E-Mail vom 17.10.2007, 01:18 Uhr, an info@figu.org    Veröffentlichung am 17.10.2007

 

 

 

Zur Information an alle FIGU-Mitglieder
 

 
Von Werner Grundmann                              Berlin, den 16./17.10.2007

 

an Eduard Meier, FIGU

 

Zur Erd-Charta

 

Herr Meier,

                  Sie haben am 15. Oktober 2007 im FIGU-Sonder-Bulletin Nr. 40 in fünf Sprachen Die Erd-Charta (www.earthcharter.org) in der Final Version vom 24.03.2000 veröffentlichen lassen. Sie wurde vom Earth Council in San José, Costa Rica, herausgegeben. In Anbetracht des hohen Gewichts, die Sie der Erd-Charta geben, gehe ich davon aus, dass Sie ihren Inhalt voll unterstützen. Zugleich verweisen Sie auf die FIGU-Veröffentlichung www.figu.org/ch/uberbevolkerung.

 

Auch nach meiner Auffassung ist die Charta ein außerordentlich bedeutsames Dokument mit einer mir bisher nicht gekannten kompakten und  komplexen Gesamtaussage. Und doch kann ich das Dokument in der vorliegenden Form nicht unterstützen, weil es den Kern der Gesamtproblematik, die existenziell notwendige weltweite Ablösung des kapitalistischen Systems, außer Acht lässt. Selbst dann, wenn die Menschen, Völker und Kulturen allen formulierten Grundsätzen der Charta zu entsprechen versuchen, werden wir durch die Wirkungsweise der inneren Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Systems tendenziell in die Selbstvernichtung geführt. Entweder wir befreien uns von den Zwängen dieses Gesellschaftssystems und lösen es rechtzeitig ab oder wir gehen mit ihm unter.

 

In den „Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung“, die seit dem 5. Oktober 2007 in einer abschließenden Form im Internet veröffentlicht vorliegen, habe ich auf 70 Seiten versucht, die zuletzt getroffene Aussage generell zu begründen. Die grundlegenden Ergebnisse der „Berliner Thesen“ wurden zudem auf 10 Seiten in den „Erkenntnissen aus den Berliner Thesen“ zusammengefasst (vgl. meine Homepage www.wbgrundmann.de).   

 

 

Die Erd-Charta ist als fast ganzheitliches gedankliches Konstrukt mit einem künstlichen Menschen vergleichbar, dessen Herz und Blut vergessen wurde. Sie sagt nicht, was das vorherrschende irdische Gesellschaftssystem bis zum Verbrauch aller „Ressourcen“ funktionstüchtig erhält. Es ist der durch wirtschaftliche Konkurrenz alltäglich gegebene Zwang zum Profit- und Gewinnstreben. Er führt zu privatem und gesellschaftlichem Reichtum einerseits und zur massenhaften Verarmung von Menschen andererseits, aber auch zur Verarmung unserer Lebenswelt. Unter solchen gesellschaftlichen Bedingungen ist die von der Erd-Charta geforderte „Soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit“ eine Illusion. Und wenn Teilerfolge erzielt werden, dann vor allem zu Lasten der Natur.

 

Das Herz der heutigen Weltgesellschaft sind die Großbanken und Weltkonzerne. Ihr Blut heißt Kapital, ihr „Wachstum“ ist die unbegrenzte Kapitalvermehrung! Das Kapital ist das Mittel, um in allen Ecken unserer Welt durch „Investieren“ Profite und Gewinne zur Kapitalvermehrung aufzusaugen. Kapital ernährt nicht die Welt, wie das Blut den menschlichen Körper; es zerstört unsere Lebensgrundlagen, indem es Gebrauchswerte durch Verbrauch und Verwertung in Wert verwandelt. Je mehr Wälder verbraucht werden, umso höher wachsen und verbreitern sich die „Betonwälder“ der Bankenviertel! Doch die meisten Menschen haben dieses kapitalistische Bereicherungssystem schon soweit verinnerlicht und viele sind in ihm schon so weit involviert, dass sie sich ein anderes ökonomisches System gar nicht vorstellen können. Ashtar Sheran sagt in „Harmagedon“ auf Seite 8: „Man spricht von Fortschritt, von einer Evolution. Was sich wirklich vollzieht, ist ein ABSTIEG, der allerdings von den Errungenschaften der Technik verdeckt wird.“

 

Die Erd-Charta enthält uns vor, wodurch das „Herz“ und das „Blut“ des kapitalistischen Systems ersetzt werden kann und soll. Sie geht auf die ökonomische Kernproblematik gar nicht ein! Sie fordert nicht einmal eine neue (politische) Ökonomie – wie dies von einigen bekannten Wissenschaftlichern als unverzichtbar gehalten wird!

 

Sollte es Intelligenzen geben, die die Erdenmenschheit in die Selbstvernichtung treiben wollen, dann brauchten sie die Autoren einer solchen Charta lediglich aufzufordern, all das bekannte Wissen, wie es in der Erd-Charta manifestiert und geordnet ist, zusammenzutragen, aber zugleich die gesellschaftliche Problematik auszuklammern!

 

Herr Meier! Indem Sie der Erd-Charta durch die mehrsprachige Veröffentlichung in einem FIGU-Sonder-Bulletin ein solches Gewicht geben, haben Sie der Erdenmenschheit und sich selbst einen Bärendienst erwiesen! Zugleich verbanden Sie die Veröffentlichung mit ihren unter kapitalistischen Bedingungen nicht realisierbaren Vorschlägen zur Bevölkerungsreduzierung.

 

Deshalb bleibe ich nach dieser Veröffentlichung der Erd-Charta bei meiner Klage gegen Ihre Person, die ich über eine E-Mail am 04.06.2007, 23:58 Uhr, an die FIGU gesandt hatte:

 

Ich klage Sie, Eduard Albert Meier, an, dass Sie unter Missachtung der irdischen gesellschaftlichen Bedingungen und unter Negierung von Erkenntnissen irdischer Wissenschaftler den Menschen der Erde mit der mehrsprachigen Veröffentlichung der Erd-Charta und mit Ihrem Vorschlag zur Bevölkerungsreduzierung eine wissenschaftlich unzureichend begründete Orientierung gegeben haben, deren Realisierung die „Selbstausrottung“ der Erdenmenschheit nicht verhindert! Sie führen als Prophet der Neuzeit Millionen Menschen auf einen falschen Weg! Zugleich missachten Sie jene Erkenntnisse, die uns durch die Schöpfung und aus anderen Quellen nach der Veröffentlichung der Erd-Charta inspirativ vermittelt wurden.

 

 

Werner Grundmann                 Berlin, den 17.10.2007, 01:10 Uhr