E-Mail vom 14.12.2007, 02:49 Uhr, an info@figu.org       Veröffentlichung am 14.12.2007

 

Von Werner Grundmann

 

an alle Mitglieder der FIGU 

 

 

Liebe Mitglieder der FIGU,

         nachfolgend erhalten Sie zu Ihrer Information als angehängte Datei NBT1BWG.doc im Umfange von neun Seiten den ersten Teil Neuer Berliner Thesen. Die neuen Thesen befassen sich mit der

"möglichen Bewältigung der ökologischen Krise

durch die unterschiedlichen ökonomischen Formationen"

 

Ich habe diesen Text heute über die zweite Ebene meiner neuen Homepage

http://www.bwgrundmann.de

zur Einsicht veröffentlicht, also über jene Homepage, die für die etablierte Politik und Wissenschaft gedacht ist.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                     Berlin, den 14.12.2007, 02:49 Uhr

 

#################Beginn von Teil 1 der "Neuen Berliner Thesen"

Werner Grundmann                                                       Berlin, den 14.12.2007

 Zur möglichen Bewältigung der ökologischen Krise

durch die unterschiedlichen ökonomischen Formationen

- Neue Berliner Thesen, Teil 1 -

Die nachfolgenden Thesen und Anmerkungen sollen sich in den Abschnitt 7.5. der Neuen Berliner Thesen (NBT) einordnen. Worin sich die neuen Thesen von den Berliner Thesen (BT) unterscheiden, hatte ich in meinem Beitrag „Warum Neue Berliner Thesen?“ vom 12.12.2007 ausgeführt, den ich am 12.12.2007 über meine Homepage www.bwgrundmann.de veröffentlichte: Der Gegenstand der NBT ist die einheitliche Lösung der religiösen, ökologischen und sozialen Frage. Die NBT sollen mit den BT zu einer Einheit verschmolzen werden. 

 

These zur Bewältigung der ökologischen Krise: Um die ökologische Krise zu bewältigen und zugleich die Existenz der Menschheit zu sichern, bedarf es

- erstens des globalen Denkens im Sinne der Wiederherstellung des ökologi­schen Gleichgewichts und des weltweiten lokalen Handelns,

- zweitens der Einsicht zum bewussten Verzicht auf die Befriedigung überzogener, insbesondere materieller Bedürfnisse,

- drittens der Sicherung der weltweiten Befriedigung der Grundbedürfnisse aller Menschen,

- viertens notwendiger gewollter Reduzierung der Überbevölkerung der Erde.

Anmerkungen:

- Diesen Anforderungen zu entsprechen, muss von einer stetig wachsenden Anzahl Menschen aller Kontinente gewollt sein. Ihre Einsicht wird aus den Erfahrungen im Klimawandel, aus der Verschärfung des Gegensatzes zwischen Arm und Reich sowie aus eigener Einsicht in die komplexen Zusammenhänge wachsen.

- Den Menschen muss jedoch bewusst gemacht werden, dass die ökologische Krise nicht schlechthin von Menschen gemacht, sondern gesellschaftlich bedingt ist, dass gesellschaftliches durch gemeinschaftliches Handeln abzulösen ist, wobei sich die Menschen in die Natur einordnen, sich als Teil von ihr verstehen, bewusst für ihre Erhaltung eintreten und Verantwortung für sie übernehmen. Die Übernahme dieser höheren Verantwortung ist auch für jene Gesellschaften des noch bestehenden „real existierenden Sozialismus“ erforderlich, in denen gemeinschaftliches Handeln anteilig ausgeprägt ist.

- Doch es reicht nicht aus, gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Zielstellungen zu beschließen und ihre Erfüllung anzustreben. Letztlich sind die ökonomischen Grundlagen und die ökonomische Funktionsweise der jeweiligen Gesellschaft bzw. Gemeinschaft sowie ihre Stellung zu anderen Gesellschaften bzw. Gemeinschaften ausschlaggebend, ob die Zielstellungen schrittweise überhaupt erreicht werden können oder ob aus der Eigenentwicklung der jeweiligen Gesellschaft bzw. Gemeinschaft tendenziell ein anderes nicht gewolltes Ergebnis resultiert.

- Um das gemeinschaftliche Denken und Handeln dauerhaft zu sichern und zu fördern, bedarf es adäquater ökonomischer Grundlagen und einer entsprechenden ökonomischen Funktionsweise. Die ökonomischen Grundlagen sind (eingeschränkter) Gemeinbesitz an Natur sowie Gemeineigentum zumindest an den Produktionsmitteln und der Infrastruktur. Entscheidendes Mittel allen Handelns zur Befriedigung vor allem der Grundbedürfnisse ist eine Ökonomie im Sinne der rationellen Bedürfnisbefriedigung, und zwar in individueller und in gemeinschaftlicher Form.

- Wenn eine Gesellschaft in eigenem Interesse ihre eigenen Schranken zur Bewältigung der ökologischen Krise überwinden will, muss sie beginnen, die Bildung und Entwicklung von Gemeinschaften, also von Zellen der Gemeinschaftsökonomie, auf der Basis von Gemeinbesitz und Gemeineigentum zu fördern.

- Die Förderung von Zellen der Gemeinschaftsökonomie schafft die Voraussetzungen für das Entstehen von Gemeinschaftssinn, auch über die Zellen hinaus, etwa für die Bereitschaft, über die Leistungen zur Befriedigung der (gemeinschaftlich anerkannten) eigenen Bedürfnisse hinaus zusätzliche Leistungen oder Leistungen für jene zu erbringen, die an der „ökologischen Front“ oder in den „Entwicklungsländern“ tätig sind.

- Der Weg, um über die Bildung, Förderung und Eigenentwicklung von Zellen der Gemeinschaftsökonomie weltweit zur Bewältigung der ökologischen Krise beizutragen, ist der Weg im Sinne der Schöpfung und ihrer Erhaltung!

 

These zur Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter kapitalistischen Bedingungen: Unter kapitalistischen Bedingungen wird infolge privater Konkurrenz auf der Basis von Privatbesitz an Natur und von Privateigentum ständig Kapitalverwertung erzwungen und damit „Wirtschaftswachstum“ ermöglicht, was steigenden Verbrauch von Natur einschließt, weiteres privates Bereicherungsstreben auslöst  und zur Ausdehnung des Privatbesitzes an Natur führt. Ein erheblicher Teil der Profite erwächst aus der Verwertung natürlicher Reichtümer. Die zunehmende Privatisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen und die weltweite „freie“ Eigenentwicklung der Marktwirtschaft verhindern die zentrale Beherrschbarkeit des ökonomischen Gesamtssystems und schließen die generelle Bewältigung der ökologischen Krise unter kapitalistischen Bedingungen von vornherein aus. Private und gesellschaftliche Bereicherung haben jedoch nicht nur zur weltweiten Ausbeutung und Verarmung von Menschen und Natur geführt; es hat – insbesondere in den reichen Ländern – zugleich eine individualistische Lebensweise erzeugt, die ebenfalls zu einer Quelle der Kapitalverwertung geworden ist. Die Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter kapitalistischen Bedingungen und damit die tendenzielle Negativentwicklung resultieren folglich aus einem inneren Systemzwang. Das privatökonomisch dominierte System müsste aufgegeben werden, um der Menschheit ein Überleben zu ermöglichen, was jedoch mit einer gewaltigen Weltwirtschaftskrise verbunden wäre!

Anmerkungen:

- Entscheidend ist die Tendenz, die aus der Eigengesetzlichkeit und Nichtbeherrschbarkeit der gesellschaftlichen Negativentwicklung resultiert! Was als „freier“ Markt gepriesen wird, entwickelt sich weltweit zur Diktatur des Kapitals. Diese „Diktatur ohne Diktatoren“ beherrscht alle gesellschaftlichen Schichten jeweils auf spezifische Weise! Die Tendenz des fortwährenden Verbrauchs und der Belastung der Natur wird durch das ungezügelte Profitstreben der Reichen, durch die individualistische Lebensweise in den Industrieländern und durch das Überlebensstreben jener armen Menschen der Dritten Welt ausgelöst, die sich aus Unwissenheit und wegen fehlender sozialer Altersabsicherung trotz verschlechternder Ernährungsbedingungen weiter verstärkt vermehren und das irdische Lebenssystem zusätzlich belasten. Ohne die soziale Absicherung dieser Menschen wird die Überbevölkerung der Erde zunehmen. Sie soll schon mehr als zehn Mal höher sein, als dies unser Ökosystem zulässt. Fast die gesamte Gesellschaft beteiligt sich wissentlich oder unwissentlich an ihrem eigenen Untergang!

- Den Erdenmenschen ist nicht bewusst, dass sie sich mit der Einstellung „Nach uns die Sintflut!“ am meisten selbst schaden, weil sie durch ihren Anteil an der Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen die eigene (an die Erde gebundene) Reinkarnation auf unabsehbare Zeit hinauszögern.

- Kaum einem Menschen ist bewusst, dass die derzeitige Negativentwicklung von negativ dominanten Intelligenzen, die die Erdenmenschheit seit Jahrtausenden geistig beherrschen, initiiert wurde, dass auch die Suche nach Auswegen aus der ökologischen Krise weitgehend unterbunden wurde und dass erst heute die Voraussetzungen zur möglichen Rettung der Menschheit bestehen dürften.

- Dass es negative geistige Beeinflussungen von Menschen der jüngsten Vergangenheit gab, die wesentlichen Einfluss auf die weltgeschichtliche Entwicklung hatten, lässt sich mit unseren Mitteln nicht beweisen. Jedoch kann dies auf indirekte Weise erkannt werden, etwa wenn sich Politiker und Wissenschaftler in bestimmten historischen Situationen entgegen ihren eigenen früheren Einsichten zu Handlungen verleiten lassen, die sich im Nachhinein als schwerwiegende Fehler herausstellen oder wenn wissenschaftliche Erkenntnisse verabsolutiert und einseitige Vorgehensweisen noch gesteigert werden. Hinter derartigen Fehlentscheidungen oder Fehlleistungen verbirgt sich erstens, dass ein Mensch nur in der eigenen Denkrichtung inspiriert werden kann, was den Missbrauch eines Menschen entgegen der eigenen Überzeugung in einer Stresssituation nicht ausschließt. Zweitens verbirgt sich dahinter der Versuch, über den jeweils geistig beeinflussten einzelnen Menschen Macht über viele Menschen auszuüben, indem er etwa als religiöses Oberhaupt, als Politiker oder als Diktator Marionette ist. Um sich vor negativer geistiger Beeinflussung zu schützen, muss der betreffende Mensch Erfahrungen gesammelt haben wissen, dass es sowohl im positiven wie im negativen Sinne eine geistige Beeinflussung von außen geben kann. Auf jeden Fall ist es notwendig, Hinweise aus der Literatur und aus dem Internet Ernst zu nehmen, die sich mit dieser Problematik befassen. Ich selbst habe beide Seiten, sowohl überaus wertvolle geistige Führung als auch Verführung zum eigenen Schaden, kennen gelernt. Das Erstere überwog bei weitem!

 

These zur Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter sozialistischen Bedingungen: Sowohl das Ziel des Aufbaus sozialistischer Gesellschaften als auch die angewandten Mittel verschärften infolge der politischen, ökonomischen und militärischen Konkurrenz zum kapitalistischen System tendenziell die ökologische Krise. Mit der primären Zielstellung der ständig besseren Befriedigung der materiellen Bedürfnisse wurden die Begrenztheit der irdischen Lebensgrundlagen und die Überbevölkerung der Erde negiert. Die Übernahme des Wirtschaftlichkeitsprinzips als Form von Konkurrenzökonomie zur kapitalistischen Privatökonomie führte und führt unter sozialistischen Bedingungen zur Verschärfung der ökologischen Krise und tendenziell zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse. Deshalb bedarf eine nachkapitalistische Ordnung einer zur Konkurrenzökonomie gegensätzlichen Ökonomie.

Anmerkungen:

- Die aus ökologischer Sicht höchst einseitige und überzogene, später abgeschwächte Zielstellung für die sozialistische Gesellschaft äußert sich besonders deutlich im so genannten „ökonomischen Grundgesetz des Sozialismus“, dessen „umfassende Formulierung“ ausgehend von „Lenins Ausgangsthesen“ zuerst „Stalin … gegeben“ hat: „Sicherung der maximalen Befriedigung der ständig wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft durch ununterbrochenes Wachstum und stetige Vervollkommnung der sozialistischen Produktion auf der Basis der höchstentwickelten Technik“ (vgl. J. W. Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“, S. 41; vgl. auch „Politische Ökonomie“, Lehrbuch, Dietz Verlag Berlin 1955, S. 462). Dieses überzogene Ziel schließt  folglich ein im Sinne der Wachstumsideologie angepasstes Vorgehen ein! Es wird sogar zu einem vorgeblichen „ökonomischen“ Grundgesetz erhoben!

- Im dargelegten Sinne ist der Sozialismus gesellschaftlicher Materialismus mit fundamentalistischem Charakter. Das Fundamentalistische besteht in der fehlenden Selbstbeschränkung im Verbrauch an Natur, die von der vorgeblichen Beherrschbarkeit der Natur genährt wurde.

- Wenn eine negativ dominante Intelligenz über hinreichend außerirdische Erfahrungen über die Entwicklung von selbstzerstörerischen kapitalistischen Bereicherungsgesellschaften verfügt und die politischen Gegenentwicklungen kennt, die sich zur Befreiung von der Ausbeutung herausbilden, dann ist der Stalinsche Weg, der vorgeblich die weltweite Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus ermöglichen sollte, in extremer Form demagogisch. Er versprach das Maximale, führte zu den größten Opfern beim „Aufbau“ und der Verteidigung des „Sozialismus“, trug zur Verschärfung der ökologischen Krise bei und diskriminierte den Kommunismus als vorgebliche langfristige gesellschaftliche Zielstellung. Ich bin mir sicher, dass Stalin ein Werkzeug einer aus dem Hintergrund agierenden negativ dominanten Intelligenz war, ohne dass er dies erahnte.

- Konkurrenzökonomie führt nicht nur zum „ökonomischen Wettbewerb“ der unterschiedlichen gesellschaftlichen Systeme, sondern auch zur politischen und militärischen Konfrontation, damit zur Rüstungsspirale und zur möglichen militärischen Auseinandersetzungen bis hin zu Weltkriegen mit der Gefahr der Selbstvernichtung der Menschheit. Sie schließt aber auch nicht aus, dass sich sozialistische Staaten in ökonomischer Konkurrenz untereinander entzweien.

- Konkurrenzökonomie führt unter sozialistischen Bedingungen zu einer analogen ökonomischen Denkweise auf staatlicher und betrieblicher Ebene wie unter kapitalistischen Bedingungen. Wirtschaftliche Leistungen werden über eine Wertform gemessen. Dem Bruttosozialprodukt unter kapitalistischen Bedingungen wird das Nationaleinkommen unter sozialistischen Bedingungen gegenübergestellt. Dies birgt von vornherein die Gefahr in sich, zu Lasten der Mitwelt und Nachwelt durch die Ausplünderung und Belastung der Natur zu wirtschaften.

- Sozialistisches Wirtschaften führte zur Übertragung der etablierten ökonomische Denkweise auf Gebiete, die keiner ökonomischen Konkurrenz der Systeme unterliegen, wie dem Städte- und Wohnungsbau und der Umweltproblematik. Es verhinderte das Entstehen einer Ökonomie der Reproduktion und einer Ökonomie der Renaturierung. Ein Ergebnis war das dominante Bauen auf der „grünen Wiese“ unter Vernachlässigung der Erhaltung und Modernisierung der innerstädtischen Bausubstanz.

- Die Restauration kapitalistischer Verhältnisse in den sozialistischen Ländern resultierte nicht nur aus unzureichender Demokratie, sondern auch aus den Schranken, die der Gesellschaft in der Ausbeutung von Menschen fremder Länder und in der Ausplünderung der Natur letztlich auferlegt waren. Sie hatte und hat unterschiedliche Formen, die vom inneren Zusammenbruch (nicht zuletzt als Folge des „Totrüstens“) bis zur schrittweisen Privatisierung staatlicher und genossenschaftlicher Betriebe reichen, wie in der Volksrepublik China. Zudem besteht die Gefahr der weitgehenden ökonomischen Isolierung sozialistischer bzw. „kommunistischer“ Länder, wie im Falle von Kuba und Nordkorea.

- Ein wesentlicher Grund, warum in den sozialistischen Ländern viele Menschen dem weiteren Aufbau des Sozialismus ihre Unterstützung versagten, war der Umstand, dass die neue Ordnung die eigene im „ökonomische Grundgesetz“ formulierte Zielstellung im materiellen Sinne letztlich nicht erfüllen konnte. Den Menschen war allerdings nicht hinreichend bewusst, dass das relativ hohe Lebensniveau in einigen kapitalistischen Ländern das Ergebnis aus der Skrupellosigkeit in der Bereicherung durch Fremdausbeutung und zu Lasten der Natur war. Dennoch hatten sich die sozialistischen Länder durch die Verdrängung der Umweltproblematik hinreichend diskreditiert.

- Diese Tendenz verstärkt sich in der Volksrepublik China extrem. Es kann nicht richtig sein, dass die VR China als (noch sozialistisches Land) ihre etablierte „sozialistische“ ökonomische Politik dadurch fortsetzt, dass sie sich Energieressourcen in Afrika aneignet, um ihren Energiehunger in wirtschaftlicher Konkurrenz zu den kapitalistischen Staaten zu stillen und dass sie schlimmste Formen der Ausbeutung im eigenen Lande duldet. Es kann auch nicht richtig sein, dass Hugo Cháves in Venezuela einen Sozialismus lateinamerikanischer Prägung auf den Erdölreichtum des Landes aufbaut und damit beiträgt, den Klimakollaps zu beschleunigen. Wenn die Sozialisten keine anderen Wege gehen können, sollten sie verzichten lernen, aufgeben oder gänzlich neue ökonomische Wege suchen!

- Alle bisherigen sozialistischen Gesellschaften befürworteten die Dominanz des Wirtschaftlichen über das Ökologische. Damit trugen sie tendenziell zur absehbaren Klimakatastrophe bei! Es ist die ökonomische Denk- und Handlungsweise, die unwissentlich dazu führte, dass die Sozialisten den Sozialismus selbst diskriminierten.

 

These zur Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter „kommunistischen“ Bedingungen: Wenn für die kommunistische Lebens- und Produktionsweise unterstellt wird, jeder könne nach seinen Bedürfnissen leben, ohne die Tragfähigkeit und Belastbarkeit des irdischen Lebenssystems zu berücksichtigen, dann ist „Kommunismus“ nach diesem Verständnis gesteigerter gesellschaftlicher Materialismus.

Anmerkungen:

- Nach der vor allem unter Stalin geprägten Lehre stellte der Kommunismus nach dem Sozialismus die zweite, die höhere Phase innerhalb der „kommunistischen Gesellschaftsformation“ dar. Sie sollte „unter voller Ausnutzung der ökonomischen Gesetze des Sozialismus durch den sozialistischen Staat“ nach dem „kommunistischen Prinzip“ erreicht werden: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Es galt, „die materielle Produktionsbasis des Kommunismus zu schaffen, die einen Überfluß an Konsumgütern zu gewährleisten vermag“. (Vgl. „Politische Ökonomie. Lehrbuch“ Dietz Verlag 1955, S. 641-646).

- Der Überfluss findet sich heute in den Kaufhäusern und vielen Wohnungen der reichen Länder. Er wurde von Marx vorausgesagt! Sein Zustandekommen hat unser irdisches Lebenssystem stark belastet. Heute müssen die Linken erkennen, dass das Anstreben des für sie bisher am höchsten eingestuften Zieles, des Kommunismus, bei der vor allem auf das Materielle eingeengten Denkweise zum gemeinsamen Untergang führt! Marx wurde von Stalin rechts überholt! Für den jungen Karl Marx bedeutete Kommunismus sinngemäß die einheitliche Lösung der Naturfrage und der sozialen Frage.

Die vor allem unter Lenin und Stalin entstandene Lehre des „Wissenschaftlichen Sozialismus“ (und Kommunismus) führte nach Jahrzehnten in eine historische Sackgasse. Sollte sie heute als „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ neu belebt werden?

Der stark von Lenin und Stalin geprägte „Marxismus-Leninismus“ hatte die Linken hinsichtlich der Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen faktisch auf einen Automatismus eingestellt: Nach der Zuspitzung der inneren Widersprüche des Kapitalismus folgte „gesetzmäßig“ der Sozialismus und danach der Kommunismus! Auffällig war aus heutiger Sicht, dass selbst für den Kommunismus stets von einer Gesellschaftsordnung, niemals von einer Gemeinschaftsordnung gesprochen wurde. Entscheidend sollten die Formen des Eigentums an Produktionsmitteln und die Produktionsweise sein. Die maximale Zuspitzung der Widersprüche unter Einbeziehung der gesamten kapitalistischen Lebensweise führt jedoch entsprechend dem heutigen Wissen in eine Klimakatastrophe, meines Erachtens zu einem Weltbrand! Was bleibt dann aber vom Automatismus?

 

These zum Begriff Sozialismus: Der Begriff Sozialismus hat als Bezeichnung für eine eigenständige Gesellschaftsordnung durch das einseitig gesteigerte Hervorheben eines grundlegenden Aspektes unter Vernachlässigung anderer wesentlicher Aspekte extremistischen Charakter.

Anmerkungen:  

- Wenn wir vom „Sozialen“ sprechen, meinen wir im Gegensatz zum „Unsozialen“ gerechte, solidarische, die Existenz, die Gesundheit, die Bildung, Ausbildung und die Arbeit sichernde Verhaltensweisen. Wir meinen dies bezogen auf unsere Mitmenschen oder bezogen auf die Leistungen der gesamten Gesellschaft gegenüber ihren Mitgliedern. Das „Soziale“ enthält eine Wertung in unserem Verhalten gegenüber anderen Menschen. Es ist deshalb nicht mit dem neutralen Begriff des „Gesellschaftlichen“ gleichzusetzen. Jedoch hat soziales Verhalten egozentrischen Charakter, wenn es zugleich zu Lasten anderer Lebensformen erfolgt oder wenn aus dem Egozentrismus der Menschen und der gesamten menschlichen Gesellschaft Gefahren für die Weiterexistenz der irdischen Lebenswelt erwachsen. Der Begriff des „Sozialistischen“ ist eine sprachlich übersteigerte Form des „Sozialen“. Er schließt anderes Leben von vornherein als gleichrangig aus, auch jenes Leben, in das wir eingeordnet sind und welches Voraussetzung für unsere Existenz ist. Aus diesen Gründen ist der Begriff „Sozialismus“ höchst fragwürdig und der Begriff „wissenschaftlicher Sozialismus“ als falsch abzulehnen. Der Begriff „Sozialismus“ ist in sich wissenschaftlich falsch – sosehr sich die Linken und Hoffenden an seine Berechtigung gewöhnt haben. Die bisherige Praxis des „real existierenden Sozialismus“ und die derzeitige Entwicklung der verbliebenen sozialistischen (bzw. „kommunistischen“) Länder bezeugen die Fragwürdigkeit der sozialistischen Grundideen.

- Wenn unsere Nachfahren auf die heutige Zeit zurückblicken, könnten sie zur folgenden Feststellung kommen: „Unsere Vorfahren sprachen bis zum 21. Jahrhundert zu Recht vom Kapitalismus, weil die Existenz und Wirkungsweise privaten Kapitals sich über Jahrhunderte in der Tat als bestimmend für die gesellschaftliche Entwicklung der gesamten Menschheit erwiesen hatte. Es gab eine kapitalistische Gesellschaftsordnung, denn das Kapital war zu jener Zeit der wahre Diktator! Der sprachlich gesteigerte Begriff Kapitalismus war zutreffend!“

- Ausgehend davon könnten unsere Nachfahren fragen: „Doch warum sprachen unsere Vorfahren vom Sozialismus, von sozialistischer Gesellschaftsordnung und nicht von einer notwendigen Sozialordnung? Und warum kam es trotz der schweren ökologischen Krise zu dieser gesteigerten Begriffswahl?“ Unsere Nachfahren könnten sich die Frage wie folgt beantworten: „Das Soziale im Sinne des Sozialistischen darf niemals derartig dominant angestrebt werden, dass die Existenz einer Zivilisation gefährdet wird! Der Begriff des Sozialismus wurde zu Unrecht eingeführt und angewandt!“

- Es stellt sich die weitere Frage, ob die Wahl des Begriffes Sozialismus unbedacht erfolgte und einer mechanischen Denkweise entsprang, wonach nach der unsozialen kapitalistischen Ordnung mehr als eine soziale, sondern sogar eine „sozialistische“ Gesellschaftsordnung folgen musste – selbst zu Lasten der eigenen Lebenswelt!

- Die Frage, ob die sozialistische Gesellschaft nicht von vornherein eine Gemeinschaft sein sollte, ob eine Gemeinschaftsordnung aufgebaut werden müsse, wurde gar nicht erst gestellt!

 

These zum Begriff Kommunismus: Der Begriff Kommunismus ist nur dann akzeptabel, wenn er im Marxschen Sinne von vornherein an die weltweite Lösung der Naturfrage gebunden und als weltweite hierarchische Gemeinschaftsordnung auf der Basis von Kommunen, eingeschränktem Gemeinbesitz, Gemeineigentum und unter Nutzung der Gemeinschaftsökonomie verstanden wird.

Anmerkungen:

- Kommunen sollten eigenständige lokale Lebensgemeinschaften sein, die auf der Basis von Gemeinbesitz und Gemeineigentum unter Nutzung voller Demokratie eigenverantwortlich agieren, sich bewusst in ihre lokale Lebenswelt einordnen und sich für deren Erhaltung verantwortlich betrachten. Entscheidungen von vorgelagerten Ebenen können für die Kommunen nur empfehlenden Charakter haben. Sie bedürfen der Einsicht und demokratischer Beschlussfassung durch die Mitglieder der Kommune. Richtige Entscheidungen zu treffen, setzt die Kenntnis der örtlichen Bedingungen voraus.

- Kommunen können sich aus Zellen und Organen der Gemeinschaftsökonomie selbständig bilden. Sie nutzen das Prinzip der Selbstorganisation, Selbstverwaltung und der Eigenentwicklung. Das kommunale Prinzip setzt in seiner vollen Funktionsweise die Auflösung des Staates und damit dessen Verzicht auf den Besitzanspruch über die Natur in den Landesgrenzen voraus. Eigene Ansprüche an die Natur muss eine Kommune ggf. mit anderen Kommunen abstimmen.

- Die begrifflich gesteigerte Form des Kommunalen zum Kommunistischen ist deshalb zu unterstützen, weil das kommunale Prinzip außer im Lokalen nur im Globalen seine existenziell zwingende Berechtigung hat, und zwar ausgehend von den Gesamtansprüchen aller Kommunen an die gesamte eigene Lebenswelt! Die gesamte Menschheit, einschließlich der Tierwelt und Pflanzenwelt, darf das eigene planetare Ökosystem nicht überfordern!

- Volle Demokratie kann nicht weltweit realisiert werden. Deshalb bedarf eine (weltweite) kommunistische Ordnung der Schaffung von hierarchischen Führungsorganen, die die Interessen der Kommunen in höhere Ebenen einbringen, um zu Empfehlungen aus komplexen Betrachtungen zu kommen.

- Das kommunale Prinzip kann wegen der Unmöglichkeit der Übertragung der vollen Demokratie auch nicht auf eine staatliche Ebene übertragen werden. Seine Übertragung birgt die Gefahr der Entstehung einer Diktatur in sich. Kommunen dürfen unter der Herrschaft eines Staates ihre Eigenständigkeit nicht verlieren! Die Existenz „kommunistischer“ Staaten widerspricht dem kommunalen Prinzip!

- Gemeinschaftlichkeit im umfassenden Sinne unter Einbeziehung der Natur kann nur im Lokalen und weltweit existieren, im Lokalen eingebettet in die lokale Lebenswelt, weltweit im Sinne der Erhaltung des planetaren Lebenssystems durch die gesamte Menschheit.

- Der Begriff „Kommunismus“ wurde im Verlaufe des 20. Jahrhunderts von vorgeblichen kommunistischen Führern, von J. W. Stalin und Diktatoren Stalinschen Typs, extrem missbraucht. Davon ausgehend wird der Begriff bis heute von vielen Politikern, Ideologen und Wissenschaftlern auf breiter Front diffamiert. Es sei jedoch klar gesagt: Kommunismus im wahren Sinne hat es in unserer Menschheit bisher nicht gegeben. Kommunismus sollte von vornherein nur als Weltgemeinschaftsordnung (World Community Order) verstanden werden. Es wird Jahrzehnte schrittweisen Vorgehens erfordern, um sich diesem Ziel zu nähern!

Wir müssen offenbar versuchen, Abstand von unserer Zeit zu gewinnen, Abstand von dem, was uns heute immer noch als fast selbstverständlich erscheint, was jedoch in seiner Komplexität zu wenig durchdacht wurde. Als vorgeblicher Beherrscher der Natur, hat sich der Mensch – fast bis zum bitteren Ende – als ihr größter Feind erwiesen, weil er seine Lebenswelt egozentrisch nur als „Umwelt“ sah, so als dürfe er nach eigenem Ermessen mit ihr umgehen, ohne die Konsequenzen tragen zu müssen. 

Doch es war nicht der Mensch der Erde an sich, der zu jener selbstzerstörerischen Fehlleistung „aufstieg“; es war der gesellschaftlich verblendete Mensch: entweder als Repräsentant für zügellosen technischen Fortschritt und fortwährendem Wirtschaftswachstum oder als konkurrierender Repräsentant, der auf der Basis jenes fragwürdigen ausbeutungsfreien „wissenschaftlichen Sozialismus“ ein Wettrennen in der Ausplünderung und Zerstörung der natürlichen „Ressourcen“ veranstaltete. Es gewann letztlich jener, der das Bereichern durch Ausbeutung und Ausplündern am besten beherrschte und heute davon ausgeht, dass im Streben nach Nachhaltigkeit unter Beibehaltung der etablierten Produktions- und Lebensweise die eigene Lebenswelt noch zu retten sei. Was für ein Pyrrhus-Sieg! Doch es hat hinreichend Stimmen geistiger Repräsentanten von Naturvölkern gegeben, die die „hoch entwickelten“ Weißen vor ihrem Irrweg gewarnt haben.

Die gesellschaftlichen Systeme müssen erst selbst an ihre Schranken stoßen, bis ihre Verteidiger darüber nachzudenken beginnen, worin ihre Unzulänglichkeiten bestehen könnten.

#################Ende von Teil 1 der "Neuen Berliner Thesen"