E-Mail vom 11.12.2005, 01:45 Uhr, an info@figu.org            Veröffentlichung am 12.11.2006

 

 

Von Werner Grundmann                    

 

an Eduard Meier

 

Zum absoluten Wahrheitsanspruch von OM

 

Sehr geehrter Herr Meier,

                                     in den vergangenen Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, warum es für Sie so schwierig ist, sich selbst davon zu überzeugen, dass Erfahrungen von jenen Welten, die sich schöpfungskonform entwickeln, auf die Erde nicht übertragbar sind. Als ich dieser Tage wiederum Ihr großes Werk „OM" in die Hand nahm, ist mir eine grundlegende Ursache Ihrer Schwierigkeiten bewusst geworden: Sie haben sich zusammen mit JHWH Ptaah durch die Herausgabe und den Inhalt von OM in den achtziger Jahren bereits so weit festgelegt, dass für Sie Korrekturen generellen inhaltlichen Charakters unmöglich erscheinen. Wenn „der JHWH  zum Propheten“ in den Versen 101, 102 und 104 des Kanons 20 den Absolutheitsanspruch verkündet, wonach OM als das „Buch des Wortes der Wahrheit“ die „vollumfängliche Wahrheit“ enthalte, „die nicht reformiert werden [kann] in auch nur einem Tüpfelchen“, und dass diese Wahrheit, „offenbaret durch den JHWH und den Propheten“, „unveränderbar und nicht reformbedürftig [ist] für alle Zeit“, dann müssen Sie aus Ihrer subjektiven Sicht alle Versuche strikt abweisen, selbst wenn es um kleinere Änderung geht. Doch dürfen Sie so absolut sein? Ist ein solches Denken und Verhalten überhaupt schöpfungskonform? Muss ein Prophet der Schöpfung unfehlbar sein? Darf er, wenn er sich in einer wesentlichen Hinsicht geirrt hat und Gefahren für die Schöpfung erwachsen, sein eigenes Ansehen über alles Andere stellen? Zeigt sich nicht vielmehr die Größe eines Menschen und jeder anderen Intelligenz auch im Eingeständnis von Schwächen und Fehlern?

 

Bitte prüfen Sie meine Position zur angesprochenen Problematik:

1. In der Mathematik reicht ein einziges Gegenbeispiel aus, um eine allgemeine Behauptung, einen „Satz“, als falsch einzustufen. Wenn es möglich ist, innerhalb von OM eine falsche Aussage oder einen offensichtlichen logischen Widerspruch zu entdecken, ist die generelle Aussage der zitierten Verse 101 und 102 ebenfalls hinfällig – auch dann, wenn es sich um eine bewusste Fälschung handeln sollte! Allein aus diesen rein logischen Gründen birgt das Verkünden von absoluten Wahrheiten in derart komplexen Aussagen äußerst große Gefahren in sich, die die Autoren auf keinen Fall beabsichtigen können. Entweder die beiden Verse sind dogmatisch oder gefälscht. Sie bergen von vornherein die Möglichkeit in sich, das riesige Gesamtwerk OM zu schädigen.

 

Ein Gegenbeispiel, das einen logischen Widerspruch aufzeigt, fand ich bezogen auf die verschiedenen Inkarnationen Henoks (Henochs):

     Der für die Erde maßgebende Prophet Henoch wurde laut OM als Erdenmensch „9308 Jahre vor der Zeit des Propheten Jmmanuel, und also 11 245 Jahre vor dem Propheten der Neuzeit [geboren]“ (vgl. Kanon 31, Vers 43). Aber „sein Ursprung ward auf Lasan“ (vgl. ebd., Vers 43). „Es ward aber gerundet dreitausendsiebenhundert Jahre vor der ersten Geburt Henoks auf Erden, als da die Töchter und Söhne der Himmel und ihr JHWH reiseten andermals zur Erde, nach vielen neuen Wiederleben.“ (Kanon 31, Vers 557) Mit den „Weithergereisten“ muss ein Mann gekommen sein, der die Geistform der späteren drei Propheten namens Henok (Henoch) trug. Der erste dieser drei Propheten wurde fünfhundert Jahre nach der Ankunft durch den Anführer des JHWH Gabrjel „mit dem irdischen Weib Sarana“ gezeugt (vgl. ebd., Verse 563 und 565). Er „belehrete die Menschenkinder der Erde“, jedoch brachten seine Lehren „keine grossen Früchte“ (vgl. ebd., Verse 565 u. 566). Er starb mit 366 Jahren (vgl. ebd., Verse 546 und 565). Der Vater des späteren für die Erde maßgebenden Henoks war dann Jared (vgl. ebd., Vers 566). Wenn die Mutter des ersten Henoks jener Zeit das „irdische Weib Sarana“ war, dann handelte es sich allerdings beim zweiten Henok um die zweite Geburt eines Henoks in jener Zeit auf Erden – entgegen der Aussage in Vers 557! Diese Feststellung mag haarspalterisch erscheinen; doch beim OM geht es um ein Werk mit absolutem Wahrheitsanspruch!

 

2. Wenn in OM entweder der „Prophet“ oder der „JHWH“ zitiert wird, dann kann dies nichts anderes bedeuten, als dass es sich um den jeweiligen Erkenntnisstand zum betreffenden Zeitpunkt handelt, nicht aber zwangsläufig um Wahrheiten aus der Sicht der Schöpfung. Es geht folglich um das Darstellen von Auffassungen beider Intelligenzen in ihrer Entwicklung. Es kann absolut richtig sein, dass die zitierten Auffassungen zu einem bestimmten Zeitpunkt genau so gesagt oder fixiert wurden – abgesehen von möglichen Verfälschungen vor der Veröffentlichung. Doch inwieweit die zitierten Aussagen objektiv richtig sind, bleibt offen!

 

3. Selbst dann, wenn die Ausführungen in OM „im Namen der Schöpfung, der Weisen, der Gerechten“ erfolgten, wenn sie von einer Geistform aus der Petale-Ebene unmittelbar übermittelt und nicht verfälscht wurden, darf kein absoluter Wahrheitsanspruch erhoben werden, eben weil sich auch Petale in einem Entwicklungs- und Erkenntnisprozess befindet. Das kann auch nicht anders sein, da sich unser Universum immer noch in Expansion befindet.

 

Als Beispiel für einen begründeten Zweifel an einer Darlegung aus der Petale-Ebene betrachte ich eine bestimmte Aussage zur Ganzheit der Schöpfung in Kanon 19, Verse 32 und 35, in denen von nur „einer Sinnesrichtung“ und von der „Ganzheit“ gesprochen wird, die „in ihrer Ganzheit niemals geteilet oder unterteilet werden [kann]“. Sie kennen meine Auffassung zur abgespaltenen und zur Negativentwicklung der irdischen Schöpfung. Wohl deshalb, weil diese Abspaltung von der Schöpfung nicht rechtzeitig erkannt und verhindert wurde, sprach Ashtar Sheran von der „Rache am Schöpfer“, womit er sicherlich die Schöpfung meinte. Er sprach auch von „dämonischer Schöpfung“, was Semjase indirekt bestätigte, als sie von den damaligen irdischen Genmanipulatoren und deren Kreationen berichtete: von „Giganten, Titanen und Zyklopen“, die „oft grossen und machtgierigen Herrschern [dienten]“ und durchschnittlich 15'000 Jahre alt wurden (vgl. SKB, S. 57)!

 

Die Erde befindet sich zwar innerhalb des universellen „Körpers“. Doch sie gehört nicht mehr zum universellen Organismus. Sie ist abgespalten, wird geistig negativ dominant beherrscht und hat im universellen Sinne eine analoge Bedeutung wie ein lebensgefährlicher Virus in einem Menschenkörper.

 

4. Jede weltanschauliche Lehre, die einen absoluten Wahrheitsanspruch verkündet und überzogene Aussagen nutzt, wie etwa „vollumfängliche Wahrheit“ oder „wahrheitliche Wahrheit“, geht die Gefahr ein, zu einer Religion zu mutieren. Sie nimmt vielen Menschen, die doch auf eigene Weise zu „ihrer“ Wahrheit finden wollen, den Mut zur Eigenständigkeit. Geistige Höherentwicklung ist nicht nur an einzelne Menschen bzw. Geistformen gebunden; indem sich die einzelnen Intelligenzen als Teilstücke der Schöpfung verstehen und unter Führung der Schöpfung geistig entwickeln, befruchten sie zugleich die gesamte Schöpfung. Selbst wenn jeder Mensch in seinem Leben nur einen klugen und von keinem anderen Menschen bisher gedachten Gedanken kreiert, ist dies – in Anbetracht der unzähligen Menschen in unserem Universum – für die gesamte Schöpfung ein großer Gewinn. Wir sollten diese Wechselwirkungen niemals außer Acht lassen!

 

Mit freundlichen Grüssen und besten Wünschen

 

Werner Grundmann                 Berlin, den 11.12.2005, 01 Uhr 43