E-Mail vom 23.06.2007, 18:55 Uhr, an info@figu.org           Veröffentlichung am 23.06.2007

 

 

 

Von Werner Grundmann

 

an alle Mitglieder der FIGU

 

                     Teuflisches im Göttlichen?

 

Liebe FIGU-Mitglieder,

                                in der Berliner Zeitung vom 23./24.06.2007 erschien auf der Seite 3 ein Beitrag von Sabine Deckwerth über

Tödliche Spritzen und die zehn Gebote

Das Gutachten im Prozess gegen die Charité-Schwester

 

Der Beitrag ist in der heutigen Online-Ausgabe der Berliner Zeitung nachlesbar unter:

 

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/seite_3/index.php

Nachfolgend habe ich Ihnen den gesamten Beitrag in meine E-Mail kopiert. Er verdeutlicht, dass es sich bei der Tötung von sechs schwerkranken Patienten in der Charité um einen außergewöhnlichen Fall handelt, der ohne geistige Beeinflussung der Krankenschwester durch Hintergrundkräfte kaum erklärbar ist. Sollte meine Annahme zutreffen, stellt sich die Frage, welcher Zweck mit dieser Beeinflussung erreicht werden soll.

Sabine Deckwerth schreibt:

Vielleicht hat sie ein bisschen Gott gespielt, die Krankenschwester Irene B., die viele Jahre auf einer Intensivstation der Berliner Charité tätig war. Auf jeden Fall habe sie sich hinterher ihrem Gott näher gefühlt, hat die 54 Jahre alte Frau aus Berlin-Reinickendorf dem psychiatrischen Gutachter Alexander Böhle gesagt, als der sie in der Haft besuchte. Hinterher - das war, nachdem sie eine Spritze mit einem stark blutdrucksenkenden Medikament aufgezogen und es Patienten gespritzt hatte.

Wegen Mordes an sechs schwer kranken Patienten und wegen zwei Mordversuchen ist sie angeklagt. Vier Morde hat sie gestanden. Und über jeden einzelnen von ihnen hat sie mit dem Gutachter gesprochen. Gestern hat Alexander Böhle im Prozess gegen Irene B. vor dem Berliner Landgericht sein psychiatrisches Gutachten vorgestellt.

Nicht nachgedacht

Beim ersten Mord, den Irene B. gestanden hat, starb ein 77-jähriger Mann. Das war im August 2006. Irene B. hatte Spätdienst. Irgendetwas sei anders gewesen an jenem Tag, sagte sie dem Gutachter. Was anders war, das wisse sie nicht genau. Auch könne sie nicht erklären, was sie getrieben habe. Der alte Mann lag im Sterben. Er wurde künstlich ernährt, er hatte eine Lungenentzündung. Sie habe ihn gebettet und gewaschen, er sei einfach nicht zur Ruhe gekommen, hat Irene B. dem Gutachter erzählt. Da sei sie zum Schrank gegangen, habe die Ampullen geholt und sie ihm gespritzt. Drei, vier Minuten später war er tot.

Ob sie danach erleichtert gewesen sei, wurde sie gefragt. Sie sagte "nein". Eher habe sie gleichmütig reagiert und in den nächsten Tagen nicht weiter über ihre Tat nachgedacht. Ihr nächstes Opfer habe sie getötet, weil "die Würde" nicht mehr da gewesen sei. Das war im September 2006. Der 52-jährige Mann lag ebenfalls schon im Sterben. Sie habe seine Würde wiederherstellen wollen, hat sie dem Gutachter gesagt, und ihm deshalb eine tödliche Dosis gespritzt. Was sie denn mit Würde meine? Sie antwortete, wenn man nichts mehr schaffen könne, gebe es keine Lebensqualität mehr.

Hatte sie Angst, erwischt zu werden? Nein, sie habe keine Angst gehabt. Du darfst nicht töten, stehe in der Bibel, hielt ihr der Gutachter vor. Sie sagte ihm, dass die Bibel von Menschen gemacht sei. Dass es in ihr auch Irrtümer gebe. Und dass die zehn Gebote überarbeitet werden müssten. Statt "du darfst nicht töten" sollte es heißen: "Du darfst anderen keinen Schaden zufügen".

Irene B. hat gesagt, dass ihr ganzes Leben von Gott bestimmt sei. Als Mitwirkende am göttlichen Willen verstehe sie sich. Sie habe Entscheidungen getroffen und sich dazu berechtigt gefühlt. Wenn sie von ihren Opfern sprach, dann sprach sie nicht von töten. Tötung, sagte sie, sei "hinterlistiger Mord mit einer Schusswaffe". Bei ihrer Vernehmung bei der Polizei sprach sie davon, Patienten "ganz sanft woanders hingebracht" zu haben.

Nein, die Angeklagte Irene B. ist nicht psychisch krank und nicht vermindert schuldfähig. Sie hatte, sagte der Gutachter vor Gericht, "einen klaren Blick auf ihr Handeln" und "feste ideologische Wertvorstellungen". Aber eine Persönlichkeitsstörung bescheinigte ihr der Gutachter doch. Er sprach von einer narzisstischen, selbstüberhöhten Grundhaltung. Das heißt, dass Irene B. sehr Ich-bezogen ist und dass sie Probleme, die andere mit ihr haben, nicht wahrnimmt. An der Charité galt sie als Außenseiterin. Als herrschsüchtig und dominant haben Kollegen sie geschildert.

Der Prozess geht dem Ende entgegen. Am kommenden Mittwoch werden die Plädoyers gehalten. Am Freitag soll das Urteil fallen.

 

Nach der Durchsicht des Artikels von Sabine Deckwerth stellen sich mir mehrere Fragen:

-   Waren es die Arbeitsbedingungen, die die erfahrene Krankenschwester veranlassten, mit einem Male anders als üblich zu handeln, oder wurde ihre Verhaltensweise geistig von außen beeinflusst?

-   Woher kam ihre Sicherheit, richtig zu handeln? Wie kam sie auf eine neuartige Argumentation, die ihr auch im Nachhinein noch einsichtig ist, obgleich die deutschen Gesetze von Tötung sprechen?

-   Wie kam es zum Wandel in ihrer Gefühlswelt? Wie war es möglich, dass sie sich den Tötungen ihrem Gott näher fühlte?

-   Wie kam sie zu jener Anmaßung, an einem der zehn Gebote ihres Gottes zu zweifeln und ein göttliches Gebot gar richtig stellen zu wollen. Ich kenne kein anderes historisches Beispiel eines Christen für eine solche Anmaßung.

 

 

Vielleicht finden Sie, liebe Mitglieder der FIGU, eine „irdische“ Erklärung für das Verhalten und die Aussagen der Krankenschwester. Wenn dies nicht möglich ist, bleibt erstens zu fragen, welche Kräfte in der Lage sind, diese erfahrene Frau so weit reichend geistig zu beeinflussen; zweitens wären diese Kräfte zu charakterisieren.

 

Wir sollten uns gemeinsam bemühen, nach analogen Beispielen zu suchen, um verallgemeinern zu können. Die entscheidende Frage ist für mich, ob die Menschheit über derartige Beispiele darauf vorbereitet werden soll, die Existenz und den Charakter jener Mächte zu erkennen.

 

Bitte denken Sie darüber nach!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                 Berlin, den 23.06.2007, 18:55 Uhr