ohne Diktatoren, in denen alle gefangen sind? „Geld regiert die Welt!“

 

8. Welche „Freiheiten“ erlaubt sich die „freie“ Wirtschaft nicht nur gegenüber den abhängigen Menschen, sondern vor allem gegenüber der Natur? Gibt es in der Natur mehr Wachstum, wenn die Wirtschaft „wächst“? Erhöhen sich die Erträge in der Natur, wenn die „Erträge“ der Aktionäre „wachsen“? Bedeutet „Wirtschaftswachstum“ wirklich Fortschritt oder für das irdische Leben letztlich Abstieg und drohende Selbstvernichtung?

 

9. Warum gab es nach dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland gar ein „Wirtschaftswunder“? Vielleicht weil der Gegner so viel zerbombt hatte? War der Krieg Ausdruck der Wegwerfgesellschaft im Großen? Sicherlich hat die Menschheit das „Recht“, all das wieder zu zerstören, was sie geschaffen hat – aber darf sie sich die „Freiheit“ nehmen, auch die Natur, das Geschenk der Schöpfung, zu zerstören? Kann es eine Gemeinschaftsordnung geben, die die Konkurrenzordnung ablöst? Sie muss es geben, wenn wir überleben wollen! Doch dazu bedarf es anderer Eigentums- und Besitzverhältnisse und der wahren Ökonomie!