E-Mail vom 03.02.2006, 22:21 Uhr, an info@figu.org         Veröffentlichung am 23.09.2006

 

Von Werner Grundmann                                                                  Berlin, den 03.02.2006

                                   

an Eduard Meier

 

Zuspitzung5: Mohammed-Karikaturen

 

Sehr geehrter Herr Meier,

                                         seit meiner E-Mail „Zupitzung4“ vom 1. Februar 2006, 02:04 Uhr, sind kaum drei Tage vergangen. In kürzester Zeit hat sich eine neue gefährliche Diskrepanz zwischen christlichen und muslimischen Nationen in den Medien verbreitet: Es kam zu Massenprotesten in mehreren Ländern Asiens und Afrikas sowie zu ersten Protesten in Europa, nachdem Karikaturen Mohammeds durch eine dänische Zeitung, später auch in Norwegen, Frankreich und Deutschland, veröffentlicht worden waren. Die Entwicklung  könnte in einem „Krieg der Kulturen“ münden, wenn die Stimmungen der Massen von den islamischen Fundamentalisten weiter angeheizt und wirtschaftliche mit religiösen Interessen verwoben werden. Es ist deshalb nicht schwer zu erkennen, wer im Hintergrund die Fäden zieht, zumal auch der Konflikt um das iranische Atomprogramm weiter verschärft wurde:

 

„Bei den Beratungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über den Konflikt mit dem Iran zeichnet sich ein breiter Konsens für eine Einschaltung des UN-Sicherheitsrates ab. Die drei EU-Staaten Großbritannien, Frankreich und Deutschland hatten einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem sie „eine in der Diplomatie ungewöhnlich offene Sprache [gebrauchen]“ und Iran wegen „zahlreicher Brüche seiner Verpflichtung im Rahmen des Abkommens zum Atomwaffensperrvertrag [anprangern]“ (vgl. „Berliner Zeitung“ vom 03.02.2006, S. 7).

 

Zum Entstehen der Mohammed-Karikaturen und zur Entwicklung der Protestbewegungen fand ich auf Seite 8 im „Neuen Deutschland“ vom 1. Februar 2006 in einem Bericht von Bernd Parusel, Stockholm, genauere Informationen. Er überschrieb seinen Beitrag mit

 

„>>Die Idioten von Jyllands-Posten<<

Dänische Zeitung entschuldigt sich nach Protesten von

Muslimen für Mohammed-Karikaturen“

 

In den Erläuterungen heißt es:

„Nach lautstarken Protesten und einem Boykott dänischer Waren in arabischen Ländern“, nachdem „dänische Firmen empfindlich getroffen [wurden]“, „lenkte die Zeitung >> Jyllands-Posten<< im Streit um die provozierenden Mohammed-Karikaturen ein.“ Die Redaktion der dänischen Zeitung entschuldigte sich am 30. Januar 2006 abends.

 

„Das konservative Blatt aus Aarhus hatte im September letzten Jahres Karikaturisten eingeladen zu zeichnen, wie Mohammed ihrer Meinung nach aussehen könne. Obwohl der letzte Prophet Gottes in den Augen gläubiger Muslime nicht bildlich dargestellt werden darf, veröffentlichte die Zeitung am 30. September 2005 unter dem Titel  >>das Gesicht Mohammeds<<  zwölf  >>satirische<<  Porträts. Die meisten sollen lustig sein, einige stellen jedoch auch einen Zusammenhang mit radikalislamischem Terrorismus her: Auf einem Bild hat Mohammed einen Turban in Form einer Bombe auf dem Kopf.“

 

„Bei Muslimen in Dänemark stießen die Porträts umgehend auf Proteste. Die Zeichnungen seien Ausdruck von >>Hass gegen den Islam<<, sagte ein Imam. Nach und nach wurden die Bilder im Ausland bekannt. Im Oktober 2005 schickten die Regierungen von elf islamischen Ländern Protestnoten an die dänische Regierung und verlangten ein Gespräch ihrer Botschafter mit dem Premierminister Anders Fogh Rasmussen. Dieser lehnte jedoch ab, die Diplomaten zu treffen. In Dänemark herrsche Presse- und Meinungsfreiheit, er habe sich nicht dazu zu äußern, was Zeitungen publizierten, so der Premier. Rasmussen führt eine rechtsliberal-konservative Regierung, die von der rechtsradikalen >>Dänischen Volkspartei<< unterstützt wird und seit Jahren versucht, mit einer strikten Einwanderungspolitik den Zuzug muslimischer Migranten zu stoppen.“

 

„Auch wenn Rasmussen im Streit um die Karikaturen Recht hat, heizte seine Weigerung, die Botschafter zu empfangen, internationale Proteste weiter an. Libyen schloss Ende letzter Woche seine Vertretung in Kopenhagen, Saudi-Arabien rief seinen Botschafter nach Hause und auch die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) sowie die Arabische Liga beschwerten sich. In Saudi-Arabien wurde zudem zu einem Boykott dänischer Waren aufgerufen, der sich innerhalb weniger Tage auf andere Golfstaaten ausweitete.    Besonders betroffen ist dabei Arla Foods, einer der führenden Exporteure von Milchprodukten in Europa. Weil sich seine Waren nicht mehr absetzen ließen, schloss der Konzern eine Molkerei mit 800 Beschäftigten in der saudischen Hauptstadt Riad.“

 

„Am Montag erfassten Proteste auch die palästinensischen Gebiete. Eine Vertretung der EU-Kommission in Gaza-Stadt wurde vorübergehend von einer Gruppe bewaffneter Männer besetzt, eine dänische Flagge ging in Flammen auf.    Der dänische Außenminister    informierte seine europäischen Kollegen und bat die EU-Kommission, sich für ein Ende des Boykotts einzusetzen. Brüssel drohte denn auch Saudi-Arabien mit einer Klage bei der Welthandelsorganisation, falls die dortige Regierung den Boykott unterstütze.“

 

„In Norwegen druckte die christliche Zeitschrift >>Magazinet<< die Zeichnungen nach. Dies sei als Protest gegen >>Einschüchterungsversuche<< radikaler Gruppen zu sehen, so die Redaktion. Die schwedische Zeitung >>Dagens Nyheter<< kritisierte die Karikaturen als >>plump und vorurteilsbeladen<<. >>Jyllands-Posten<< habe sie publiziert, um Muslime gezielt zu provozieren. Auch wenn es einem schwer falle, gelte es daher, >>die Idioten von >Jyllands-Posten< zu verteidigen<<.“

 

Soweit aus dem Bericht von Bernd Parusel. In Ergänzung zu dem Bericht schreibt „Neues Deutschland“ am 3. Februar 2006 auf Seite 1 zur Besetzung des EU-Büros in der Stadt Gaza:

 

„Die bewaffneten Männer gehörten zu den Al-Aksa-Brigande der bisher regierenden Fatah-Organisation und dem radikalen Islamischen Dschihad an. Sie erklärten bei ihrem Protest, die >>europäische Provokation<< mache alle Institutionen in Gaza und der ganzen Welt zum >>Ziel ihres Feuers<<.    Ägyptens Präsident Husni Mubarak erklärte, Meinungs- und Pressefreiheit dürfe nicht als Entschuldigung für die Beleidigung der Religion dienen.“  Analog äußerte sich heute der UN-Generalsekretär, Kofi Annan, vor der Presse.

 

Der Präsident des französischen Muslim-Rates, Dalli Boubakeur, wurde in einer Pariser Zeitung zitiert: >>Wer Wind sät, kann Sturm ernten<< (vgl. ebd., S. 6).

 

In zwei Berichten der „Berliner Zeitung“ auf Seite 2 vom 1. Februar 2006 über „Toleranzgrenzen“ und „Empörung und Boykott“ werden zur Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen u. a. folgende Informationen verbreitet:

 

„Die Veröffentlichung  … habe in Jordanien eine solche Empörung ausgelöst, wie er sie noch nie registriert habe, sagt Mohammed Ben Hussein von der Jordan Times in Amman. >>Alle Zeitungen, die Fernseh- und Rundfunkstationen erhalten hunderte Anrufe, E-Mails und Faxe.<< Eine Entschuldigung mit dem Verweis auf die Pressefreiheit werde nicht akzeptiert.“ 

 

„In Ägypten gebe es kein anderes Thema als den Karikaturen-Skandal, sowohl in den Medien als auch auf der Strasse, sagt Suad Tantawi, Mitarbeiter der Wochenzeitung Al Ahram. >>Wir Moslems werten das als eine Beleidigung, ein Zeichen dafür, wie sehr man uns missachtet.<<“

 

Der Chefredakteur von „Jyllands-Posten“, Carsten Juste, habe im September 2005 „prüfen wollen,    wie es um die Selbstzensur im Staate Dänemark bestellt sei. Zu diesem Zweck lud er 24 Karikaturisten ein, ihr Bild vom Propheten in der Wochenendbeilage seines Blattes zu veröffentlichen. Darstellungen von Mohammed gelten im Islam als Gotteslästerung, und Juste war das bewusst. Zwölf Zeichner lehnten ab, zwölf sagten zu.    Juste veröffentlichte die Bilder und wartete auf Reaktionen: >>Anderthalb Wochen lang kam überhaupt nichts, das hat mich sehr erstaunt.<<“

 

Aus dem Konflikt wird deutlich, dass sich hinsichtlich der möglichen weltweiten Zuspitzung der Situation zwei Positionen des gegenseitigen Unverständnisses gegenüberstehen: Während die „Europäer“ von ihrer vorgeblichen Pressefreiheit überzeugt sind und alle (auch emotionalen) Haltungen zur Einschränkung ihrer „Freiheit“ abschmettern, empören sich die Muslime verständnislos über die Ungeheuerlichkeit der Gotteslästerung.

 

Es geht mir nicht vorrangig um eine Wertung beider Seiten. Vielmehr stellt sich mir die Frage, ob es – im Wissen um diese Haltungen in den beiden Kulturen – möglich ist, den Konflikt von außen so zu initiieren, dass er international Aufsehen erregt und beiträgt, die internationale Lage zu destabilisieren. Offenbar ist dies über Inspirationen möglich, indem wenige arrogant bzw. radikal eingestellte Personen beeinflusst werden. Wenn sich bei einem solchen Vorhaben nicht sofort Ergebnisse zeigen, wenn also die negative Eigenentwicklung nur unzureichend in Gang kommt, wird mit neuen Aktionen eingegriffen.

 

Es wäre sicherlich auch für Sie und die Plejaren interessant, eine solche These zu prüfen, die von der Inspiration und Steuerung einer gewollten Konflikts ausgeht. Ohne die Existenz der Kreativität des Bösen zu akzeptieren, kann es wohl zum sicheren Nachweis keinen Erfolg geben. Doch wenn er gelingen sollte, wäre auch die Voraussetzung gegeben, um diese eine Attacke in einen größeren, weitreichenden, möglicherweise existenziell bedeutsamen Zusammenhang einzuordnen!

 

Sollten Sie meinen Vorschlag aufgreifen, wünsche ich Ihnen vollen Erfolg!

 

Zu Ihrem heutigen 69. Geburtstag wünsche ich Ihnen darüber hinaus für das neue Lebensjahr zufriedene Gesundheit, beste Schaffenskraft und große Fortschritte bei der Erfüllung Ihrer Mission.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                 Berlin, den 03.02.2006,  22:14 Uhr