E-Mail vom 12.05.2007, 00:22 Uhr an info@figu.org   mit angehängter Datei

der Erstfassung der Berliner Thesen vom 11.05.2007        Veröffentlichung am 12.05.2007

 

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Beginn der E-Mail an die FIGU

Von Werner Grundmann

an alle Mitglieder der FIGU 

 

Liebe Mitglieder der FIGU,

                                      nachfolgend übersende ich Ihnen zur Information in Form der Datei BT2007EF.doc die Erstfassung der Berliner Thesen vom 11. Mai 2007. Die Ausarbeitung umfasst 69 Seiten.

Die Berliner Thesen sind als wissenschaftliche Konzeption für die Begründung einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung aufzufassen. Die einzelnen Thesen werden im Allgemeinen durch Anmerkungen erläutert und begründet. Ihre generelle Beweiskräftigkeit ergibt sich aus der relativ geschlossenen komplexen Gesamtbetrachtung. Die religiös-weltanschauliche Problematik und der Bezug zur FIGU wurden jedoch weitgehend herausgenommen, weil die Berliner Thesen  einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden sollen und deshalb auf rein irdischen Erkenntnissen aufbauen, insbesondere auf jenen von Karl Marx und Friedrich Engels. 

Ich werde die Thesen umgehend über das Internet veröffentlichen. 

Mit freundlichen Grüßen

Werner Grundmann              Berlin, den 12. Mai 2007, 00:22 Uhr

Ende der E-Mail an die FIGU

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Beginn der angehängten Datei mit den Berliner Thesen

Werner Grundmann                                                 Berlin, den 11.05.2007

 Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

- Erstfassung -

 Gliederung

 0.    Vorbemerkungen (S. 2)

 1.    Einleitung (S. 2)

 2.    Hauptthese (S. 5)   

 3.    Ökonomische Verhaltensweisen (S. 7)

 4.    Zur historischen Entwicklung der Ökonomie (S. 14)

4.1. Zur gespaltenen Entwicklung der Ökonomie (S. 14)

4.2. Zur Entwicklung der neuzeitlichen ökonomischen Wissenschaften (S. 24)

4.3. Zur fragwürdigen Dominanz des Wirtschaftlichen (S. 29)   

 5.    Zum Staat als Herrschafts- und Bereicherungsinstrument

       insbesondere über die Natur (S. 38)

 6.    Zum Kapitalismus als Gesellschaftssystem  (S. 41)

6.1. Zu den Erkenntnissen von Marx, Engels und Lenin  (S. 41)

6.2. Zum Kapitalismus als Bereicherungssystem (S. 46)

6.3. Naturwissenschaftliche Aspekte spätkapitalistischer Entwicklung (S. 49)

6.4. Ein neues dialektisches Gesetz der gesellschaftlichen Entwicklung? (S. 53)

6.5. Anforderungen an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung (S. 55)

 7.   Zur Problematik der Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems (S. 57)

7.1. Zur notwendigen Ablösung des Kapitalismus als System (S. 57)

7.2. Zur Dominanz des Ökologischen gegenüber dem Sozialen bei der Ablösung

       des kapitalistischen Gesellschaftssystems (S. 59)

7.3. Zum Versuch der Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus (S. 61)

7.4. Zur notwendigen Verdrängung der Privatökonomie durch die

       Gemeinschaftsökonomie (S. 63)

7.5. Zum Kommunismusbegriff  (S. 68)

 8. Schlussbemerkungen (S. 68)

  

0. Vorbemerkungen

 Die „Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung“[1] sollen beitragen, die zwingende Notwendigkeit und die Möglichkeit der schrittweisen Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems durch eine weltweite Gemeinschaftsordnung generell wissenschaftlich zu begründen. Zum Erreichen dieses Ziel erwies es sich u. a. als erforderlich,

-   bisher unzureichend genutzte Erkenntnisse von Karl Marx und Friedrich Engels zu berücksichtigen und sie in einen übergreifenden Zusammenhang einzuordnen,

-   die unter den Marxisten verbreitete These abzuweisen, Marx habe „den Kapitalismus als gesellschaftlich-ökonomische Formation erschöpfend analysiert“[2],

-  das Gleichsetzen von Ökonomie und Wirtschaftlichkeit zu widerlegen,

-  die kapitalistische System als selbstzerstörerisch nachzuweisen,

-   zu erkennen, dass die zu schaffende nachkapitalistische Ordnung als Gemeinschaftsordnung im Marxschen Sinne eine ökonomische Formation neuer Qualität sein muss.

Die generelle Beweiskraft der Berliner Thesen erwächst aus der einheitlichen ökonomischen Herangehensweise und der wechselseitigen Abstimmung aller wesentlichen Zusammenhänge, die in die komplexen Betrachtungen einbezogen wurden. Infolge ihrer Thesenform können die Berliner Thesen höchsten konzeptionellen wissenschaftlichen Charakter besitzen. Mit Hilfe von Anmerkungen wird jedoch versucht, jede einzelne Thesen zu begründen. Darüber hinaus wurden in die Gesamtheit der Thesen weithin bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse so eingeordnet und mit den neuen Erkenntnissen abgestimmt, dass die neuen und die bekannten Aussagen eine Einheit bilden.

Die Berliner Thesen sind vor allem an Wissenschaftler sowie Politiker gerichtet und weltweit als Aufforderung betrachtet werden, sie zu verwerfen, zu präzisieren oder zu bestätigen. Insofern sind sie keinesfalls Basis für eine neue „wissenschaftliche Weltanschauung“. Allerdings könnten sie klären helfen, was an der „einheitlichen Weltanschauung“ des Marxismus-Leninismus falsch gewesen ist und einer Korrektur bedarf.

 

1. Einleitung

Der übergreifende Zusammenhang, der zu einer qualitativ erweiterten Betrachtungsweise führt, ist das Begreifen der kapitalistischen Ordnung als Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft, was Bereicherung durch Ausbeutung und die Ausplünderung unserer Lebenswelt einschließt. Doch Ausbeutung ist nur eine Form privater und gesellschaftlicher Bereicherung – wenn auch die grundlegende. Weil Bereicherung zu Lasten unserer Lebenswelt möglich ist und durch Konkurrenz erzwungen wird, weil die Menschen der Dritten Welt zur Sicherung ihres Überlebens Natur verstärkt verbrauchen und weil die Lebensweise in den „reichen“ Ländern die eigene Lebenswelt immer mehr belastet, zerstört die Menschheit tendenziell die eigenen Lebensgrundlagen. In diesem Sinne wird das Entstehen und Verschärfen der ökolo1gischen Krise als primär gesellschaftlich bedingt nachgewiesen, woraus sich ableitet, dass nur die vollständige Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftssystems das Überleben der Menschheit ermöglicht.

An der Verschärfung der ökologischen Krise waren bzw. sind die ehemals sozialistischen Staaten infolge ihrer einseitig sozial orientierten Zielstellung und der internationalen Konkurrenz wesentlich beteiligt. Doch obgleich sich auch weiterhin der Gegensatz zwischen Arm und Reich verstärken dürfte, könnte sich hinter dem Rücken der sozialen Problematik die schleichende Verarmung, Belastung und Vergiftung unserer gesamten Lebenswelt als letztlich entscheidend erweisen und die Existenz unsere Menschheit bereits in den nächsten Jahrzehnten gefährden. Deshalb darf die Lösung der sozialen Frage nur so weit vorangetrieben werden, dass die Existenz der Menschheit gesichert bleibt. Der einseitig auf die Lösung der sozialen Frage ausgerichtete sozialistische Weg hat sich durch die Übernahme des Wirtschaftlichkeitsprinzips und das weitgehende Negieren der ökologischen Problematik als historische Sackgasse erwiesen!

Unabhängig von der Existenz und Konkurrenz bisheriger sozialistischer Volkswirtschaften und der Nachfolgestaaten ist die weltweit vorherrschende kapitalistische Privatökonomie[3] das grundlegende Übel der heutigen Zeit. Aus ihrer Dominanz resultiert jener Bereicherungsdrang nach Ausbeutung der Menschen und Ausplünderung der Natur, der die Existenz unserer Menschheit immer mehr gefährdet. Zur Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung muss deshalb die Privatökonomie schrittweise durch Gemeinschaftsökonomie verdrängt werden.

Gemeinschaftsökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung wird als wahre Ökonomie verstanden. Sie kann innerhalb von Gemeinschaftsordnungen am besten realisiert werden und ermöglicht ein einheitliches ökonomisches Denken sowohl in der Produktions- als auch in der Lebensweise. Weil ökonomisches Verhalten auch zum Verhalten des unbewussten Lebens gehört, ist die höchste Form einer (hierarchisch aufgebauten) Gemeinschaftsordnung jene, die sich in die Gemeinschaft des irdischen Lebens bewusst einordnet und ökonomisches Verhalten anderer Lebensformen im gemeinsamen Interesse nutzt. Damit erfüllt die Gemeinschaftsökonomie die Anforderungen einer Überlebensökonomie!

Die Notwendigkeit rationeller Bedürfnisbefriedigung existierte und existiert – unabhängig von den Eigentums- und Besitzverhältnissen sowie unabhängig von Gewinninteressen – für jede Gesellschaft, insbesondere bei der Realisierung von solchen Vorhaben, die für die ganze Gesellschaft bedeutsam sind, so z B. für die Bildung und Erziehung, für kulturelle Einrichtungen, für den Verkehr sowie die technische Versorgung und Entsorgung. Diesen Anforderungen wurde über Jahrhunderte in den Bürgerstädten und auch später in den bürgerlichen und sozialistischen Staaten prinzipiell entsprochen. Es entstanden spezifische und verallgemeinerte ökonomische Disziplinen, wie die Stadtökonomie, die Territorialökonomie, die Sozialökonomie, die Nationalökonomie und die politische Ökonomie. Sie könnten zusammengefasst als Gesellschaftsökonomien bezeichnet werden.

Während die Gesellschaftsökonomien von allgemeinen Bedürfnissen der Menschen ausgehen und die Gemeinschaftsökonomie von der Gesamtheit der Bedürfnisse irdischen Lebens ausgeht, nutzt die Privatökonomie unter Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips die Befriedigung marktrelevanter Bedürfnisse zur privaten Bereicherung. Doch privates Gewinnstreben, Konkurrenz und privater Überlebenskampf sowie das Beschränken der Marktwirtschaft auf Waren und Dienstleistungen führen zu einem immer stärkeren Verbrauch unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Durch das tendenzielle Abnehmen des Anteils an pflanzlichem Leben wird das Lebenssystem der Erde aus dem ökologischen Gleichgewicht gebracht, was zunächst einen Klimawandel sowie Klimakatastrophen verursacht und letztlich – in Form eines Weltbrandes – in einem Klimakollaps endet. Diese Entwicklung verläuft gesetzmäßig, falls die Fehlwirkungen der Anwendung der Privatökonomie und anderer Konkurrenzökonomien nicht rechtzeitig gestoppt werden können.

Das Verdrängen der Privatökonomie wird dadurch ermöglicht werden, dass immer mehr Menschen erkennen, was unter wahrer Ökonomie zu verstehen ist, welche Möglichkeiten sie eröffnet und welche ökonomischen Ursachen der Negativentwicklung der menschlichen Gesellschaft zugrunde liegen. In geeigneten Bereichen der Gesellschaft werden zunächst Zellen der Gemeinschaftsökonomie entstehen, die – relativ unabhängig von der Privatökonomie – eine eigene Lebens- und Produktionsweise entwickeln. Diese Zellen werden sich zu eigenständigen Strukturen der Gemeinschaftsökonomie verbinden. Darüber hinaus gilt es, mit Hilfe der bürgerlichen Institutionen sowie unter der Nutzung der bürgerlichen Demokratie den von der Privatökonomie weitgehend verdrängten Gesellschaftsökonomien ihre Bedeutung wieder zu sichern, entsprechende Reprivatisierungen vorzunehmen und den Verwertungsspielraum der Privatökonomie Schritt für Schritt einzuengen.

Das schrittweise Verdrängen der Privatökonomie wird zur Realität werden, wenn in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Menschen aller Kulturen und Völker auf kreative Weise beginnen, entsprechend den Erfordernissen der Gemeinschaftsökonomie und der Gesellschaftsökonomien rationell zu leben, ihre Lebenswelt zu erhalten, sich abzustimmen, einander zu helfen, rationell zu produzieren und Gebrauchswerte auszutauschen, wenn sie zudem bewusst einen Teil ihrer Arbeitskraft einsetzen, um ihre und die gemeinsame Lebenswelt zu renaturieren.

Entscheidende Voraussetzungen für die Gestaltung der gemeinschaftlichen Lebensweise unter Nutzung der Gemeinschaftsökonomie sind demokratische Entscheidungen über alle wesentlichen Belange, die die Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft betreffen. Während unter privatökonomischer Dominanz demokratische Entscheidungen über die Produktionsweise, über den Produktionsumfang und den Austausch der Erzeugnisse ausgeschlossen sind, wird unter gemeinschaftlichen Bedingungen volle Demokratie praktiziert werden. Sie zu realisieren, schließt ein, sich weitgehend unabhängig von den Einflüssen der Privatökonomie zu machen – bis zur Einführung eigener Währungen, die nur zum Austausch in den Gemeinschaften bestimmt sind.

Sich für Gemeinschaftsökonomie unter voller Demokratie zu entscheiden, bedeutet zugleich, den Einflussbereich der Privatökonomie einzuengen. Indem die Gemeinschaften die „Verlierer“ der Privatökonomie integrieren, indem sie die „nicht verwertbaren“ Gebrauchswerte, wie z. B. leer stehende Gebäude, nutzbar machen, gewinnen sie an Kraft und Einfluss, zeigen sie an Beispielen die ökonomische Unsinnigkeit des Abrisses tausender Wohnungen trotz tausender Obdachloser.

 

2. Hauptthese

Die Menschheit wird seit Jahrtausenden von einem verengten privatökonomischen Denken und Handeln beherrscht, das sie tendenziell in eine ökologische Katastrophe treibt, weil es private und gesellschaftliche Bereicherung zu Lasten der Natur sowie auf Kosten anderer Menschen ermöglicht, weil es den natürlichen Reichtum verarmt und durch die Verschärfung der sozialen Gegensätze eine weitere Übervölkerung der Erde provoziert. Das verengte ökonomische Denken basiert auf der breiten Akzeptanz von Privateigentum, Privatbesitz und privater Bereicherung als den entscheidenden Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklung. Es ist vor allem auf privaten Gewinn orientiert und äußert sich heute insbesondere in der Gleichsetzung von ökonomischem und Wirtschaftlichkeitsdenken. Es impliziert, dass es vorgeblich historisch kein anderes ökonomisches Denken gab und dass ökonomisches Verhalten nur an intelligentes Leben gebunden ist. Die Menschheit wird nur überleben, wenn sie rechtzeitig einen Weg findet, um weltweit gemeinschaftliches ökonomisches Denken und Handeln im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung zu erlernen und die Privatökonomie sowie andere Formen von Konkurrenzökonomie durch Gemeinschaftsökonomie zu verdrängen, wenn es ihr letztlich gelingt, die privat dominierten Gesellschaftsordnungen durch eine hierarchische Gemeinschaftsordnung voller Demokratie abzulösen.

 

Erläuterungen zur Hauptthese:

Eine Aufgabe der Berliner Thesen soll es sein, die tendenziellen Wirkungen des wirtschaftlichen Denkens und Handelns aufzuzeigen und die Leser auf das andere, das vorgeblich nicht vorhandene ökonomische Denken hinzuführen, welches jedem von uns naturwüchsig gegeben ist und auch von jedem persönlich praktiziert wird. Es existiert parallel zum wirtschaftlichen Denken und Handeln. Die Ursache für das wissenschaftliche Negieren des naturgegebenen ökonomischen Denkens und Verhaltens ist gesellschaftlich bedingt. Doch bereits beim jungen Friedrich Engels und bei Karl Marx finden sich Hinweise, die eine grundsätzliche Kritik des wirtschaftlichen Denkens einschließen und auf die Notwendigkeit des auf die Bedürfnisbefriedigung gerichteten ökonomischen Denkens orientieren.

Während Friedrich Engels die ökonomischen Wissenschaften seiner Zeit als Privatökonomie kennzeichnete[4] und sich damit auf indirekte Weise für eine nichtprivate Ökonomie aussprach, verwies auch Karl Marx auf jene andere Ökonomie, ohne sie ausdrücklich zu definieren. Er ging er von „gemeinschaftlicher Produktion“, von den „Gesamtbedürfnissen“ der Gesellschaft und „einer planmäßigen Verteilung der Arbeitszeit auf die verschiednen Zweige der Produktion“ aus. Auch „der Einzelne“ müsse „seine Zeit richtig einteilen, um … den verschiednen Anforderungen … Genüge zu leisten.“ „Ökonomie der Zeit“ ist für ihn „erstes ökonomisches Gesetz auf der Grundlage gemeinschaftlicher Produktion.“ Dies sei „jedoch wesentlich verschieden vom Messen der Tauschwerte … durch die Arbeitszeit.“[5] Er stellte fest, dass sich „schließlich alle Ökonomie [in Ökonomie der Zeit auflöst]“. Marx’ Gegenüberstellung verweist auf den qualitativen Unterschied zwischen den beiden Ökonomien.

Die langfristigen Fehlwirkungen jener Ökonomie, die auf Privateigentum und Privatbesitz basiert, erwachsen aus den Konkurrenz- und Gewinnzwängen, denen die Unternehmen auf dem Markt ausgesetzt sind. Diese Zwänge führen zu Problemen in der Befriedigung von marktwirtschaftlich nicht relevanten Grundbedürfnissen, was die ökologische Krise tendenziell verschärft. Hingegen hat eine Gemeinschaft, die auf der Grundlage von Gemeineigentum und Gemeinbesitz produziert, die Möglichkeit, die Arbeit so zu verteilen, dass der Befriedigung zumindest aller Grundbedürfnisse aller Menschen entsprochen wird.

Um sich dem Verstehen des anderen, des verdrängten ökonomischen Denkens zu nähern, hilft die Frage, was unter der Bedingung der Nichtexistenz von Geld als ökonomisch bezeichnet werden sollte. Die Aussagen von Karl Marx zur Ökonomie der Zeit tragen bei, diese Frage zu beantworten. Im persönlichen Bereich kann bereits die Wahl einer Wegeabkürzung als ökonomisches Verhalten bezeichnet werden, ebenso das gleichzeitige Besorgen aller innerhalb einer Woche benötigten Lebensmittel, auch das Ersparen unnötigen Verbrauchs an Energie und Wasser sowie das Verhindern von Abfall. Als ökonomisch darf auch die bewusste Arbeitsteilung im Haushalt bezeichnet werden, wenn sie es ermöglicht, die regelmäßigen Pflichten rationeller und schneller zu erledigen.

In der Natur hat sich eine generelle Arbeitsteilung durch das Herausbilden der Geschlechter entwickelt, was ein Überleben vieler Arten und ihre rationelle Lebensweise erst ermöglicht. Auch Insekten verhalten sich ökonomisch, indem sie als Volk arbeitsteilig leben und sich vermehren. Selbst Bäume zeigen ein ökonomisches Verhalten, etwa wenn sie zur maximalen Energieaufnahme in Richtung der stärksten Sonneneinstrahlung wachsen oder wenn Bäume an der Stelle der maximalen Beanspruchung auch das größte Dickenwachstum entwickeln.

Die Fähigkeit zum ökonomischen Verhalten im Sinne des rationellen Einsatzes an Zeit, Kraft und Material sowie der aus Fortschritten in der Rationalität erwachsenden neuen Möglichkeiten zur effizienten Nutzung der gegebenen Entwicklungs- und Überlebensbedingungen ist offenbar eine grundlegende Eigenschaft allen Lebens![6] Es fragt sich deshalb, ob wir an der Schwelle der Entdeckung oder Wiederentdeckung der „wahren“ Ökonomie und der geistigen Befreiung von den Fesseln des Wirtschaftlichkeitsdenkens stehen. Der Schritt zum möglichen und notwendigen Unterscheiden zwischen Ökonomie und Wirtschaftlichkeit könnte die wichtigste Voraussetzung für das Gewinnen der Menschen zur weltweiten Ablösung des Kapitalismus als Gesellschaftssystem und zur Schaffung einer Gemeinschaftsordnung auf neuer ökonomischer Basis sein.

Die Denkweise, die mit jener „wahren“ Ökonomie verbunden ist, wird auch in der (bereits zitierten) Erkenntnis von Karl Marx deutlich, dass es der „gemeinschaftlichen Produktion“ bedarf und notwendig ist, von den „Gesamtbedürfnissen“ der Gesellschaft auszugehen, also nicht nur von den marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnissen! Das aber bedeutet, dass selbst wohlgemeintes individuelles ökonomisches Verhalten ökonomisch schaden kann, wenn es sich unzureichend in die gesamtgesellschaftlichen Zielstellungen einordnet. Jeder Einzelne sollte deshalb die Dominanz des Gesellschaftlichen bzw. des Gemeinschaftlichen über das Individuelle verinnerlichen und sich gegen die weit verbreitete Auffassung wenden, wonach das Gewähren privaten Gewinns letztlich allen nützt. Es gilt, das ökonomische Denken und Handeln vom Kopf auf die Füße zu stellen!

 

3. Ökonomische Verhaltensweisen

These zum natürlichen ökonomischen Verhalten: Ökonomisches Verhalten ist eine Eigenschaft allen Lebens. Es ist an Arbeit sowie an Leistung gebunden. Bei allen Lebensformen äußert sich natürliches ökonomisches Verhalten im Streben der einzelnen Individuen nach rationeller[7] Bedürfnisbefriedigung.

Anmerkungen:

- Jedes Einzelwesen einer jeden Lebensform[8] hat – in Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen – eigene Bedürfnisse, weil es etwas Ganzheitliches darstellt, ein System – ganz gleich, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Es muss sich ernähren, um als System weiter zu existieren. Keines von ihnen kann stellvertretend den Hunger einer anderen Lebensform stillen. Auch in Symbiose mit anderen Lebewesen existiert es relativ selbständig. Etwas anderes ist es, ob die einzelnen Individuen für sich allein in der Lage sind, für Nahrung und das Überleben der Art zu sorgen.

- Jedes Einzelwesen einer jeden Lebensform muss zum gemeinschaftlichen Leben mit gleichartigen Lebensformen und zum Überleben seiner Art beitragen. Es bedarf dafür (genetisch programmierter) Eigenschaften und Fähigkeiten, wie etwa eine Biene zum Bau von Waben.

- Naturwüchsiges ökonomisches Verhalten gibt es auch beim Menschen. Es widerspricht seiner Natur, nützliche Gebrauchswerte wegzuwerfen, nicht zu nutzen oder schnell zu verschleißen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Bedürfnisse von Menschen zum Erzielen wirtschaftlicher Gewinne manipuliert werden können.

 

These zum gemeinschaftlichen ökonomischen Verhalten: Die Individuen vieler Lebensformen vermögen nur gemeinschaftlich und unter Arbeitsteilung, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Lebensweise sowie ihr Überleben als Art zu sichern. Dabei sind Art und Umfang der Arbeitsteilung objektiv Ausdruck unbewusster rationeller gemeinschaftlicher Bedürfnisbefriedigung. Bewusste Gemeinschaftlichkeit begann während der Urgesellschaft.[9] Sie wurde im Überlebenskampf der Sippen erforderlich und basierte auf Gemeineigentum, persönlichem Eigentum und Gemeinbesitz.

Anmerkungen:

- Erst aus hinreichend großen Fortschritten in der rationellen gemeinschaftlichen Lebensweise und bei der Arterhaltung bzw. bei Verschlechterung der Lebensbedingungen erwächst für die einzelnen Arten die Möglichkeit und Notwendigkeit der Erschließung neuer Lebensbereiche bzw. der Veränderung ihrer Verhaltensweisen.

- In den Urgemeinschaften, den Sippen, wurden die auf rationelle Weise individuell, gemeinschaftlich oder arbeitsteilig geschaffenen und aus der Natur angeeigneten Produkte unter den Angehörigen der Sippe aufgeteilt. Gemeineigentum der Sippen waren vor allem die gemeinschaftlich geschaffenen Wohnstätten; als Gemeinbesitz wurden die gemeinschaftlich erschlossenen natürlichen Flächen und bearbeiteten Böden betrachtet. Die selbst hergestellten Werkzeuge und Waffen stellten persönliches Eigentum dar. In ihrer Verhaltensweise entsprachen die Sippen den Anforderungen von Gemeinschaftsökonomie in Naturalform: der Naturalökonomie.[10]  Mit der Verteidigung „ihres“ Jagdreviers durch eine Sippe begann der Besitzanspruch über Teile der Natur.

 

These zum gesellschaftlichen ökonomischen Verhalten: Unabhängig von den spezifischen Eigentums- und Besitzverhältnissen hat jede Gesellschaft gemeinsame Bedürfnisse, deren Befriedigung gesellschaftliche Entscheidungen, gemeinsamen Arbeitsaufwand und gemeinsame Mittel zur Realisierung der Beschlüsse erfordert. Ökonomisch im Sinne der jeweiligen Gesellschaft ist es, wenn die Bedürfnisse in der vereinbarten Qualität unter Beachtung aller Aufwendungen und der zu erwartenden Folgeaufwendungen mit möglichsten geringem Aufwand befriedigt werden.

Anmerkungen:

- Wenn die Gesellschaft nicht in der Lage ist, die Maßnahme mit eigenen Kapazitäten auf rationelle Weise zu realisieren, kann es im Sinne der Gesellschaft zweckmäßig sein, spezialisierte Produzenten zu beauftragen. Dabei bleibt aus gesellschaftlicher Sicht die mögliche rationelle Befriedigung der gemeinsamen Bedürfnisse entscheidend.

- Innerhalb von Gesellschaften existieren als Folge unterschiedlicher Eigentums- und Besitzverhältnisse unterschiedliche Eigeninteressen, die auf die Entscheidungen der Gesellschaft – auch unter Verletzung der Gesamtinteressen – Einfluss nehmen können.

- In entwickelten Gesellschaften ist die Realisierung vereinbarter Maßnahmen zur Befriedigung gemeinsamer Bedürfnisse an die Existenz von Wertformen (Gold, Geld, etc.) gebunden.

 

Zum persönlichen ökonomischen Verhalten: Vernünftige Mensch sind täglich bemüht, belastende Tätigkeiten auf rationelle Weise mit möglichst geringem Aufwand an Zeit, Material und Energie zu erledigen sowie schonend mit ihren Gebrauchsgegenständen umzugehen.

Anmerkung:

- Persönliches ökonomisches Verhalten existiert auch unabhängig vom Einsatz an Geld.

 

Zum privaten ökonomischen Verhalten: Privates ökonomisches Verhalten ist unter Einsatz fremder Arbeit auf persönlichen oder gemeinsamen Gewinn in Natural- oder in Wertform ausgerichtet. Der Gewinn bzw. Profit wird zu Lasten der arbeitenden Menschen und der gemeinsamen Lebenswelt unter Nutzung des Wirtschaftlichkeitsprinzips erzielt. Auch Gesellschaften können sich privatökonomisch verhalten, wenn sie gewinnorientiert arbeiten lassen.

Anmerkungen:

- Privates ökonomisches Verhalten schließt direkt oder indirekt rationelles Verhalten zur Befriedigung von Bedürfnissen mit ein. Es kommt jedoch darauf an, woran privatökonomische Fortschritte gemessen werden.

- Das Aneignen von Werten, Gebrauchswerten oder gar von Menschen außerhalb des Arbeitsprozesses ist nichtökonomisches Bereichern. Sie existiert in privater, gesellschaftlicher und nationaler Form seit vielen Jahrtausenden in großer Vielfalt und reicht vom Spielbetrug, Raub, von der Versklavung, Zuhälterei, Erbschleicherei, von Börsenmanipulationen bis zu den Eroberungskriegen.

- Nichtökonomisches Bereichern schuf historisch vielfach die Voraussetzung für ökonomisches Bereichern durch Ausbeutung. Zum nichtökonomischen Bereichern gehört die so genannte ursprüngliche Akkumulation.[11]

 

Zum ökonomischen Produzieren: Als bewusste menschliche Tätigkeit ist ökonomisches Produzieren in allen Formationen seit der Urgesellschaft auf die rationelle Herstellung von Gebrauchswerten gerichtet.

Anmerkung:

- Auch der kapitalistische Produktionsprozess ist auf die rationelle Herstellung von Gebrauchswerten gerichtet. Es muss jedoch erstens gefragt werden, ob aus der Sicht des Produzenten die Produktion der Gebrauchswerte primär der Befriedigung von Bedürfnissen oder primär seinen Gewinninteressen dient, ferner ob die hergestellte Menge dem Bedarf entspricht. Zweitens ist zu fragen, inwieweit über die Produktion der Gebrauchswerte und ihre Nutzung die Befriedigung anderer Bedürfnisse von Menschen und anderen Lebensformen eingeschränkt oder belastet werden. D. h., um den spezifischen Anteil der betrachteten Produktion an der gesamten rationellen Bedürfnisbefriedigung einordnen zu können, gilt es stets, den Gesamtzusammenhang in der Produktions- und Lebensweise zu berücksichtigen.

 

These zum ökonomischen Reproduzieren:[12] Seit der Urgesellschaft dient ein wesentlicher Anteil menschlicher Arbeit der rationellen Erhaltung bzw. dem rationellen Ersatz jener Gebrauchswerte, die über längere Zeit genutzt werden können.

Anmerkung:

- Die Denkweise des ökonomischen Reproduzierens ist konträr zum Verhalten einer Wegwerfgesellschaft. Die Wegwerfideologie ist eine Folge vorgeblich notwendigen Wirtschaftswachstums. Ökonomisches Reproduzieren reduziert Naturverbrauch und führt zur Denkweise der ökonomischen Renaturierung, d. h. zur Suche nach den rationellsten Wegen, um zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts beizutragen und die Einheit des Menschen mit der Natur auf höherer Ebene wieder anzustreben.

 

Ökologisch nachhaltiges ökonomisches Verhalten: Ein Teil der Naturvölker lebt noch heute in ihren angestammten Regionen in Urgemeinschaften. Sie sichern durch rationelles Produzieren und Reproduzieren ihre Lebensweise, erhalten aber zugleich ihre Lebenswelt, so dass von einem ökologisch nachhaltigen ökonomischen Verhalten gesprochen werden kann.

Anmerkungen:

- Das ökonomische Verhalten dieser Naturvölker ist primär auf das rationelle Herstellen und Erhalten sowie auf das Aneignen von Gebrauchswerten gerichtet. Obgleich sie über kein Geld verfügen, sind sie nicht arm![13] Sie sind reicher als jene Bewohner von Elendsvierteln in der so genannten dritten Welt, die mit wenigen Dollars im Monat auskommen müssen. Die Naturvölker verarmen jedoch dann, wenn sie mit ihrer Lebenswelt in den Strudel der Globalisierung geraten, wenn ihnen ihre Existenzbedingungen genommen werden und ihnen „Entwicklungshilfe“ zuteil wird.

- Obwohl die Naturvölker die Denkweise des Wirtschaftens weder kennen, noch anstreben, noch brauchen, wird ihr naturwüchsiges ökonomisches Verhalten fälschlicherweise – im Sinne der Selbsterhaltung – als Subsistenzwirtschaft[14] bezeichnet oder als Naturalwirtschaft und diese als Wirtschaftsstufe[15]. Die Berechtigung, vom Wirtschaften zu sprechen, ist erst dann gegeben, wenn aus der Ausbeutung von Menschen, von Sklaven oder Leibeigenen, (in Naturalform) ein Mehrprodukt erwächst, das sich der Sklavenhalter bzw. der Feudalherr oder anteilig die Kirche als Zehnt[16] aneignet. Marx unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft.

 

These zur Unterscheidung von Gemeinschaftsökonomie, Gesellschaftsökonomien und Privatökonomien: Gemeinschaftsökonomie, Gesellschaftsökonomien und Privatökonomien unterscheiden sich darin, im Auftrage welcher Interessenten welche ökonomische Ziele verfolgt werden, von wessen und welchen Bedürfnissen ausgegangen und woran ökonomischer Fortschritt  gemessen wird.

Anmerkungen:

- Die Gemeinschaftsökonomie und die Gesellschaftsökonomien gehen von Bedürfnissen aus, um sie rationell zu befriedigen, während die Privatökonomie Bedürfnisse mittelbar nutzt, um Gewinne zu erzielen. Dabei beschränkt sich die Privatökonomie auf die marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnisse, d. h. auf jene, die auf dem Markt einen Preis erzielen. Zu ihnen gehören auch das Bedürfnis nach Geld, das in Form von Krediten angeboten wird, sowie das Bedürfnis nach dem Wechsel von Geld in andere Währungen. Aus den reinen Geldgeschäften entstand eine eigene Privatökonomie, die heutige Finanzwirtschaft. Es ist deshalb gerechtfertigt, von Privatökonomien zu sprechen.

- Gesellschaftsökonomien orientieren auf ausgewählte Bedürfnisse, deren rationelle Befriedigung von den gesellschaftlichen Repräsentanten unter den jeweiligen Bedingungen für notwendig und möglich betrachtet wird.

- Der Gegenstand der Gemeinschaftsökonomie ist die rationelle Befriedigung der zur jeweiligen Zeit gemeinschaftlich anerkannten individuellen und gemeinsamen Bedürfnisse in ihrer Gesamtheit und in wechselseitigem Zusammenhang mit der Befriedigung der Bedürfnisse der anderen Lebensformen.

- Privatökonomien basieren auf privatem Reichtum jeglicher Form, der zur weiteren privaten Bereicherung genutzt werden kann. Dazu können neben den Produktionsmitteln u. a. Immobilien, Geld, Aktien sowie der Besitz an Grund und Boden und letztlich alle verwertbaren Reichtümer der Natur gehören. Gemeinschaftsökonomie geht von Gemeineigentum und persönlichem Eigentum aus. Der Besitz an Natur wird jedoch auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Die Gesellschaftsökonomien schließen die Möglichkeit ein, die Interessen aus unterschiedlichen Formen an Eigentum und Besitz zu berücksichtigen.

- Privatökonomische Ziele haben eigenständigen, egozentrischen oder gar egoistischen Charakter, die im Auftrag privater Interessenten außerhalb demokratischer Entscheidungen verfolgt werden. Gemeinschaftsökonomie und Gesellschaftsökonomien sind Mittel, um bestimmte Ziele auf rationellste Weise anzustreben, die ausgehend von demokratischen Entscheidungen unterschiedlicher Form realisiert werden sollen.

- Privatökonomien sind primär am Wert orientiert. Ihre Ergebnisse werden vor allem mittels eines kumulativen Kriteriums gemessen. Das Maß ist der erzielte Gewinn für die jeweils während eines Zeitabschnitts erzeugten und verkauften Gebrauchswerte bzw. für die erbrachten Leistungen. Gemeinschaftsökonomie und die Gesellschaftsökonomien messen ökonomischen Fortschritt über ein Differenzkriterium, d. h. über die Reduzierung des Arbeitsaufwands zur Befriedigung der betrachteten Bedürfnisse im Verlaufe eines Zeitabschnitts. Die Gemeinschaftsökonomie schließt im fortgeschrittenen Entwicklungsstand jene Maßnahmen mit ein, die die Menschheitsgemeinschaft sowie die territorial lokalisierten Gemeinschaften für den jeweiligen Zeitabschnitt für notwendig und möglich halten, um zur Lösung der ökologischen Frage und zur Erhaltung der Lebenssysteme beizutragen.

- Die Existenz von Geld als rationelles Mittel zum Austausch von Gebrauchswerten und zur Entlohnung der Arbeit ist nicht ausreichend, um die genannten Ökonomien zu unterscheiden, sofern der Austausch auf der Basis vergleichbarer Arbeitszeit für die Herstellung der Gebrauchswerte erfolgt.

- Privatökonomische Akteure dehnen ihren Einflussbereich – in Konkurrenz zu anderen Akteuren – nach Möglichkeit immer weiter aus, unter Umständen auch in rechtlich unzulässiger oder gewaltsamer Form. Dies schränkt den Wirkungsbereich der Gesellschaftsökonomien mit fortschreitender Entwicklung immer weiter ein. Die ständig verbesserte Wirkung der Gemeinschaftsökonomie erwächst hingegen aus freiwilliger Zusammenarbeit und freiwilligem Zusammenschluss von Menschen zu Gemeinschaften höherer Ebenen.

 

These zum Verhältnis von Politik und Ökonomie: Gemeinschaftlicher bzw. gesellschaftlicher Fortschritt wird wesentlich davon bestimmt, worauf ökonomisches Verhalten ausgehend von politischen Entscheidungen gerichtet wird.

Anmerkungen:

- Wenn ökonomisches Verhalten dazu führen soll, Bedürfnisse rationeller zu befriedigen, wodurch die Befriedigung neuer Bedürfnisse ermöglicht werden kann, dann ist es offenbar für den gemeinschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Fortschritt entscheidend, welchen Bedürfnissen entsprochen wird. Sollten die Kapazitäten und Mittel aufgewandt werden, um die Machtpositionen der weltlichen und geistlichen Herrscher zu erhalten und zu erweitern, dann behindert dies den allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt, etwa wenn weniger Mittel für die Bildung und Forschung zur Verfügung stehen sowie wenn sich aus den subjektiven Entscheidungen der Herrschenden Folgeaufwendungen für Jahrhunderte ergeben.

- Worauf sich ökonomisches Verhalten im Verlaufe der historischen Entwicklung richtete, war in hohem Maße von den gesellschaftlichen und ideologischen Verhältnissen abhängig, insbesondere von den Eigentums- und Besitzverhältnissen und damit von den politischen Entscheidungen der Geistlichen, der Mächtigen und der Reichen. Doch als sich der Mensch über andere Menschen erhob, versuchte er auch, die Natur zu beherrschen und sich vom vermeintlichen Besitzer seiner Welt zu ihrem Beherrscher und Eigentümer zu erheben.

- Wer historisch zurückblickt, muss konstatieren, dass in den verschiedenen Kulturen in der Tat die Sicherung der Macht der weltlich und geistlich Herrschenden extrem viel Arbeitskraft und Mittel erforderte. Was heute als Ergebnis der Leistungen unserer Vorfahren in Form der Herrschersitze und Sakralbauten als Kulturdenkmäler bewundert wird, war ausgehend von den objektiven Bedürfnissen der damals beteiligten Menschen und durch die Maßlosigkeit vieler Bauten eine riesige Verschwendung an geistiger Potenz und Arbeitskraft, die den gesellschaftlichen Fortschritt extrem behinderte. Die riesigen mittelalterlichen Ausgaben für die Sakralbauten im Vergleich zu jenen für weltliche Bauten, den „Profanbauten“, können mit den ungeheuer großen Aufwendungen in der heutigen Zeit für die Erhaltung und den Ausbau der Mobilität verglichen werden. Die Mobilität ist eine Art Religion der heutigen „Spaßgesellschaft“ geworden!

- Unter den Bedingungen theologisch gestützter Autokratie und der regelrechten Verschwendung abhängiger Arbeitskraft zur Realisierung der gewaltigen Bauvorhaben, deren Fertigstellung sich teils über mehrere Generationen hinzog, war es nicht möglich, Ökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung zu begreifen und danach zu handeln. Die Chance, bei der Entscheidung über die wichtigsten Bauvorhaben von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen der Bewohner auszugehen, ergab sich erst mit der Entstehung der mittelalterlichen Bürgerstädte. Diese Chance wurde trotz der beschränkt verfügbaren Mittel wegen des Sicherheitsbedürfnisses der Stadtbürger im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung bestmöglich intuitiv genutzt, wodurch eine noch heute bewunderte städtische Kultur entstand.

- Für den Fortschritt bzw. die Stagnation einer Gesellschaft sind somit die politischen Entscheidungen bzw. Fehlentscheidungen, die dem Einsatz der Kräfte und Mittel für Baumaßnahmen vorausgehen, von entscheidender Bedeutung.

- Eine analoge Bedeutung hatte das Nichterkennen notwendiger gesellschaftlicher Entscheidungen zur Befriedigung unterschätzter gemeinsamer Bedürfnisse, woraus sich Fehlwirkungen für künftige Generationen ergeben konnten. Einschneidend waren die fehlende Absicherung der Entsorgung in den Bürgerstädten sowie der unzureichende Feuerschutz, wodurch sich Seuchen und Feuer sehr schnell über die ganze Stadt ausbreiten konnten.

- Die Grenzen für politisch fragwürdige Entscheidungen sind dann gegeben, wenn sich als Konsequenz aus dem ökonomischen Verhalten Fehlwirkungen für künftige Generationen ergeben und die Menschheit in Gefahr gerät, ihren natürlichen Reichtum so weit zu verbrauchen und zu schädigen, dass ihre eigene Existenz gefährdet wird. Dann gilt es weltweit politisch zu entscheiden, welchen Bedürfnissen überhaupt noch entsprochen und worauf ökonomische Tätigkeit im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung weiterhin gerichtet werden darf, damit die Menschheit überlebt.

 

4. Zur historischen Entwicklung der Ökonomie

4.1. Zur gespaltenen Entwicklung der Ökonomie

These zur historischen Spaltung der ökonomischen Entwicklung: Mit der Herausbildung der Sklaverei in den entstandenen antiken Stadtstaaten spaltete sich die ökonomische Entwicklung. Neben dem gesellschaftlich erforderlichen ökonomischen Verhalten entstand das auf Naturalwirtschaft und Sklaverei basierende privatökonomische Verhalten. Doch die Ausbeutung von Sklaven war nur die eine Seite privater und gesellschaftlicher Bereicherung; die andere Seite bildete die nichtökonomische Bereicherung mittels Raub, Kriegen, Vertreibung und weiterer Versklavung. Sie wurde zu einer wesentlichen Grundlage, um das Privatökonomische auszudehnen.

Anmerkungen:

- Der Entstehung der Privatökonomien, die bis heute primär wertgebunden sind, ging im vorderen Orient eine fast zweitausend Jahre währende Periode kriegerischer nichtökonomischer und an Naturalwirtschaft gebundener Bereicherung voraus. Erste Kriege sind aus der „Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.“ historisch überliefert. Die Herrscher handelten vorgeblich im „göttlichen Auftrag, hinter dem … eigene Machtansprüche und Eroberungsgier“ verborgen waren.[17] „Die sumerischen Königsgräber in Ur beweisen uns außerdem, dass die Stadtkönige jener Zeit ihren göttlichen Auftrag auch im Jenseits fortführen wollten und deshalb viele Soldaten“ und Bedienstete „mittels Gift mit in den Tod nahmen“.[18] Verschiedene Assyrerkönige ließen Berichte über ihre Schandtaten in Stein meißeln.[19] Es ist wichtig zu wissen, dass derlei Grausamkeiten von den Herrschern mehrerer Völker ausgingen und dass sich das Berufen auf höhere Mächte als Ideologie über die Jahrtausende bis heute nicht nur in den Köpfen von Fundamentalisten und Extremisten erhalten hat.

- Die Berechtigung, von wirtschaftenden Einheiten und von Naturalwirtschaft als der Produktionsweise der antiken Sklavenhaltergesellschaften zu sprechen, resultiert aus der Erzeugung des Mehrprodukts durch die Sklaven, was eine weitgehende Selbstversorgung der wirtschaftenden Einheiten ermöglichte. Die rechtlosen Sklaven wurden nicht nur als Privatbesitz, sondern auch im Sinne von fixem Kapital betrachtet[20], dessen Einsatz sich während der Lebenszeit der Sklaven nicht nur für den Eigenbedarf der Sklavenhalter lohnen musste, sondern auch z. B. zur Ernährung und Ausrüstung von Kriegern, die für weiteren Sklavenzuwachs zu sorgen hatten. Karl Marx bindet den Begriff Naturalwirtschaft an „jedes Hörigkeitssystem (Leibeigenschaft eingeschlossen)“, aber auch an „mehr oder weniger primitive Gemeinwesen, ob diese nun mit Hörigkeits- oder Sklavereiverhältnissen versetzt seien oder nicht.“[21]

- Eine erste primär wertgebundene Privatökonomie entstand innerhalb der antiken Sklavenhaltergesellschaften zum Ende des 6. Jahrhunderts v. u. Z., nachdem seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Münzen eingeführt worden waren.[22] Die entscheidende ökonomische Basis war der angeeignete Privatbesitz an Grund und Boden. Die Machtmittel der Herrschenden ermöglichten es, „fremde Arbeitskraft durch direkten physischen Zwang“ zu versklaven.[23] Die Quellen privater und gesellschaftlicher Bereicherung zu antiker Zeit waren der massenhafte Einsatz von Sklaven in Hauswirtschaften, großen Werkstätten und Latifundien zum Abschöpfen des erzeugten Mehrprodukts, das Anhäufen von Edelmetallen, die mittels Sklavenarbeit in Erzbergwerken gewonnen und zum Kauf weiterer Sklaven benötigt wurden[24], ferner die nichtökonomische Bereicherung durch Raub, Versklavung, Kriege und den Verbrauch von Wäldern in der Nähe der Siedlungsgebiete und Produktionsstätten.

 

Zur Spaltung der Ökonomie als Wissenschaft: Das mögliche getrennte Anhäufen von Geld, das als Äquivalent und rationelles Mittel zum Warenaustausch und Sklavenhandel eingeführt worden war, führte in wissenschaftlicher Verallgemeinerung zur Entstehung zweier Ökonomien. Auf der Basis von Privateigentum und Privatbesitz  entstanden die auf Gebrauchswerte orientierte Ökonomik und die spezifisch wertorientierte Chrematistik. Damit spaltete die antike Klassengesellschaft die entstehende Ökonomie als Wissenschaft!

Anmerkungen:

- Auf die Existenz von zwei in der Antike bekannten ökonomischen Wissenschaften verwies bereits Aristoteles (384-322 v. u. Z.), worauf Karl Marx im ersten Band des „Kapital“ aufmerksam macht. Danach beschreibt Aristoteles die „Chrematistik“ als „Kunst …, Geld zu machen“ und die „Ökonomik“ als „Erwerbskunst“, die sich auf die „Verschaffung der zum Leben und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter“ beschränke. Für die „Chrematistik“ sei „die Zirkulation die Quelle des Reichtums“. Das Geld sei „ihr Anfang und das Ende“. Für die „Chrematistik“ scheine „keine Grenze des Reichtums und des Besitzes zu existieren“. Aristoteles fügte hinzu: „Die Verwechslung beider Formen, die ineinander überspielen, veranlasst einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche als Endziel der Ökonomik zu betrachten.“[25] [26]

- Elmar Altvater bezog sich in seiner Abschiedsvorlesung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin auf die Unterscheidung von Aristoteles. Doch er deutete sie auf seine Weise, so dass sie sich in das Identifizieren von Wirtschaft und Ökonomie prinzipiell einordnet: „Diese Maßlosigkeit ist seit Aristoteles Thema und hat ihn veranlasst, zwischen maßvoller (und natürlicher) Hauswirtschaft und maßloser (und daher unnatürlicher) Geldwirtschaft zu unterscheiden.“[27] Die Deutung von Altvater wird dann problematisch, wenn Wirtschaften zum Zwecke des Erzielens von Gewinn definiert wird. Es bleibt dann offen, wie ökonomisches Verhalten im Sinne von Haushaltung im familiären, städtischen und staatlichen Rahmen einzuordnen und wie ökonomisch zu charakterisieren ist, wenn Handel ohne Gewinninteresse ausgehend von der aufgewandten Arbeitszeit erfolgt oder wenn eine Gemeinschaft die von ihr in Arbeitsteilung produzierten Gebrauchswerte auf ihre Mitglieder verteilt.

- Seit der griechischen Antike bildete sich also jene erste primär wertorientierte Ökonomie in Form der Chrematistik als Wissenschaft heraus. Sie wurde zur Basis der Wirtschaftswissenschaften, die heute unser ökonomisches Denken weitgehend beherrscht, als gäbe es die andere (primär von den Bedürfnissen und Gebrauchswerten ausgehende) Ökonomie überhaupt nicht! Es scheint deshalb auch so, als hätten sich die primär auf Wertformen gerichteten Ökonomien im Verlaufe der Jahrtausende in der „zivilisierten“ Welt als „höhere“ Entwicklungsform ausnahmslos durchgesetzt. Doch es gab stets jenes von Aristoteles erwähnte „ineinander Überspielen“ zwischen den Ökonomien. Die Gemeinschaftsökonomie, die Gesellschaftsökonomien und die Privatökonomien existierten innerhalb einer Gesellschaft stets zugleich, wobei die Privatökonomien im Verlaufe der historischen Entwicklung immer stärker dominierten. Eine wesentliche Ausnahme entwickelte sich im Verlaufe von Jahrhunderten in den europäischen mittelalterlichen bürgerlichen Städten.

 

These zu den Bürgerstädten des Mittelalters: Die mittelalterlichen bürgerlichen Städte waren lokale rationelle gemeinschaftliche Lebens- und Überlebenssysteme auf der Basis handwerklicher Produktion. Sie entstanden aus gemeinsamen existentiellen und wirtschaftlichen Interessen vor allem unter Einsatz der Abgaben der Kaufleute und Handwerker. Die gleichartige Struktur dieser Städte ergab sich einerseits aus dem Schutzbedürfnis ihrer Bewohner, andererseits aus dem rationellen Einsatz der verfügbaren Mittel. Sie entsprach den Anforderungen von Gemeinschaftsökonomie.[28]

Anmerkungen:

- Die im Sinne aller Einwohner rationelle Struktur der Bürgerstädte äußerte sich in der Form der Stadtmauer, in der Zentralität des Marktes, in den Straßenführungen, den funktionell unterschiedlichen Straßenbreiten sowie in der Zentralität benötigter gemeinschaftlicher Einrichtungen. Zudem wurden insbesondere die gemeinsam genutzten Gebäude und Bauwerke in einer solchen Qualität errichtet, dass sie Jahrhunderte überdauerten. Auch dies entsprach einem vernünftigen ökonomischen Verhalten. Es ermöglichte bei relativ geringen Erhaltungsaufwendungen, den notwendigen Abriss und Ersatz von Gebäuden möglichst weit in die Zukunft zu verschieben oder ganz zu ersparen. Im heutigen Sinne kann dieses Herangehen als ökonomisches Reproduzieren bezeichnet werden. Aus dem Gemeinsinn der Stadtbürger erwuchs die Kultur ihrer Städte.

- Das gemeinsame Vorgehen, auch im gesamtstädtischen Sinne möglichst rationell zu handeln, erwuchs aus der Größe der Aufgaben und den beschränkt verfügbaren Mitteln und Kapazitäten. Es galt, für möglichst viele Menschen auf engem Raum Lebensmöglichkeit und Schutz zu bieten, was sich insbesondere in der Dichte und Geschosshöhe der Bebauung sowie in der Qualität der Stadtmauern äußerte.

- Das Bemühen des sich entwickelnden städtischen Bürgertums, gemeinsam zu handeln, erwuchs aus der Notwendigkeit, sich gegenüber dem damals mächtigen Feudaladel (und gegenüber konkurrierenden Städten) zu schützen. Das von außen erzwungene gemeinsame Handeln schloss konkurrierendes Verhalten innerhalb der Städte um die Vormachtstellung oder gar gewaltsame Auseinandersetzungen nicht aus. So z. B. wurden innerhalb der Bürgerstädte der Toskana besonders befestigte bis zu 42 Meter hohe Wohntürme errichtet. Wesentlich für den betrachteten Zusammenhang ist jedoch das über Jahrhunderte dominierende ökonomische Verhalten der Stadtbürger.

 

Allgemeine Bereicherungsthese: Ein Volk, das Privateigentum an Produktionsmitteln, Privatbesitz an Natur und das Ausbeuten abhängiger Menschen zum privaten Vorteil zulässt, kann den Keim für die Entstehung von weltweit expandierenden Bereicherungsgesellschaften bilden. Private Bereicherung kann sich dabei auf gesellschaftliche und nationale Bereicherung sowohl ökonomischer als auch nichtökonomischer Formen ausdehnen und schließt persönliche Bereicherung[29] nicht aus. Ein entstandener Bereicherungsprozess kann in Eigenentwicklung bis zur existenziellen Gefährdung der gesamten Menschheit führen.

Anmerkungen:

- Bereichern im dargestellten Sinne ist gewaltsames oder legales Aneignen von fremden Arbeitsergebnissen, von fremdem Eigentum und Besitz, auch von Besitz an Grund und Boden und von Reichtümern der Natur. Zur Bereicherung gehören damit auch der Raubbau, die Ausplünderung, die Zerstörung, der Missbrauch und die Belastung der Natur, wenn die Renaturierung der Nachwelt überlassen wird.

- Bereichern zu Lasten der Natur begann bereits in der Antike mit der „Ausrottung“ von Wäldern.[30] Insofern war die Sklavenhaltergesellschaft nicht nur wegen der zahllosen Kriege weitaus mehr als eine Ausbeutergesellschaft; sie war auch eine Bereicherungsgesellschaft auf Kosten der Nachwelt.

- Diese Entwicklung hat sich heute potenziert. So geht aus dem ersten „Alternativen Waldschadensbericht“ deutscher Umweltorganisationen hervor, dass die Bundesrepublik viertgrößter Verbraucher von Papier und Zellstoff ist. „Durchschnittlich [werden] 235 Kilogramm pro Kopf hierzulande konsumiert. Etwa 590'000 Hektar Wald müssen jedes Jahr gerodet werden, um diese Massen zu produzieren – eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland. >>Wir verbrauchen mehr Papier als Afrika und Südamerika zusammen<< … Nicht einmal jedes zweite benutzte Blatt sei Recyclingpapier. … Deutschland importiert Papier und Zellstoff aus insgesamt 130 Ländern. Die dort vernichteten Waldbestände werden nicht selten durch schnell wachsende Monokultur-Plantagen … ersetzt.“[31] „6,5 Millionen Bäume sind laut Londoner >>Times<< für die weltweite Verbreitung der bisherigen fünf Harry-Potter-Bände gefällt worden.“[32]

- Solange die Menschen in ihren Protesten gegen private Bereicherung allein von ihrer sozialen Lage ausgehen, bleibt die mögliche Bereicherung zu Lasten der Natur. Sie ist es, die letztlich jene von Aristoteles genannte scheinbar nicht vorhandene Grenze möglicher weltweiter Bereicherung setzt!

- Die entscheidende ökonomische Form der Bereicherung ist die an den Wertbildungsprozess gebundene Ausbeutung von Menschen im Rahmen wirtschaftender Einheiten. Nichtökonomische Formen der Bereicherung sind nicht oder nur bedingt an den Wertbildungsprozess gebunden.

- Nichtökonomische Bereicherung kann zur Basis ökonomischer Bereicherung ausgedehnt werden und umgekehrt. Was Karl Marx unter der „sogenannten ursprünglichen Akkumulation“ als „[Ausgangspunkt] der kapitalistischen Produktionsweise“ ausführlich beschrieb, waren Prozesse und Beispiele vor allem nichtökonomischer Bereicherung.[33] [34] „Die Gewalt“ war „selbst ... eine ökonomische Potenz“ geworden![35]

- Karl Marx schrieb im „Kapital“, Bd. 1, zur Bereicherungsproblematik: „Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunächst durch ihre verschiedne Zirkulationsform. Die unmittelbare Form der Warenzirkulation ist W-G-W, Verwandlung von Ware in Geld und Rückverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen. Neben dieser Form finden wir aber eine zweite, spezifisch unterschiedne vor, die Form G-W-G, Verwandlung von Geld in Ware und Rückverwandlung in Geld, kaufen, um zu verkaufen. Geld, das in seiner Bewegung diese letztre Zirkulation beschreibt, verwandelt sich in Kapital, wird Kapital und ist schon seiner Bestimmung nach Kapital.“[36] (…) „Die einfache Warenproduktion – der Verkauf für den Kauf – dient zum Mittel für einen außerhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten, die Befriedigung von Bedürfnissen. Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist dagegen Selbstzweck, denn die Verwertung des Werts existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos.“[37] (…) Als „Verwertung des Werts“ ist Kapital „wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums“. „Der Gebrauchswert ist … nie als unmittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln. Auch nicht der einzelne Gewinn, sondern nur die rastlose Bewegung des Gewinnens. Dieser absolute Bereicherungstrieb“ schließt „die rastlose Vermehrung des Werts“ ein.[38]

- Und weiter: „Von Tag zu Tag wird somit klarer, … daß in denselben Verhältnissen, in denen der  Reichtum produziert wird, auch das Elend produziert wird; … daß diese Verhältnisse den bürgerlichen Reichtum … nur erzeugen unter fortgesetzter Vernichtung des Reichtums einzelner Glieder dieser Klasse und unter Schaffung eines stets wachsenden Proletariats.“[39]

 

Zur kolonialen Bereicherung: Die mit Beginn der Neuzeit von den westeuropäischen Staaten betriebene Kolonialisierung diente in hohem Maße der Zentralisierung von Werten zur Kapitalisierung und ermöglichte die Schaffung eines europäischen Wirtschaftssystems. Sie verlief nach einer Strategie, die als Ideologie-, Besitz-, Macht-, Ausbeutungs- und Ökonomie-Ausdehnung bezeichnet werden kann. Das gewaltsame Aneignen des erarbeiteten und des natürlichen Reichtums fremder Kulturen sowie die Fremdausbeutung wurden zu einer entscheidenden Basis für den heutigen privaten, gesellschaftlichen und nationalen Reichtum der industrialisierten Länder Europas und Nordamerikas.

Anmerkungen:

- Die ersten Anfänge aggressiver Bereicherungsbestrebungen der vom Papsttum beherrschten europäischen Handelsvölker gehen bis in die Zeit der Kreuzzüge zurück. Unter dem Schlachtruf „Gott will es“ wurden im Jahre 1099 beim „Kreuzzug des Adels“ die „Heilige Stadt“ Jerusalem von „Juden und Mohammedanern [gesäubert]“ und „innerhalb von drei Tagen nach Schätzungen 40’000 bis 70'000“ Menschen umgebracht. Doch es gab einen „wirtschaftspolitischen Hintergrund“ für den Aufruf von Papst Urban II. aus dem Jahre 1095 zum ersten Kreuzzug gegen die „Ungläubigen“ im „Heiligen Land“. „Die handelstüchtigen Mohammedaner hatten bereits vor dem ersten Kreuzzug ihren Seehandel bis nach Spanien hineingetragen und von dort aus einen regelrechten Handelskrieg gegen die aufstrebende Wirtschaftsmacht der … italienischen Umschlaghäfen angefangen.“ Im Ergebnis der Kreuzzüge entstand für „200 Jahre … für die westliche Christenheit ein Brückenkopf im Osten“, der den „italienischen Seehandelsstädten Venedig, Genua und Pisa“ insbesondere im Gewürzhandel riesige Gewinne brachte. Sie sorgten zugleich auch „für den Nachschub“ für den Brückenkopf.[40] 

- Die ab 1537 bis 1888 betriebene Ausplünderung des mexikanischen Bergsilbers soll „mehr als drei Milliarden mexikanische Pesos“ in Talergröße erbracht haben. Sie  wurden „nach 1535 … in 11 Münzstätten … hergestellt“. Dies ermöglichte ab 1548 die Einführung der allgemeinen europäischen Geldwirtschaft. „In ganz Amerika wurde der Peso zur Hauptwährung, in Nordamerika als … Vorbild des USA-Dollars“.[41]

- Der bereits ab 1507 von Kaiser Karl V. legalisierte „Sklavenhandel nach Spanisch-Westindien“, an dem sich auch das westeuropäische Großbürgertum beteiligte[42], entwickelte sich zur brutalsten Bereicherungsform der Neuzeit. Bis zum Jahre 1888 wurden rund 15 Millionen afrikanische Sklaven nach Amerika deportiert, wobei etwa 10 Millionen Afrikaner auf dem Transport starben. Es war die größte Zwangsdeportation in der Geschichte. Im so genannten Dreieckhandel brachte sie „Gewinne“ von 800 Prozent ein![43] [44]

- Zur nichtökonomischen Bereicherung mittels der „Englisch-Ostindischen Kompanie“ äußerte sich Karl Marx: „Große Vermögen sprangen wie die Pilze an einem Tage auf, die ursprüngliche Akkumulation ging vonstatten ohne Vorschuß eines Schillings.“[45]

- Unter dem Vorwand der Christianisierung wurde die Religion als Ideologie zur Rechtfertigung der Inbesitznahme fremder Länder missbraucht (Ideologie-Ausdehnung). Den überfallenen Völkern nahmen die Eroberer so viel von ihrem Eigentum und Besitz, dass sie in ökonomische Abhängigkeit gerieten (Besitz-Ausdehnung). Der Inbesitznahme folgten zur Sicherung, Festigung und Ausdehnung der Macht die Schaffung von Militärstützpunkten und das Einsetzen von Vizekönigen oder Gouverneuren (Macht-Ausdehnung). Um die eroberten Länder nach deren Ausplünderung als Standorte zur Bereicherung durch Ausbeutung weiterhin nutzen zu können, setzten die kolonialen Mächte nach dem „Verbrauch“ der einheimischen Bevölkerung Millionen versklavter Afrikaner insbesondere zur Arbeit in der Landwirtschaft ein (Ausbeutungs-Ausdehnung). Schließlich erließen die Kolonialherren nach dem Vorbild der „Mutterländer“ im Kampf gegen das bestehende ökonomische System[46] Gesetze und Verordnungen und führten Währungen ein, die die neuen Besitz- und Machtverhältnisse dauerhaft als Mittel fortwährender privater und nationaler Bereicherung sichern sollten (Ökonomie-Ausdehnung).

- Die Strategie der kolonialen Bereicherung wurde nach 1989 auch auf die Aneignung von nationalem Eigentum und Besitz der ehemals sozialistischen Länder übertragen. Besonders drastisch empfanden viele DDR-Bürger die Privatisierung des Staatseigentums („Volkseigentums“) der DDR, die den Charakter einer nationalen Bereicherung der Bundesrepublik Deutschland auf der Basis ihrer fortgeschrittenen Privatökonomie annahm. In einer Untersuchung zu den dadurch entstandenen „Schulden des Westens“ gegenüber dem Osten ermittelten drei Autoren die Summe von sieben Billionen Mark![47] Sie „halten eine Entschädigung in Höhe von 20 000 Euro für jeden DDR-Bürger, der am 2. Oktober 1990 seinen Wohnsitz auf dem Gebiet der DDR hatte, nicht nur für angemessen, sondern auch für finanzierbar. … [Zahlen] sollten die >>Gewinner der Einheit<<.“: „>> Die Ausgleichsforderung ist zu finanzieren aus den Einheitsgewinnen der westdeutschen Konzerne, Finanzorgane und Privatpersonen, die sich im Prozess der Wiedervereinigung bis heute bereichert haben. Gezielt zur Kasse zu bitten sind die Besitzer der Handelsketten, Finanzinstitutionen und Aktiengesellschaften, >Top<-Manager, Juristen und Liquidatoren, insbesondere in der Treuhand, in Aufsichtsräten von ehemaligen DDR-Firmen, die überdurchschnittlich verdient haben; Politiker und höhere Beamte, die im Osten legal und illegal abkassiert haben …<<“.[48]

 

Zur Dominanz des Privaten in der Stadtentwicklung: Die bauliche Entwicklung der Bürgerstädte barg von Anfang an den Keim der Dominanz des Privaten in sich. Sie begann mit der Umbauung der attraktiven Märkte und Handelsstraßen durch das wohlhabende städtische Bürgertum, führte zur Errichtung von Manufakturen innerhalb der Stadtmauern und – nach deren Fall – zur Schaffung privater Industrien, zum privaten Massenwohnungsbau und zum Bau von Villenvierteln außerhalb der bisherigen klaren Stadtbegrenzung. Heute äußert sich diese Dominanz in einigen Ländern in der Existenz privat abgeschotteter Stadtteile auf der einen und von Slums in den urbanen Ballungsräumen auf der anderen Seite.

 

Zum Haushaltsprinzip: Das Haushaltsprinzip war das entscheidende ökonomische Arbeitsmittel zur Verwaltung einer Bürgerstadt. Im Interesse aller Stadtbürger diente es vor allem dem rationellen Einsatz der Mittel aus den Steuern und Zöllen zur Entwicklung und Erhaltung der Stadt als Ganzes. Mit zunehmender Dominanz privater ökonomischer Interessen wurden immer mehr Mittel aus den städtischen und später aus den Staatshaushalten zur Realisierung innerer und äußerer privater Zielsetzungen sowie zum Ausgleich von Fehlwirkungen der Marktwirtschaft verwandt.

Anmerkungen:

- Es ist zu unterscheiden zwischen den Quellen und dem Einsatz der Mittel. Das Ergebnis im Sinne der rationellen Befriedigung gesamtstädtischer Bedürfnisse lässt sich am Ergebnis erkennen: an der Art und der Qualität der geschaffenen gemeinsam benötigten Bauwerke.

- Die Wandlung des Einsatzes der ursprünglich für gemeinsame Zwecke verfügbaren Haushaltsmittel zur immer stärkeren Unterstützung privater Interessen und zum Ausgleich ihrer Fehlwirkungen ist ein Beispiel der sich verstärkenden Dominanz des Privaten allgemein.

 

Zur kapitalistischen Industrialisierung: Die private Errichtung und Nutzung großer Industrien außerhalb der Stadtmauern wurde einerseits durch die private und nationale koloniale Bereicherung ermöglicht, andererseits durch die Ausbeutung der proletarisierten städtischen Bevölkerung und der von ihrem Grund und Boden verjagten Kleinbauern.

Anmerkungen:

- „Man sah: die Expropriation der Volksmasse von Grund und Boden bildet die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise.“[49] Die in Europa entstandene „relative Übervölkerung und industrielle Reservearmee“[50] war nach massenhafter Auswanderung zugleich das Ausbeutungspotential für die Industrialisierung Nordamerikas.

- „Die direkte Sklaverei ist der Angelpunkt der bürgerlichen Industrie … Ohne Sklaverei keine Baumwolle; ohne Baumwolle keine moderne Industrie. Nur die Sklaverei hat den Kolonien ihren Wert gegeben; die Kolonien haben den Welthandel geschaffen; und der Welthandel ist die Bedingung der Großindustrie. So ist die Sklaverei eine ökonomische Kategorie von der höchsten Wichtigkeit.“[51]

- Der im „Kapital“ erbrachte Beweis, dass sich hinter der Ausbeutung von Menschen die Erzeugung von Mehrwert verbirgt, den sich der Kapitalist aneignet, war wohl die schwierigste und zugleich folgenreichste wissenschaftliche Leistung von Karl Marx. Mit der Entdeckung des Mehrwerts gelang ihm der Nachweis der entscheidenden ökonomischen Form privater Bereicherung. Gegenüber der Bewältigung dieser wissenschaftlichen Aufgabe war jedoch die Lösung jener Aufgabe geradezu banal, die den Nachweis erbrachte, dass erst über die so genannte ursprüngliche Akkumulation durch das Zusammenraffen von Werten mittels nichtökonomischer Bereicherung die entscheidenden Voraussetzungen zur Errichtung großer Industrien geschaffen wurden. Es war allerdings fragwürdig, ausgehend von der im 19. Jahrhundert herrschenden extremen Ausbeutung und der Zuspitzung der sozialen Frage in den industrialisierten Ländern zu folgern, dass im 20. Jahrhundert nach dem angestrebten weltweiten Ablösen des Kapitalismus zwangsläufig die Lösung der sozialen Frage durch den Aufbau des Sozialismus im Vordergrund stehen müsse. Zweifel an dieser Strategie hätten bei Lenin schon deshalb aufkommen müssen, weil im Prozess der Entwicklung des Spätkapitalismus und der globalen privaten Bereicherungsbestrebungen auch eine extreme Zuspitzung der ökologischen Krise mit existenziellen Gefahren für die ganze Menschheit erwartet werden musste.

- Das gesellschaftlich verursachte Entstehen der ökologischen Krise war Karl Marx zu einer Zeit bewusst, als der Begriff Ökologie noch gar nicht geprägt war: „Die kapitalistische Produktion … entwickelt nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“[52]

 

Zur Zersiedelung: Das Aufgeben der baulichen und territorialen Begrenzungen der Bürgerstädte, das Zersiedeln der Landschaften und das Entstehen von Agglomerationen war vor allem das Ergebnis der zunehmenden territorialen Dominanz privater Bereicherungsinteressen.

Anmerkungen:

- Das Durchbrechen der traditionellen Stadtstrukturen vieler Bürgerstädte ergab sich aus einem komplexen Entwicklungsprozess, der jedoch von den privaten Bereicherungsinteressen des städtischen Großbürgertums dominiert wurde. Das Großbürgertum begann, die eigenen wirtschaftlichen Interessen über die gemeinschaftlichen Interessen der anderen Stadtbürger zu stellen.

- Die Voraussetzungen für diese Entwicklung ergaben sich erstens dadurch, dass das Großbürgertum, aber auch Teile des Feudaladels, ausreichend Werte für Großinvestitionen angesammelt hatten, für die es innerhalb der Städte keine Verwertungsmöglichkeit gab. Zweitens waren durch den Fortschritt der Waffentechnik die Stadtmauern weitgehend überflüssig geworden. Drittens ermöglichte und erforderte der wissenschaftlich-technische Fortschritt Großinvestitionen. Viertens waren durch das Bauernlegen und aus der gewachsenen städtischen Bevölkerung hinreichend viele Arbeitskräfte als Lohnarbeiter für die industrielle Produktion außerhalb der bisherigen Stadtmauern verfügbar.

- Die Zersiedelung begann an jenen Standorten, die über die besten Verwertungsbedingungen verfügten, vor allem in der Nähe der Kohle- und Eisenerzlagerstätten sowie im Bereich der Überseehäfen zur Verarbeitung der importierten Rohstoffe und Halbfabrikate. Zur Ansiedelung von Lohnarbeitern wurden in großem Umfange Mietskasernen errichtet.

- Die Erfindung der Dampfmaschine revolutionierte das Transportwesen und führte zur Schaffung erster Schienennetze.

- Die durch die extreme Ausbeutung provozierten sozialen Probleme und die noch nicht erkämpfte Altersabsicherung der Lohnarbeiter erzeugten ein bisher nicht gekanntes Bevölkerungswachstum bei den armen Schichten der proletarisierten Bevölkerung.

- Nach der Erfindung des Diesel- und Benzinmotors verbesserten sich die Transportmöglichkeiten auf den Straßen außerordentlich, was – zusammen mit den Schienennetzen – zur verstärkten Vernetzung und Landschaftszerstörung der industrialisierten Länder führte.

- Der Ausweitung der Verkehrsnetze folgte das Errichten von privaten Wohngebäuden, von Wohngebieten, von weiteren Industriebauten sowie von Handels- und Gewerbeeinrichtungen außerhalb der bisherigen Stadtbegrenzungen. Das Ergebnis war die weitgehend unbegrenzte Inanspruchnahme der umgebenden Natur, über die sich der Mensch entsprechend seinen privaten und persönlichen Interessen vom Besitzer zum Eigentümer erhob.

 

Zur rationellen Baugrundnutzung: Auch das Entstehen der mehr- und vielgeschossigen Bebauung war vor allem das Ergebnis privater Verwertungs- und Bereicherungsinteressen.

Anmerkung: Attraktive erschlossene städtische Standorte, deren Nutzung aus der Sicht vieler privater Interessenten hohe Gewinne versprachen, erzielten infolge des Konkurrenzverhaltens unter kapitalistischen Bedingungen hohe Bodenpreise. Die Aufwendungen für den Kauf des Grund und Bodens konnten wieder ausgeglichen und dennoch Gewinne erzielt werden, indem die Nutzfläche, die dem gekauften Boden entsprach, durch den Bau adäquater unter- und oberirdischer Geschossflächen vervielfacht, selbst genutzt oder vermietet wurde.

 

Zur Globalisierung: Die Globalisierung ist der Prozess der fortschreitenden Privatisierung der Erde. Ihr Gegenstand ist private Bereicherung durch die Internationalisierung der Ausbeutung, durch das Aneignen der natürlichen und der nationalen Reichtümer. Die Globalisierung belastet und zerstört tendenziell die natürlichen Lebensgrundlagen des irdischen Lebens. Sie führt zur staatlichen Verschuldung selbst der „reichsten“ Länder und gefährdet nationale Währungen. Im Ergebnis erscheint sie als gesellschaftliche Bereicherung der heutigen zu Lasten künftiger Generationen unserer Menschheit.

Anmerkungen:

- Für den Träger des Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, „ist Globalisierung zum Stichwort für den totalen Weltmarkt eines schrankenlosen Kapitalismus geworden“. Es gehe um eine „tendenziell vollständige Entgrenzung der Wirtschaftsprozesse“. „Globalisierung ist zum Albtraum einer Ökonomie geworden, die sich durch keine öffentlichen, sozialen und ökologischen Werte und Ziele mehr einbinden lässt.“[53]

- Oskar Lafontaine schlug am 14. Januar auf der XI. internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin vor, das „Wort … Globalisierung … durch das Wort Kapitalismus [zu ersetzen] … Wenn man das nämlich macht, … dann stellt man fest, dass der Kontext wieder stimmt. Es wird dann deutlich, dass ein solches System auf Expansion drängt, dass es grenzüberschreitend ist …, was allgemein als negative Begleiterscheinung der Globalisierung von uns und von vielen anderen beklagt wird.“[54]

- Zur Globalisierung gehören die Verlagerung der Produktion in Billiglohn-Länder bei bewusster Nutzung unzureichender nationaler „Umweltstandards“, die Ausplünderung der Natur im globalen Rahmen, das Provozieren kriegerischer Handlungen zur Sicherung der weltweiten politischen und privatökonomischen Dominanz unter Inkaufnahme von Belastungen und Zerstörungen territorialer Lebensgrundlagen, das Übertragen der die Natur belastenden Konsumtionsweise auf die Länder der Dritten Welt als Absatzmärkte, das Hintergehen von Steuerzahlungen trotz verschuldeter nationaler Arbeitslosigkeit und unkontrollierte internationale Finanzspekulationen.

- Waren es vordem Konzerne und Banken auf nationaler Ebene, die durch internationale Aktivitäten zur Bereicherung ihrer Nationen beitrugen, so haben heute die Kapitalvereinigungen multinationalen Charakter. Sie agieren weltumspannend und dominieren das Nationale über die Ländergrenzen hinweg und innerhalb der Länder!

 

4.2. Zur Entwicklung der neuzeitlichen ökonomischen Wissenschaften

Zu den bürgerlichen ökonomischen Wissenschaften und zur Privatökonomie: Die Nationalökonomie, die (bürgerliche) politische Ökonomie und die heutigen Wirtschaftswissenschaften sind Bereicherungswissenschaften, die von der Akzeptanz privaten Reichtums ausgehen und mit ihren Theorien und Methoden private, nationale und gesellschaftliche Bereicherung über Jahrhunderte mit wissenschaftlichen Methoden untersuchten und förderten. Sie sollten zusammengefasst als Disziplinen der Privatökonomie bezeichnet werden.

Anmerkungen:

- In den „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“ wertet Friedrich Engels die „Nationalökonomie“ als „ein ausgebildetes System des erlaubten Betrugs“ und als „eine komplette Bereicherungswissenschaft.“ Er wendet sich gegen die Ausdrücke „Nationalökonomie, politische, öffentliche Ökonomie. Die Wissenschaft sollte unter den jetzigen Verhältnissen Privatökonomie heißen, denn ihre öffentlichen Beziehungen sind nur um des Privateigentums willen da.“[55]

- Im „Anti-Dührung“ gibt Friedrich Engels eine verallgemeinerte Definition der politischen Ökonomie. Sie sei „im weitesten Sinne … die Wissenschaft von den Gesetzen, welche die Produktion und den Austausch des materiellen Lebensunterhalts in der menschlichen Gesellschaft beherrschen.“ Zugleich bezeichnet er sie als „eine historische Wissenschaft“[56]. Doch Engels schränkt seine Aussage zur politischen Ökonomie an anderer Stelle selbst ein. Wie „sie geschichtlich aufgetreten“, ist sie „in der Tat nichts anderes … als die wissenschaftliche Einsicht in die Ökonomie der kapitalistischen Produktionsperiode“[57]. Letztlich kommt er zur Aussage: „Die politische Ökonomie als Wissenschaft … in dieser Ausdehnung soll jedoch erst geschaffen werden.“[58]

- Auch die politische Ökonomie des Sozialismus wurde aus der historisch überkommenen (als Bereicherungswissenschaft gekennzeichneten) politischen Ökonomie abgeleitet. Deshalb bedarf auch sie einer kritischen Überprüfung und einer neuen historischen Einordnung.

- Privater Reichtum schließt heute nicht nur Privateigentum an Produktionsmitteln und Geldvermögen ein, sondern auch den Privatbesitz an Natur sowie das Privateigentum an „verwertbaren“ Konsumtionsmitteln, wie an Wohnimmobilien, ferner an technischer und sozialer „Infrastruktur“. Privater Reichtum entstand im Rahmen der Entwicklung von Gesellschaften über Jahrhunderte.

- Menschen, die in einem abgegrenzten Siedlungsgebiet unter unterschiedlichen Eigentums- und Besitzverhältnissen leben, bilden eine Gesellschaft, wenn das Gebiet eine ökonomisch und politisch eigenständige territoriale Einheit darstellt. Die territoriale Einheit kann etwa eine Stadt, ein Land, ein Staat oder ein Zusammenschluss von Ländern bzw. Staaten sein. Maßgeblich dafür, ob für die Gesamtheit der Menschen von einer Gesellschaft im Unterschied zu einer Gemeinschaft gesprochen werden kann, sind die unterschiedlichen Eigentums- und Besitzverhältnisse. Gemeinschaften können zu Gesellschaften gehören.

- Zum Reichtum einer Gesellschaft gehören auch der gesellschaftliche, private und  persönliche Besitz sowie der Besitz von Gemeinschaften an Natur innerhalb der territorialen Grenzen.

 

These zu den Gesellschaftsökonomien: Gesellschaftsökonomien[59] dienen der rationellen Befriedigung von gesellschaftlich akzeptierten Bedürfnissen und der rationellen Wahrung privater Interessen innerhalb von Gesellschaften, in denen sich Privateigentum, Privatbesitz und privates Bereicherungsstreben entwickeln. Ihre Ergebnisse werden an den geschaffenen und nutzbaren Gebrauchswerten sowie an den erzielten und nutzbaren Leistungen gemessen, also am Zuwachs bzw. am Verlust an gesellschaftlichem Reichtum.

Anmerkungen

- Die Entstehung der kapitalistischen Gesellschaftsökonomien hatten ihren Ausgangspunkt im Prozess des Übergangs von Gemeinschaften zu Gesellschaften in den Bürgerstädten, als die privaten Interessen der reichen Stadtbürger die Gesamtinteressen der städtischen Gemeinschaft immer stärker dominierten.

- Eine Gesellschaftsökonomie geht sowohl von (gesellschaftlich prinzipiell akzeptierten) persönlichen, gemeinschaftlichen (familiären) und gemeinsamen Bedürfnissen als auch von privaten und gesellschaftlichen Interessen aus. Deren mögliche Befriedigung bzw. deren mögliche Wahrung wird auf dem Markt oder von den Repräsentanten der Gesellschaften entschieden. Mit der Zunahme privaten Reichtums und der Verschuldung von Gesellschaften an private Geldgeber wuchs auch der private Einfluss auf gesellschaftliche Entscheidungen zum privaten Vorteil – auch gegen gesellschaftliche und gemeinschaftliche Interessen.

- Im Sinne der Suche nach Wegen zur rationellen Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse und der rationellen Wahrnehmung privater Interessen hatten die Stadtökonomie, die Territorialökonomie und die Nationalökonomie als Gesellschaftsökonomien und bürgerliche Wissenschaften historisch ihre objektive Berechtigung.

- Unter Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips dient die Wirtschaft einer Gesellschaft einerseits der rationellen Produktion und Reproduktion von Gebrauchswerten, anderseits der Mehrung privaten, gesellschaftlichen und nationalen Reichtums. Die Mehrung privaten Reichtums rückte jedoch – auch durch Übernahme öffentlicher Aufträge und bei starkem Überziehen der vereinbarten Mittel – immer mehr in den Vordergrund.

- Die Gemeinschaftsökonomien und die Wirtschaftswissenschaften, einschließlich der (bürgerlichen) Volkswirtschafts- und der Betriebswirtschaftslehre, sind die beiden Zweige der Privatökonomie als Wissenschaft.

- Die (bürgerliche) politische Ökonomie befasste sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Gemeinschaftsökonomien und der Wirtschaftswissenschaften.

- Durch das Erheben von Steuern und Zöllen hat eine Gesellschaft die Möglichkeit, auch Bedürfnisse zu befriedigen und privaten Interessen zu entsprechen, die marktwirtschaftlich nicht relevant sind. Das Anwachsen privaten Reichtums und die zunehmende Verschuldung der Gesellschaften an private Geldgeber schränken jedoch diese Möglichkeiten immer mehr ein. Dies führt auch zum Zurückdrängen der Gesellschaftsökonomien selbst.

- Hinter dem Zurückdrängen der Begriffe und Inhalte der Gesellschaftsökonomien verbirgt sich, dass das Wirtschaften immer mehr zum Selbstzweck geworden ist, dass nicht die Ergebnisse aus der Produktion im Vordergrund stehen, sondern das in Wertform dargestellte „Wirtschaftswachstum“ als Ergebnis der Gesamtheit gestiegener privater und gesellschaftlicher Bereicherungsbestrebungen.

 

These zur Ökonomie als Wissenschaft: Die Ökonomie als Wissenschaft ist die Lehre von der rationellen Bedürfnisbefriedigung für alle Gesellschaftsformationen, Gemeinschaftsformationen, Lebensformen und Lebenssysteme.

Anmerkungen:

- Die Ökonomie als Wissenschaft ordnet sowohl die Disziplinen der Privatökonomie, der sozialistisch geprägten ökonomischen Disziplinen als auch die Gemeinschaftsökonomie in sich ein, ohne sich mit den Ergebnissen jeder dieser Disziplinen zu identifizieren. Sie erklärt, inwiefern diese Disziplinen mit ihren Theorien und Lehren in der Lage waren und sind, dem Anspruch nach rationeller Bedürfnisbefriedigung zu entsprechen. Wahre Ökonomie ist bedürfnisorientiert, wobei der Sicherung der rationellen Befriedigung aller Grundbedürfnisse allen Lebens im Rahmen des Gesamtzusammenhangs das Primat zukommt. Erst nach der Erfüllung dieser Zielstellung, sollte die Befriedigung anderer Bedürfnisse angestrebt werden.

- Indem sie das Entstehen, den Gegenstand und die Ergebnisse der einzelnen ökonomischen Disziplinen aus der Sicht der rationellen Bedürfnisbefriedigung im Gesamtzusammenhang untersucht, wertet und einordnet, ist die Ökonomie eine historische Wissenschaft.

- Die Privatökonomien gehen als wissenschaftliche Disziplinen von der Akzeptanz des Privateigentums, des Privatbesitzes und privater Gewinninteressen als notwendige Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklung aus. Sie sind nur bedingt in der Lage, Vorschläge zur Verhinderung von Überproduktion zu unterbreiten, eben weil sie nicht vom Primat der Bedürfnisbefriedigung, sondern primär von den Gewinninteressen ausgehen und weil die vielen unterschiedlichen privaten Interessen weder ausreichend erkannt noch in ihren Wirkungen und Fehlwirkungen beherrscht werden können. Gebrauchswerte im benötigten Umfange und der erforderlichen Qualität zu erzeugen und über längere Zeit im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung bereitzuhalten, stellt ein eigenständiges wissenschaftliches Problem dar.

- Die gegebene und akzeptierte Dominanz privater Gewinninteressen führt auch zur Unfähigkeit der privatökonomischen Disziplinen, Maßnahmen zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit und zur Verteilung der Arbeit auf alle Arbeitsfähigen vorzuschlagen, obgleich Produktivitätssteigerungen prinzipiell die allgemeine Senkung der Arbeitszeiten ermöglichen. Die weltweite Arbeitslosigkeit, die Hunderte Millionen Menschen betrifft, ist im ökonomischen Sinne nicht nur die ungeheuerlichste Verschwendung an Arbeitskraft; sie behindert darüber hinaus die geistige Entwicklung dieser Menschen und ihrer Angehörigen. Was die Religionen als „Krone der Schöpfung“ bezeichnen, bleibt in ihren schöpferischen Fähigkeiten millionenfach ungenutzt!

- Das unzureichende Beherrschen der Überangebotsproblematik, das unter kapitalistischen Bedingungen immer wieder Wirtschaftskrisen auslöste, und die damit verbundene Arbeitslosigkeit von Millionen Menschen führte die Theoretiker der politischen Ökonomie des Sozialismus zur staatlichen Planung der Art und des Umfangs der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen sowie zum Planen der Ausbildung und des Einsatzes der Arbeitskräfte. Im Ergebnis entstand die Planwirtschaft. Doch nicht das Planen erwies sich im Nachhinein als problematisch, sondern das (unter Konkurrenzbedingungen von außen erzwungene) Wirtschaften selbst und das nicht notwendige Übertragen des Wirtschaftlichkeitsdenkens auf Bereiche, wie dem Wohnungsbau und dem Städtebau, die kapitalistischer Konkurrenz nicht unmittelbar unterlagen. Nicht die Planung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung wurde zum Primat erhoben, sondern die Volkswirtschaftsplanung! Städtebau und Wohnungsbau sollten sich mit ihren Zielen zur gesellschaftlichen Bedürfnisbefriedigung in das Mittel, in die „Volkswirtschaft“; einordnen – weitgehend unabhängig vom Umfang und der Qualität des vorhandenen Bestandes! Es ging z. B. um die Suche nach „wirtschaftlichen Standorten“ des komplexen Wohnungsbaus und nicht um die rationelle Erhaltung und nicht um die Modernisierung der verfügbaren Bausubstanz! Folgen dieser Denkweise waren die Fortsetzung der unter kapitalistischen Bedingungen begonnenen Zersiedelung der Landschaften und das Negieren ökologischer Probleme. Im Ergebnis war auch die politische Ökonomie des Sozialismus in ihrer historischen Ausprägung durch die einseitige Ausrichtung auf die Lösung der sozialen Frage nicht in der Lage, der Menschheit einen vorgezeichneten Weg in eine gesunde Lebenswelt zu weisen.

- Ökonomie im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung verhilft im Verlaufe der historischen Entwicklung mit sinkendem Aufwand für die Befriedigung der Grundbedürfnisse nicht nur zur Möglichkeit, andere (gemeinschaftlich anerkannte) Bedürfnisse zu befriedigen, sondern auch die frei werdende Arbeitszeit auf andere Weise kreativ zu nutzen: „Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt, bleibt die Zeitbestimmung natürlich wesentlich. Je weniger Zeit die Gesellschaft bedarf, um Weizen, Vieh etc. zu produzieren, desto mehr Zeit gewinnt sie zu andrer Produktion, materieller oder geistiger. Wie beim einzelnen Individuum, hängt die Allseitigkeit ihrer Entwicklung, ihres Genusses und ihrer Entwicklung von Zeitersparung ab.“[60] Doch genau diesen Zusammenhang verletzen die Lehren der Privatökonomie, indem die Möglichkeit drastischer Senkung der Arbeitszeiten aus der Diskussion ausgeschlossen wird. Während der eine Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung durch lange Arbeitszeiten, hohe Arbeitsintensität, Überstunden und lange Arbeitswege an geistiger Entwicklung gehindert wird, sind die Arbeitslosen und deren Angehörige durch Ausgrenzung, unzureichende Mittel und Depressivität verurteilt, dahinzuvegetieren.

- Den privatökonomischen Disziplinen ist es aus ihrer eingeschränkten Sicht gleichfalls unmöglich, die primär aus den privaten Gewinninteressen resultierenden, tendenziell zunehmenden Belastungen unserer Lebenswelt verhindern zu helfen. Vorrang hat für sie nicht der Berg an abzutragenden Schulden gegenüber der Natur, sondern das Begleichen von Schulden an Banken und private Geldgeber, also die Sicherung der weiteren Bereicherung der Reichen und Vermögenden! Damit fehlen diesen privatwissenschaftlichen Disziplinen die Voraussetzungen, Vorschläge für die berechtigten Erwartungen der Menschen auf Befriedigung wesentlicher Grundbedürfnisse überhaupt zu erarbeiten. Unter diesen Prämissen kann von ihnen auch dem Überlebensbedürfnis unserer Menschheit nicht entsprochen werden!

- Die bisherige Kennzeichnung ökonomischer Wissenschaften als politische Wissenschaften, als politische Ökonomien, entsprach den Interessen der jeweils ökonomisch bzw. politisch herrschenden Klasse und Kräfte. Diese Kennzeichnung entfällt, wenn der Gegenstand der Ökonomie alles Leben, alle Gesellschafts- und Gemeinschaftsformationen umfasst.

 

4.3.   Zur fragwürdigen Dominanz des Wirtschaftlichen

Zum Wirtschaftlichkeitsprinzip: Privatökonomie äußert sich heute vor allem in der Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips. Es impliziert ein verengtes, zumindest egozentrisch dominiertes ökonomisches Denken, weil es die Fehlwirkungen der Produktion und der Nutzung der produzierten Gebrauchswerte sowie die Nichtbefriedigung von Bedürfnissen, die marktwirtschaftlich nicht relevant sind, weltweit außer Acht lässt. Vielfach erfolgt das Wirtschaften sogar zu Lasten der Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse. Seine Anwendung führt deshalb tendenziell zu immer stärkeren Zerstörungen und Belastungen unserer gesamten Lebenswelt. Das verengte ökonomische Denken resultiert aus der Haltung der wirtschaftenden Unternehmen, die Befriedigung von Bedürfnissen lediglich als Mittel zur Gewinnmaximierung zu betrachten, wobei im Rahmen der Gegenüberstellung von Aufwand und Ergebnis versucht wird, die gesamten aufgewandten Kosten möglichst gering zu halten, für die gesamten Erzeugnisse aber einen möglichst hohen Preis zu erzielen.

Anmerkungen:

- Die Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips bedeutet, dass die eingesetzten Mittel als Kapital und damit vorrangig zum Anstreben von Gewinnen verwandt werden.  Infolge der Beschränkung auf Waren und Dienstleistungen wird weder von allen Grundbedürfnissen noch vom erreichten Stand in der Befriedigung der marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnisse ausgegangen. Durch die ungleiche Verteilung des erarbeiteten, erwirtschafteten und privat angeeigneten Reichtums schafft die Marktwirtschaft Überfluss an den Standorten der Nachfrage, lässt selbst neue Märkte entstehen und ignoriert den Mangel an Standorten unzureichender Nachfrage. Der Überfluss an Waren in den reichen Ländern erscheint als weltweite Überproduktion und als Ergebnis der Leistungen in den „reichen“ Ländern. Er resultiert jedoch in hohem Maße aus der Ausbeutung in der Dritten Welt, aus der weltweiten Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und der extremen Belastung unserer Lebenswelt.

- Die Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips birgt von vornherein in mehrfacher Hinsicht die Möglichkeit des Missbrauchs in sich, etwa indem zur Kostensenkung die Löhne extrem niedrig gehalten, Steuern „erspart“, natürliche „Ressourcen“ kostengünstig geplündert sowie Abfälle und Gifte in die Natur unbearbeitet „entsorgt“[61] oder indem zum Erzielen von Extragewinnen die Preise überhöht werden.

- Zunehmende Konkurrenz und die sich immer stärker ausdehnende Geldgier können in allen gesellschaftlichen Bereichen zur Kriminalisierung des wirtschaftlichen Geschehens führen. Die Kreativität eines zunehmenden Anteils von Menschen äußert sich in krimineller Energie. Sie reicht von Bestechung, Betrug, Hinterziehung, Diebstahl, Doping bis zum Menschenhandel und zur Versklavung[62].

- Das Wirtschaftlichkeitsprinzip führt nur insoweit zu einer rationelleren Bedürfnisbefriedigung, als es – in isolierter Betrachtung für die jeweiligen Gebrauchswerte – innerhalb und außerhalb des Produktionsprozesses beiträgt, diese rationeller zu produzieren, zu lagern, zu transportieren und zu verteilen.

- Um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben, ergibt sich für die privaten „Investoren“ die Notwendigkeit, die erzielten Gewinne wiederum als Kapital einzusetzen. Ist die Verwertung von Kapital eingeschränkt, werden neue Möglichkeiten zum „Anlegen“ der Geldvermögen erschlossen. Dies führte zum Übertragen des Wirtschaftlichkeitsprinzips auf nicht produzierende Bereiche, historisch zuerst der in Form der Gründung von Banken.[63] Auf diese Weise entstand die so genannte Finanzwirtschaft und mit ihr der offizielle Geldverleih sowie die Möglichkeit der unmittelbaren privaten Bereicherung ohne direkte Ausbeutung. Über die Banken wurde auch die Möglichkeit geschaffen, sich über den Kauf von Aktien anteilig an Gewinn versprechenden größeren Vorhaben zu beteiligen.

- Das massenhafte Anwachsen privater Geldvermögen in den so genannten reichen Ländern hat zum weiteren Ausdehnen der Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips geführt, insbesondere auf das Gesundheitswesen, auf die Energie- und Wasserversorgung, auf die Abwasserbeseitigung sowie auf den Güter- und Personenverkehr. Die angesammelten privaten Geldvermögen sind inzwischen so riesig und die finanziellen Möglichkeiten selbst der „reichen“ Staaten sind so weit eingeschränkt, dass eine Verschuldung des Staates an die Banken und an die privaten Vermögensbesitzer im Gesamtumfang von Billionen Euro entstand.[64] Da insbesondere die Staatsschulden nicht mehr abgetragen werden können, aber am Prinzip möglicher weiterer privater Bereicherung über Zinsen und Aktiengewinne im Rahmen der „Finanzwirtschaft“ festgehalten wird, sind Staats-, Wirtschafts- und Finanzkrisen letztlich nicht zu vermeiden.

 

Zum Nationalreichtum und zur nationalen Bereicherung: Das Aneignen, Erwerben und Erarbeiten nationaler Reichtümer war in den „reichen“ westeuropäischen Staaten ein relativ eigenständiger historischer Bereicherungsprozess, der unter Konkurrenzbedingungen in mehreren Etappen verliefen und von der Schaffung, Entwicklung sowie Ausdehnung kapitalistischer Eigentums-, Besitz- und Produktionsverhältnisse dominiert wurde. Er schloss innere und äußere (koloniale) nichtökonomische und ökonomische Bereicherung ein. Nationalreichtum entstand unter diesen Bedingungen zunächst vor allem als Gesamtheit privater Reichtümer, die im Prozess der so genannten ursprünglichen Akkumulation angeeignet und über die Versklavung von Millionen Afrikanern sowie durch Ausbeutung im eigenen Land vermehrt wurden. Erst nach Schaffung eines hohen Produktivitätsniveaus, nach jahrzehntelangen Klassenkämpfen, nach Kriegen und in Konfrontation mit dem sozialistischen System wurde ein hoher Anteil der Bevölkerung der „reichen“ Nationen im Rahmen der „sozialen Marktwirtschaft“ an den Ergebnissen „wirtschaftlichen Fortschritts“ stärker beteiligt.

Anmerkungen:

- Wenn die Menschen der „reichen“ westeuropäischen Nationen und der „reichen“ Staaten Nordamerikas heute davon ausgehen, sie hätten die Grundlagen ihres Reichtums selbst erarbeitet, dann sollten sie kritisch in ihre eigene Geschichte blicken! Schon Hermann Fürst von Pückler (1785-1871), ein bedeutender Gartengestalter und Schriftsteller, schrieb: „Die Geschichte lehrt uns leider, daß die Nationen, welche am konsequentesten und rücksichtslosesten dem Egoismus gehuldigt haben, bisher stets am besten gediehen sind, ihre Macht am längsten behauptet haben.“[65]

- Wenn sich heute die Menschen „reicher“ Länder der Vorzüge der „sozialen Marktwirtschaft“ erinnern, wenn sie sich noch an ihrer sozialen Absicherung und großzügigen Lebensweise erfreuen, dann sollten sie sich fragen, in welch hohem Maße sie auf Kosten der Menschen der Dritten Welt und unserer Lebenswelt lebten und heute noch leben. Das (zeitweilige) „Soziale“ in den „reichen“ Ländern wurde auch durch das weltweit dominant Unsoziale und Unökologische ermöglicht!

- Der schottische Nationalökonom Adam Smith befasste sich als erster Wissenschaftler umfassend mit dem „Wesen und den Ursachen des Reichtums der Nationen“.[66] Er ging davon aus, dass sich die „Politische Ökonomie ... mit der Frage“ beschäftigt, „wie man Wohlstand und Reichtum eines Volkes und Staates erhöhen kann“.[67]

- Friedrich Engels und Karl Marx setzten sich kritisch mit den Erkenntnissen von Adam Smith auseinander. Engels schrieb: „Der Ausdruck Nationalreichtum ist erst durch Verallgemeinerungssucht der liberalen Ökonomen aufgekommen. Solange das Privateigentum besteht, hat dieser Ausdruck keinen Sinn. Der ‚Nationalreichtum‘ der Engländer ist sehr groß, und doch sind sie das ärmste Volk unter der Sonne. Man lasse entweder den Ausdruck ganz fallen, oder man nehme Voraussetzungen an, die ihm einen Sinn geben.“[68] Marx stellte fest: „Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist – ihre Staatsschuld.“[69]

- In den „reichen“ Ländern äußert sich „Reichtum“ in vielen Haushalten in einer großen Anzahl überflüssiger Gegenstände.[70] Karl Marx warnte uns: „Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, dass ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben. … An die Stelle aller  physischen und geistigen Sinne ist daher die einfache Entfremdung aller dieser Sinne, der Sinn des Habens getreten.“ „Mit der Masse der Gegenstände wächst … das Reich der fremden Wesen in uns, denen der Mensch unterjocht ist.“ „Die Aufhebung des Privateigentums ist daher die vollständige Emanzipation aller menschlichen Sinne und Eigenschaften.“[71] Rationelle Bedürfnisbefriedigung in diesem Sinne heißt wohl nicht nur Nichtbesitz des nicht oder nur bedingt Benötigten, sondern auch Nichtproduktion des Überflüssigen!

 

 These zum Wachsen oder Schrumpfen der Wirtschaft: Die Frage, ob eine Wirtschaft im Sinne des „nachhaltigen Wirtschaftens“ „wachsen“ darf oder „schrumpfen“ muss, ist eine irreführende Fragestellung. Sie ist an marktwirtschaftliches Denken gebunden, führt auf eine falsche Fährte und verkennt die grundlegende Ursache der ökologischen Krise. Ein starkes „Schrumpfen“ der Wirtschaft kann den ökologischen Kollaps zwar hinauszögern, hebt jedoch die verengte privatökonomische Ausrichtung der Wirtschaft auf marktrelevante Bedürfnisse nicht auf.

 Anmerkungen:

- Wenn die Frage gestellt wird, auf welche Weise jene Leistungen zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts unter kapitalistischen Bedingungen finanziert werden sollen, die nicht marktwirtschaftlich relevant, die nicht gewinnbringend sind, dann bleibt unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nur eine Antwort: Die benötigten Mittel müssten aus den Gewinnen der Marktwirtschaft abgezweigt werden! Doch wie soll dies zum Erfolg führen, wenn z. B. die Gewinne der Autoindustrie anteilig für Maßnahmen zur Sicherung der „Nachhaltigkeit“ genutzt werden, wenn etwa zur Automobilisierung Chinas Arbeitsplätze geschaffen und hohe Gewinne erzielt werden, um sie hinterher für Maßnahmen zum Klimaschutz anteilig einzusetzen? Was für ein Widersinn! Doch selbst wenn die Produktion der Autoindustrie um 50 % „schrumpft“ und die Fahrzeugnutzung sehr weit eingeschränkt werden kann, schreitet die Klimaerwärmung weiter voran, eben weil der Anteil an klimawirksamen Gasen sich in der Atmosphäre weiter anreichert. Offensichtlich geht es um eine vollkommen neue weltweit organisierte Verteilung der Arbeit und ihren rationellen Einsatz unabhängig vom Gewinndenken! Das aber ist im Rahmen der Marktwirtschaft nicht möglich! Letztlich stellt sich tatsächlich die Frage, was wir unter ökonomischem Handeln in den nächsten Jahrzehnten verstehen möchten: entweder ab einem bestimmten Zeitpunkt zumindest unsere Grundbedürfnisse auf rationelle Weise zu befriedigen oder weiter gewinnorientiert zu wirtschaften, um den Warenüberfluss so weit zu mehren, bis unsere „Ressourcen“ erschöpft sind und unsere Lebenswelt so weit geschädigt ist, dass die Katastrophe über uns kommt.

 - Die fragwürdige Denkweise der Wachstumsfetischisten beginnt bereits beim Begriff Wirtschaftswachstum selbst: Wachstum ist – seit es Menschen gibt – prinzipiell an Leben gebunden, an bewusst oder unbewusst lebende sich eigenständig entwickelnde Organismen, an Pflanzen, Tiere und Menschen. „Wirtschaftswachstum“ bedeutet tendenziell eine immer stärkere Zerstörung vor allem von pflanzlichem Leben als Existenzgrundlage allen anderen Lebens. Es ist deshalb eine Beleidigung der Schöpfung in gröbster Form, wenn der Begriff Wirtschaftswachstum als dominanter Ausdruck heutiger gesellschaftlicher Entwicklung mit dem genetisch bedingten Wachstum in Verbindung gebracht wird!

 - Je mehr die Wirtschaft „wächst“, umso mehr entstehen als Repräsentanten privaten Reichtums neue Arten von „Bäumen“: Gebäude aus Beton, Stahl und Glas, die wir – ob ihres gehorteten Reichtums – ehrfurchtsvoll als Banken bezeichnen. Zutreffender wäre in der Sprache der „wachsenden“ Marktwirtschaft wohl die Bezeichnung „Bereicherungsbäume“. In ihnen wird das Wunder vollbracht, nichts zu produzieren, aber dennoch hohe „Erträge“ abzuwerfen. Sie sind teils weitaus höher als die höchsten Bäume der Erde und bilden in bestimmten Städten regelrechte „Bereicherungswälder“! Ihre Nahrung besteht allein aus Wertsubstanz, die sie aufsaugen, um auf geheimnisvolle Weise in Form von „Erträgen“ die weitere private Bereicherung der Wohlhabenden und Reichen zu ermöglichen. Das Ergebnis erfahren wir tagtäglich in den weltweit verbreiteten Börsennachrichten und empfinden dieses Bereicherungsgeschehen schon fast als normal. Doch eines ist sicher: Je mehr es ertragreiche „Bereicherungsbäume“ gibt, umso mehr verschwinden natürliche Bäume und unsere Wälder!

- Was machen wir, wenn es genug „Bereicherungsbäume“ gibt, aber kaum noch Bäume wachsen? Dann freuen wir uns alle, wie reich doch die Menschheit geworden ist, müssen allerdings feststellen, dass uns die vielen neuartigen Bäume nichts Essbares bieten und dass all die angehäufte Wertsubstanz nichts wert ist! Dann sterben auch die Bereicherungsbäume, weil ihre Wertsubstanz von der Inflation aufgefressen wird! Dann haben wir uns zwar die Erde untertan gemacht. Dann gehören uns nicht nur die Produktionsmittel: Wir besitzen fast die gesamte Natur – die allerdings keine mehr ist! Und wir fragen uns: Haben wir die Privatökonomie beherrscht oder diese uns? Vielleicht sehnen wir uns dann nach einer Ökonomie, die nur auf die Gebrauchswerte gerichtet ist! Die Natur macht es uns vor: Sie funktioniert ohne Wertsubstanz, ohne Abfall und ohne Menschen – wenn man sie sich selbst überlässt!

 

Zur Schizophrenie weiteren Wirtschaftswachstums: Die Behauptung, dass unter den heutigen Bedingungen die Wirtschaft in den „reichen“ Ländern weiter „wachsen“ müsse, um Arbeitsplätze schaffen zu können, widerspricht jeglicher Logik und Vernunft.[72]

Anmerkungen:

- Das abgehobene Gerede über ein vorgeblich notwendiges „Wirtschaftswachstum“, um wieder Arbeitsplätze schaffen zu können, geht zumindest an drei Fragen vorbei. Erstens müsste beantwortet werden, ob ausgehend von den Bedürfnissen der Menschen und vom bisherigen Angebot der Wirtschaft überhaupt die Notwendigkeit und Möglichkeit besteht, gewinnbringend zu „investieren“. Wo besteht in den „reichen“ Ländern ein Mangel, der über neue Warenproduktion beseitigt werden sollte? Zweitens wird verschwiegen, dass ja die hohe Arbeitslosigkeit vor allem Ergebnis gestiegener Produktivität ist und dass es die Leistungssteigerungen an sich ermöglichen müssten, die Arbeitszeiten stark zu reduzieren und zugleich allen Arbeitslosen Arbeit zu geben. Drittens bleibt unerwähnt, dass es die gestiegene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit an sich ermöglichen müsste, weltweit jene sozialen Grundbedürfnisse verstärkt zu befriedigen und ökologischen Maßnahmen einzuleiten, die von vornherein keinen Gewinn versprechen. Gerade das Nichtwirtschaftliche, der „Nonprofit-Sector“, wird heute immer bedeutsamer! Dass dem unzureichend entsprochen wird, resultiert aus den privaten Gewinninteressen.

- Dass die Arbeitszeiten nicht drastisch reduziert und nicht alle Menschen beschäftigt werden, ist durch die anteiligen Sozialausgaben der „Arbeitgeber“ für die „Arbeitnehmer“ bedingt. Zwei Beschäftigte mit je 4 Stunden Arbeitszeit erfordern für den jeweiligen „Arbeitgeber“ die doppelten Sozialabgaben gegenüber einem mit 8 Stunden Arbeitszeit. Um den privaten Gewinn nicht zu beschneiden, bleiben folglich – zu Lasten der Gesellschaft – die langen Arbeitszeiten erhalten. Doch selbst im Falle der vollen Übernahme der sozialen Absicherung der Arbeitslosen durch die Gesellschaft, bleibt die Frage, wie sie es verantworten kann, die Arbeitskraft von Millionen Menschen ungenutzt zu lassen und die Persönlichkeitsentwicklung so vieler Menschen zu behindern! Was für eine „Ökonomie“!

- „Wirtschaftswachstum“ bedeutet heute in den „reichen“ Ländern, noch mehr Warenüberfluss, der für viele Menschen in den großen Warenhäusern bereits erdrückend wirkt. Er bedeutet noch mehr Lebensmittel für jene Länder, in denen es schon viel zu viele dicke Menschen gibt. In den „reichen“ Ländern werden viele Menschen krank, weil sie übergewichtig sind; in den armen Ländern erkranken sie infolge von Unterernährung oder verhungern! Doch sowohl der überzogene Lebensmittelverbrauch als auch die notwendige medizinische Versorgung der Übergewichtigen tragen zum „Wirtschaftswachstum“ bei!

- „Wirtschaftswachstum“ konzentriert sich in den „reichen“ Ländern sehr stark auf technische Konsumgüter. Es gibt ein Überangebot an Fahrzeugen, an Haushaltstechnik und Elektronik mit bewusst begrenzter Nutzungsdauer. Was soll im Sinne der „Verbraucher“ vorgeblich ökonomisch sein, wenn technische und elektronische Gebrauchswerte relativ früh funktionell oder moralisch verschleißen, um die „Verbraucher“ zu neuem Kauf anzuregen? Die eigene Qualifizierung wird von vielen Jugendlichen und Technikfreaks darin gesehen, neue Technik zum Spielen beherrschen zu lernen! In ihrer geistigen Entwicklung werden sie, ohne dass dies ihnen bewusst wird, vom Markt beherrscht und falsch orientiert!

- Auch die enormen Aufwendungen der Wirtschaft, um mittels Werbung ihren Absatz zu sichern und der dafür erforderliche riesige Papierverbrauch gehören zum „Wirtschaftswachstum“! Doch was für eine Vergeudung an geistiger Arbeitskraft und was für eine Schädigung unserer Lebenswelt, wenn für Druckerzeugnisse, die zum größten Teil sofort im Müll landen, Wälder abgeholzt werden!

- „Wirtschaftswachstum“ heißt heute in hohem Maße auch Steigerung der Autoproduktion. Doch entgegen seinem Zweck ist das Auto zum größten Verkehrshindernis geworden! Jedem, der ein Auto hat, wäre es recht, wenn weniger Autos auf den Straßen fahren. Nur auf sein eigenes möchte er nicht verzichten! Massenindividualismus! Der Automobilismus ist zu einer der größten Gefahren für die Menschheit geworden. Aber was für eine Vernichtung an Arbeitsplätzen wäre die Aufgabe der Autoproduktion und was für eine Wirtschaftskrise würde dies auslösen! Doch der Menschheit bleibt heute offenbar nur die Wahl zwischen einer weltweiten Wirtschaftskrise oder einer Existenzkrise! Bald werden wir auf (fast) alle Autos verzichten müssen, wenn wir überleben wollen!

- Nicht nur die Autoabgase und die Autoproduktion schaden unserer Lebenswelt, sondern auch die schlichte Existenz der Autos durch ihren Bedarf an Verkehrsflächen und an Freiflächen für den so genannten ruhenden Verkehr. Was für unsinniges „Wirtschaftswachstum“ verbirgt sich hinter der Schaffung von immer mehr Autostraßen, Parkflächen und Parkhäusern! Die vielen neuen Asphalt- und Betonflächen verdrängen nicht nur Natur; sie sorgen auch dafür, dass wertvolles Regenwasser der umgebenden Natur entzogen wird, in Abwasserkanälen verschwindet und als „Abwasser“ behandelt wird. Doch auch diese von den Anwohnern zu bezahlende „Abwasserbehandlung“ trägt rechnerisch zum Wirtschaftswachstum bei, ferner das Sinken des Grundwasserspiegels und das damit erforderliche Heranführen von Trinkwasser über große Rohrnetze!

- Auch die Steigerung der Waffenproduktion gehört zum „Wirtschaftswachstum“! Sicherlich hätten viele reiche Länder ein „Minuswachstum“, würden sie sich mit den verfügbaren Waffen begnügen! Doch das würde ja jene „wertvollen“ Arbeitsplätze kosten, die in anderen Zweigen ohne Bedenken wegrationalisiert oder in Billiglohnländer verlegt werden! Gibt es nichts Sinnvolleres zu tun, als Waffen zu produzieren und weltweit zu „vermarkten“? Gibt es gar Beispiele, dass Kriege deshalb provoziert oder verschärft wurden, um Waffen und Munition zu „verbrauchen“ und den Rüstungskonzernen neue Aufträge zuzuschanzen? Könnte es zutreffen, dass in den letzten Kriegsmonaten des Jahres 1945 trotz der bevorstehenden Niederlage in Deutschland vor allem deshalb so viele Städte durch Flächenbombardements zerstört wurden, um die immensen britischen und amerikanischen Bombenreserven zu „verbrauchen“? Und war der enorme Wirtschaftsaufschwung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg insbesondere deshalb möglich, weil so viel durch den Krieg zerstört worden war? Sind also unter kapitalistischen Bedingungen Kriege auch Ausdruck der Wegwerfgesellschaft im Großen?

- Die Denkweise der Fetischisten des fortwährenden „Wirtschaftswachstums“ äußert sich am folgenden charakteristischen Beispiel: In einem Beitrag über „Uns ist nichts zu billig“ machte uns unlängst Oliver Marquart auf eine an die Deutschen gerichtete Frage eines amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers aufmerksam.[73] Mit „dem Blick auf die deutsche Sparsamkeit“ äußerte der amerikanische Wissenschaftler sinngemäß, „wie denn ein Volk Wirtschaftswachstum zu Stande bekommen wolle, das beim Duschen sich erst nass mache und dann zum Einseifen das Wasser abdrehe.“ Der Hinweis des Amerikaners ist höchst bedenkenswert. Ihm geht es im Interesse steigender Gewinne – ganz gleich zu wessen Lasten – um das „Wirtschaftswachstum“ an sich! Die andere Sichtweise des „Verbrauchers“, der seine eigenen ökonomischen Vorstellungen zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser hat und Wasservergeudung scharf abweist, ist außerhalb der Denkmöglichkeiten dieses „Wissenschaftlers“!

- Es bleibt also generell zu fragen, ob im Rahmen der Marktwirtschaft und des immer wieder geforderten „Wirtschaftswachstums“ die Bedürfnisse der Menschen und der Gesellschaft das Primat besitzen, oder ob sie nur ein Mittel sind, um vordergründigen privatwirtschaftlichen Interessen zu entsprechen. Wie wollen uns die „Wirtschaftswissenschaftler“ oder gar die „Wirtschaftsweisen“ noch davon überzeugen, dass es in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft primär um Ökonomie geht, also um die rationelle Befriedigung existenzieller menschlicher Bedürfnisse?

 

These zur miserablen Ökonomie der Marktwirtschaft: Das primär am Gewinn orientierte marktwirtschaftliche Handeln führt zu einer extremen Vergeudung ökonomischer Potenzen im Sinne der rationellen Bedürfnisbefriedigung.

Anmerkungen:

- Die generelle Ursache für diese Vergeudung ökonomischer Potenzen liegt in der Umkehr von Mittel und Zweck: Obgleich der Sinn ökonomischen Handelns in der (rationellen) Befriedigung aller (gesellschaftlich akzeptierten) Bedürfnisse liegt, sind unter marktwirtschaftlichen Bedingungen die Bedürfnisse nur Mittel zum Erzielen von möglichst großem Gewinn, was zudem auf solche Bedürfnisse eingeschränkt ist, die marktwirtschaftlich relevant sind.

- Ein großer Gewinn kann bei möglichst niedrigen Löhnen und möglichst hohen Preisen erzielt werden, ferner bei möglichst hoher Auslastung der Kapazitäten und langen Arbeitszeiten. Niedrige Löhne mindern die Kaufkraft. Hohe Kapazitätsauslastungen senken die spezifischen Kosten für die hergestellten Waren. Lange Arbeitszeiten ermöglichen, den Einsatz von Arbeitskräften zu ersparen. Zugleich können bei weniger Arbeitskräften die Sozialabgaben reduziert werden. Doch wenn die Arbeitskräfte nicht entsprechend ihren Leistungen bezahlt werden, kommt es zur Überproduktion von Erzeugnissen. Zu lange Arbeitszeiten im Vergleich zur Produktivität bewirken hohe Arbeitslosigkeit. Die Vergeudung ökonomischer Potenzen besteht einerseits in einer (über die Nachfrage hinausgehenden) Überproduktion, die teils vernichtet oder zweckentfremdet genutzt wird; andererseits wird extrem viel Arbeitskraft vergeudet, die sinnvoll für die Befriedigung marktwirtschaftlich nicht relevanter Bedürfnisse eingesetzt werden könnte, wenn die Arbeit bezahlbar wäre. Die Anwendung einer nicht primär am Gewinn orientierten Ökonomie ermöglicht es, die Arbeitskräfte zur Befriedigung aller gesellschaftlich akzeptierten Bedürfnisse einzusetzen, wenn das Produktivitätsniveau zur Sicherung der Grundbedürfnisse ausreichend weit vorangeschritten ist.

- Zur Vergeudung ökonomischer Potenzen kapitalistischer Lebensweise gehört es, dass die so genannte Wegwerfgesellschaft noch nutzbare Gebrauchswerte aussondert, dass beispielsweise nutzbare Wohnungen in großem Umfange trotz Obdachlosigkeit vieler Menschen abgerissen werden. Die Ursache liegt in der unzureichenden Verteilung der Arbeit sowie der ungerechten Verteilung des Gesamteinkommens der Gesellschaft.

- Vergeudung von Arbeitskraft ist es gleichfalls, wenn jene Menschen, die Arbeit gefunden haben, durch Arbeitsüberlastung erkranken, während die Arbeitslosen infolge der Ausgrenzung psychisch erkranken können.

- Zur extremen Vergeudung gesellschaftlicher Arbeitskraft gehören die Mehrfachentwicklung und das Vielfachangebot von gleichartig wirkenden Medikamenten, ferner die Vielzahl nicht notwendiger Krankenkassen.

- Zur Vergeudung von Arbeitskraft gehört der Transport von Gebrauchswerten über Tausende von Kilometern und die Schaffung von Transportnetzen zu jenen Standorten der Nachfrage, wo infolge der territorial ungleichmäßigen kapitalistischen Entwicklung die höchsten Löhne gezahlt werden.

- Als außerordentlich verwerfliche marktwirtschaftliche Praxis muss betrachtet werden, wenn Erfindungen, die zur rationelleren Bedürfnisbefriedigung beitragen könnten, nicht genutzt oder „aufgekauft“ werden, um die bisherigen privaten Gewinne zu sichern, oder wenn Entwicklungsarbeiten behindert werden, die eine geringere Belastung der Natur versprechen.

- Völlig inakzeptabel ist die Produktion und der Einsatz von gewinnträchtigen Waffen, etwa von Personenminen, wodurch nicht nur unschuldiges Leben getötet oder schwer verletzt wird, die zudem einen unverhältnismäßig hohen Bergungsaufwand erfordern.

- Vergeudung von Arbeitskraft in großem Umfange wird es sein, wenn zerstörte Natur wieder renaturiert werden muss, weil über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte Raubbau in großem Umfange betrieben wurde, anstatt durch schonende Eingriffe auf die Selbstheilungskräfte der Natur zu setzen.

  

Zum privatökonomischen Missbrauch der Befriedigung von Grundbedürfnissen: Insbesondere in den „reichen“ Ländern werden bestimmte Grundbedürfnisse der Menschen missbraucht, um über die Privatisierung kommunaler Dienstleistungen dauerhaft hohe private Extragewinne zu ermöglichen. Zu diesen Bedürfnissen gehören das Wohnbedürfnis, die Wasser-, Abwasser-, Energie- und Arzneimittelversorgung.

Anmerkungen:

- Obgleich auf allen Gebieten wirtschaftlicher Tätigkeit die Produktivität steigt und damit im Konkurrenzkampf die Kosten sinken müssten, wie etwa bei den technischen Konsumgütern, steigen tendenziell die Wohnungsmieten, die „zweite Miete“ sowie die Arzneimittelpreise. Von den privaten Unternehmen wird ausgenutzt, dass sich die Betroffenen aus existenziellen Gründen nicht hinreichend wehren können Die hohen Mieten und Preise werden teils gesetzlich sanktioniert, teils gebremst, um den Missbrauch in Grenzen zu halten. Teils müssen die Mieten und Kosten für den ärmeren Bevölkerungsanteil staatlich übernommen werden.

- Die Preisunterschiede für gleiche Leistungen und Erzeugnisse zwischen den Ländern ergeben sich vor allem aus dem unterschiedlichen Lohnniveau, d. h., die Menschen werden in dem Maße „abkassiert“, wie ihre finanziellen Möglichkeiten gegeben sind. Die Gewinne aus der Vermietung sind im Allgemeinen so hoch, dass selbst relativ hoher Wohnungsleerstand in Kauf genommen wird, um die Preise zu „halten“.

- Oskar Lafontaine forderte am 14. Januar 2006 auf der XI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, „den Prozess der Privatisierung kommunaler Dienstleistungen wieder umzukehren“. Bezogen auf die Privatisierung von Wasser, äußerte er, dass es „pervers“ sei, „ein solches Grundelement der menschlichen Versorgung zu privatisieren.“[74]

- Auch hinsichtlich der Befriedigung anderer Grundbedürfnisse, wie der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder der Preise für Backwaren, gibt es die Tendenz, sich an der jeweiligen Bevölkerung privat zu bereichern, ohne dass die Menschen ausreichen Chancen haben, dem zu entgehen.

 

5. Zum Staat als Herrschafts- und Bereicherungsinstrument insbesondere über die Natur

These zum heutigen Staat: Als Herrschaftsinstrumente politisch organisierter Gesellschaften sind heute alle Staaten innerhalb ihrer Landesgrenzen auch Ausdruck des historisch erworbenen Besitz- und Herrschaftsanspruchs über die Natur. In Abhängigkeit von den jeweiligen nationalen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen ist es heute keinem Staat international verwehrt, ökonomische und nichtökonomische Bereicherung – auch zu Lasten der Natur – zu gewähren, zu unterstützen, zu fördern oder selbst zu praktizieren.

 Anmerkungen:

- Das Problematische an diesem staatlich sanktionierten und rechtlich gesicherten Besitzdenken über die Natur ist, dass dieser Anspruch allgemein für berechtigt gehalten wird. Wenn etwa die russische Regierung große Waldbestände der Taiga an japanische Konzerne zum Abholzen für die Papiergewinnung verkauft, gibt es keinerlei national oder international wahrnehmbare Proteste, obgleich das Nachwachsen der Wälder unter den gegebenen klimatischen Bedingungen 400 Jahre dauert! Der Ausverkauf der irdischen Lebensgrundlagen zur privaten und nationalen Bereicherung ist in vielen Staaten in unterschiedlicher Ausprägung zur Normalität geworden! Karl Marx schrieb, dass Reichtum nicht für den Staat geschaffen wird, wie dies die Ökonomen des 17. Jahrhunderts unterstellten, sondern dass der Staat letztlich „nur noch als Mittel zur Produktion des Reichtums betrachtet“ wird.[75]

- Im Prozess der Industrialisierung mussten Urwälder auf riesigen Flächen zur Gewinnung von Acker- und Weideland weichen. Die Wälder wurden abgeholzt oder durch Brandrodung beseitigt. Diese Praxis wird bis heute in vielen Regionen, auch in europäischen Ländern, fortgeführt. Finnland hat 90 % seiner Wälder zur Papiergewinnung abgeholzt! Die Schweden haben begonnen, Treibstoffe für ihre Autos aus dem Holz ihrer Wälder herzustellen! Das vorgeschobene Argument, dass wieder aufgeforstet wird und die Wälder somit nachwachsen, übergeht vollkommen den Zeitfaktor, der zur Sicherung des Überlebens der Menschheit entscheidend werden dürfte.

- Je mehr die Industrie eines Staates Produktivitätsrückstand hat, umso größer ist die Gefahr, dass zur Sicherung der Konkurrenzfähigkeit zu Lasten der eigenen Lebenswelt produziert wird – wie es heute in der Volksrepublik China noch der Fall ist!

- Die von Karl Marx für die nachkapitalistische Bedingungen vorausgesehene Auflösung des Staates schließt ein, den Besitz- und Herrschaftsanspruch von Nationen über die Natur in den Ländergrenzen aufzugeben und statt dessen Verantwortungsbereiche für die Erhaltung der Natur zu vereinbaren.

 

Zum Sklavenhalterstaat: Der Staat als Sklavenhalterstaat entstand mit dem Anspruch, durch Kriege und Raub in den privaten und gesellschaftlichen Besitz von Land, Gebrauchswerten, Werten und Menschen zu gelangen, um mittels des angeeigneten Reichtums sowie und durch Ausbeutung die gewonnene private und staatliche Macht zu festigen und weiter auszudehnen.

Anmerkungen:

- Weil der Mensch von der Natur lebt, ist die Inbesitznahme von bewohnten Gebieten die ursprüngliche historische Form nichtökonomischer Bereicherung. Sie ermöglichte die Herrschaft über Menschen und damit ökonomische Bereicherung durch Versklavung und Ausbeutung.

- Bereits während der Antike setzte in der Nähe der besiedelten Gebiete das Abholzen von Wäldern ein.

 

Zum Feudalstaat: Die Grundlage für den Feudalstaat war der Besitz von besiedeltem Land. Grund und Boden wurde als Lehen durch einen Feudalherren für Gegenleistungen (Hofdienste, Kriegsdienste, Abgaben) einem Lehnsmann (Leibeigenen) zur Nutzung übergeben. Feudale Staatsmacht bedeutete insbesondere die Verfügungsgewalt über die auf dem Privatbesitz des Feudalherren an Grund und Boden lebenden (leibeigenen) Menschen.

Anmerkung:

- Zur Brennstoffgewinnung, zum Schiffs-, Häuser- und Bergbau wurden während des Feudalismus über die Jahrhunderte große Waldflächen vernichtet. Die teilweise Wiederaufforstung begann erst im 18. Jahrhundert.

 

Zum kapitalistischen Staat: Die USA sind das herausragende Beispiel eines religiös „fundierten“, auf private und gesellschaftliche Bereicherung ausgerichteten kapitalistischen Staatswesens, insbesondere durch die weltweite Ausplünderung und Belastung der Natur. Zur ideologischen Grundlage des Bereicherungsdenkens und Bereicherungsstrebens wurde für viele Amerikaner die Ende des 19. Jahrhunderts unter Missbrauch des christlichen Glaubens entstandene „Theorie“ von Andrew Carnegie: das „Evangelium des Reichtums“.

Anmerkungen:

- Das „Evangelium des Reichtums“ wird von Ralph Henry Gabriel, Professor für amerikanische Geschichte an der Yale-Universität, beschrieben.[76] Er geht von dem bekannt gewordenen Beitrag von Andrew Carnegie über den „Reichtum“ aus, den dieser im Juli 1889 in der North American Review als „Philosophie der neuen Zeit“ veröffentlichte.[77] Nach der „Theologie des Eigentums, die die Präsidenten McCosh und Porter begründet hatten“[78], war die Carnegiesche Theorie „die christliche Form des Evangeliums des Reichtums“. Sie hatte „vier Grundlagen“: „Individualismus, Privateigentum, das ‚Gesetz der Anhäufung von Reichtum’ und das „Gesetz der Konkurrenz’. Nach diesen Gesetzen fällt der Reichtum denen zu, bei denen die größere Energie und Fähigkeit zu seiner Erzeugung liegt. Diese vier Grundlagen‚ sind das höchste Ergebnis menschlicher Erfahrung, der Boden, auf dem die Gesellschaft die bisher besten Früchte getragen hat. Wenn sich diese Gesetze manchmal vielleicht auch ungleichmäßig und ungerecht auswirken und dem Idealisten unvollkommen zu sein scheinen, so sind sie doch … die besten und wertvollsten von allen, die die Menschheit bisher zustande gebracht hat …’.“[79]

- Das „Evangelium des Reichtums“ hat die USA im materiellen Sinne in der Tat zur reichsten Nation werden lassen! Das „Gesetz der Anhäufung von Reichtum“ im Sinne von Carnegie erwies sich als richtig! „Gott“ hatte sogar „nachgeholfen“: „Wenn Gott einen Menschen auffordert, in seinem irdischen Beruf Geld zu machen, so hält er den erworbenen Reichtum als Treuhänder des Herrn.“ Auch der fromme Baptist John D. Rockefeller war davon überzeugt, dass der „liebe Gott“ ihm sein Geld gab.[80] Wir sollten uns deshalb heute nicht über den amerikanischen Präsidenten G.W. Bush wundern, wenn er vorgibt, weltweit im Auftrage von „Gott“ zu handeln.

- Das meiste Geld und Gold wird fast 120 Jahre nach Andrew Carnegie mitten in New York gehortet. Während Alexander „der Große“ noch selbst unterwegs war, um den größten Goldschatz der Antike zusammenzuraffen, haben die Banken von Manhattan Zehntausende Helfer, die über das Internet in Sekundenschnelle Werte aus aller Welt aufsaugen, um sie weiter zu vermehren. Nur das Gold muss wirklich transportiert werden. Inzwischen sind es „550'000 Barren. Gewicht: 8000 Tonnen – der Eifelturm wiegt fast 1000 Tonnen weniger!“ Als „größter Goldschatz der Menschheit“ im Wert von „90 Milliarden Dollar“ liegt es in der Federal Reserve Bank (FED), Liberty Street 33.[81] Die Menschheit sollte sich wahrlich nicht wundern, dass die USA gemäß ihrem „Evangelium des Reichtums“, geführt von einem Präsidenten mit christlichem Sendungsbewusstsein, auf der ganzen Welt weiterhin ihre „besten Früchte“ zusammenrafft und „Geld macht“.

- Während sich die Vereinigten Staaten von Amerika als „Reich“ mit gottesfürchtiger Führung zur „Demokratie“ entwickelten, besser gesagt zur größten Diktatur des Kapitals ohne Diktatoren, entwickelten sich die „gottlose“ UdSSR auf dem Boden der ehemaligen Zarendiktatur vorgeblich zur „kommunistischen“ Diktatur – obgleich der Diktator und vorgebliche Kommunist Stalin fast alle führenden Kommunisten und Millionen ihrer Anhänger umbringen ließ.

 

6. Zum Kapitalismus als Gesellschaftssystem

6.1. Zu den Erkenntnissen von Marx, Engels und Lenin

These zu Karl Marx und Friedrich Engels: Marx und Engels erkannten sowohl die gesellschaftlichen Ursachen der Entstehung der ökologischen Krise als auch die Notwendigkeit einer auf die Bedürfnisbefriedigung und auf Gebrauchswerte gerichteten Ökonomie als Basis für die Funktionsweise der nachkapitalistischen Ordnung; doch sie vermochten es nicht, die Dominanz des sich im Spätkapitalismus entwickelnden, unsere Lebenswelt zerstörenden nichtökonomischen Bereicherungsprozesses vorauszusehen. Deshalb blieb es ihnen versagt, den Widerspruch zwischen der Bewältigung der sozialen und der ökologischen Frage einheitlich ökonomisch aufzulösen sowie die Ziele für die Gestaltung der neuen Ordnung und den Weg zu ihrer Durchsetzung präzise zu beschreiben.

Anmerkungen:

- Karl Marx verwies darauf, dass für eine „auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft die Produzenten ihre Produkte nicht [austauschen]; ebenso wenig erscheint hier die auf die Produkte verwandte Arbeit als Wert dieser Produkte … im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft“.[82] Damit wollte er wohl auf das Verteilungsprinzip verweisen, wodurch die Ziele der neuen Ordnung auf die Bedürfnisbefriedigung und auf Gebrauchswerte ausgerichtet würden.

- Unterschiedliche Zitate von Karl Marx zur nachkapitalistischen Ordnung lassen vermuten, dass er sich keine klare Position zu ihrem primären Charakter erarbeiten konnte. In den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844“ ist für ihn der Kommunismus „die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen“[83], was im Sinne der einheitlichen Lösung der sozialen und der ökologischen Frage verstanden werden kann. In der „Kritik des Gothaer Programms“ aus dem Jahre 1875 spricht er von der „ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft“ sowie von „einer höheren Phase“.[84] Doch in der „Vorbemerkung zur französischen Ausgabe“ von Engels’ „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ bezeichnet Marx im Jahre 1880 den theoretischen Teil der Arbeit von Engels zögerlich als „gewissermaßen eine Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus“.[85]

- Marx und Engels erkannten die positive Seite der Produktivkraftentwicklung, die zur weiteren Vergesellschaftung der Produktion führt und damit auf die Ablösung der vorhandenen Produktionsverhältnisse drängt;[86] sie sahen aber auch ihre negative Rolle, indem durch sie „Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte“,[87] d. h., ihnen war bewusst, dass vorgeblicher Entwicklungsfortschritt auch zerstörerisch sein kann.

- Friedrich Engels ging an anderer Stelle davon aus, dass mit der Überwindung der „kapitalistischen Produktionsweise … die einzige Vorbedingung einer ununterbrochenen, stets rascher fortschreitenden Entwicklung der Produktivkräfte und damit einer praktisch schrankenlosen Steigerung der Produktion selbst“ gegeben ist.[88] Es muss jedoch gefragt werden, inwieweit diese Steigerung notwendig, möglich, ökologisch vertretbar und erstrebenswert ist. Karl Marx sieht in der „Verkürzung des Arbeitstags“ jene Möglichkeit, um in „das wahre Reich der Freiheit“ zu gelangen. „Die Freiheit … kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch … diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell“ regelt.[89]

- Um zu verstehen, warum die Ausplünderung der Natur zur Bereicherung missbraucht werden kann, ist eine Aussage von Karl Marx hilfreich: „Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit“.[90] Betrachtet man als hervorstechendes Beispiel die wundersame Vermehrung des Reichtums aus der Förderung und Verarbeitung von Erdöl, so ergibt sich folgende einfache Erklärung: Da es dem „Verbraucher“ um die Gebrauchswerte geht, etwa um Treibstoff für sein persönliches Fahrzeug, ist es für die Ölstaaten und die Erdölkonzerne ein Leichtes, sich durch hohe Rohöl- und Benzinpreise – weitgehend unabhängig vom Arbeitsaufwand – auf Kosten der Käufer, der Natur und der Nachwelt auf nichtökonomische Weise zu bereichern! Doch nur ein Teil dieses Reichtums, der an anderer Stelle erarbeitet wurde, wird den Käufern des Treibstoffes aus der Tasche gezogen und „umverteilt“; den anderen Teil „bezahlen“ die Nachgeborenen, die die fortschreitende Verarmung der Natur und die steigende Belastung der Erdatmosphäre mit Treibhausgasen rückgängig zu machen versuchen!

- Es bleibt zu beantworten, warum es Marx nicht gelang, den Widerspruch zwischen der Bewältigung der sozialen und der ökologischen Frage einheitlich ökonomisch aufzulösen. Eine Erklärung könnte die folgende sein: Marx befasste sich in seinem Hauptwerk, dem „Kapital“ mit der Analyse des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst, mit der schöpferischen Seite, mit der Schaffung von (an Gebrauchswerte gebundenen) Wert und Mehrwert. Es ging ihm um den Prozess der Wertschöpfung, um die kumulative Seite, um die „Bewegungsgrößen“, wie auch gesagt wird. Nur durch die Analyse des Prozesshaften konnte er dem Geheimnis der „Bereicherung durch Ausbeutung“ auf die Spur kommen. Das Anhäufen von Reichtum war für Marx ein übergeordneter Zusammenhang, eine neue Qualität, denn Bereicherung ist auf vielfältige Weise auch unabhängig von Ausbeutung möglich. Über den Begriff Bereicherung als ökonomische Kategorie bzw. der Aneignung von Reichtum wird die vergegenständlichte Seite, werden die „Bestandsgrößen“ eines erweiterten ökonomischen Zusammenhangs erschlossen! Es war eine methodische Abgrenzung zwischen „Ausbeutung“ und „Bereicherung“ erforderlich, um einen wissenschaftlich sauberen Nachweis für das Entstehen von Mehrwert zu ermöglichen! Marx spricht deshalb auch von der „Aneignung von Arbeit“ im Ausbeutungsprozess[91] und nicht von der „Aneignung fremder Arbeitsergebnisse“, obgleich die letztgenannte Aussage präziser wäre. Sie bliebe selbst dann noch richtig, wenn sich der Arbeiter die Produktionsmittel und Materialien ausborgen müsste. Jedoch würde die präzisere Aussage aus dem Prozesshaften herausführen! Es gibt folglich eine bewusste relative Enge im ökonomischen Herangehen innerhalb jenes riesigen geistigen Werkes, das als „Das „Kapital“ in die Geschichte einging. Nichtökonomische Bereicherung nahm Karl Marx nur insofern in sein Werk auf, als sie – in Form der so genannten ursprünglichen Akkumulation – eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung des Kapitalismus war. Doch gerade das bewusste Ausklammern der Bereicherungsproblematik in ihrer Gesamtheit führte zum Nichterkennen, dass Zerstörungen und Belastungen unseres Lebenssystems objektiv als Bereicherung auf Kosten der Nachwelt aufgefasst werden müssen, deren Beseitigung unseren Nachkommen enorme Lasten zuungunsten der Lösung der sozialen Frage aufbürdet.

- Im Nachhinein könnte man fragen, ob Karl Marx – ausgehend vom damaligen Erkenntnisstand – eine andere Abgrenzung zum Arbeitsgegenstand für „Das Kapital“ hätte vornehmen können. Die Frage ist deshalb gerechtfertigt, weil Friedrich Engels „auf anderm Wege … zu demselben Resultat“ wie Marx gelangt war. Marx führte dies zwar nicht weiter aus, bezeichnete aber im selben Zusammenhang Engels’ „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“[92] als eine „geniale Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien“.[93] Weil für Marx „jede Vorwegnahme erst zu beweisender Resultate [bei näherem Nachdenken] störend“ schien, ging er den Weg des Aufsteigens „von dem einzelnen zum allgemeinen“.[94] Engels wählte in seiner „genialen Skizze“ den Weg „von oben nach unten“. Er setzte sich zunächst mit der „Nationalökonomie … als komplette Bereicherungswissenschaft“[95] in ihrer Gesamtheit auseinander, bevor er auf ihre spezifischen Kategorien einging. Marx’ Ergebnis erweist sich zwar bis heute als die gründlichste wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Ausbeutung; doch sie veranlasst die Marxisten heute noch, von „Ausbeutergesellschaften“ statt von „Bereicherungsgesellschaften“ zu sprechen. Engels’ Ansatz „von oben“ sowie die Verarbeitung der eigenen frühen Erkenntnisse von Marx zur Naturfrage blieben in ihrem Alterswerk unbearbeitet, weil die Bereicherungsproblematik zu jener Zeit als abgeleitet, nachgeordnet und ohne eigenständige Bedeutung erschien. Die revolutionäre Entwicklung wäre während des 20. Jahrhunderts sicherlich anders verlaufen, wenn Marx die Ausbeutungsproblematik weniger gründlich, dafür jedoch ihre Einordnung in die Bereicherungsproblematik mit vorgenommen hätte.

- Die Zuspitzung der sozialen Frage am Ende des 19. Jahrhunderts in den führenden kapitalistischen Ländern und das Nichterkennen der Bedeutung künftiger nichtökonomischer Bereicherung, insbesondere der möglichen Bereicherung auf Kosten der Natur, führten im 20. Jahrhundert zum Versuch der einseitigen Lösung der sozialen Frage durch die vermeintlichen geistigen Erben von Karl Marx und Friedrich Engels.

 

These zu Wladimir Iljitsch Lenin: Lenin ist als Theoretiker und Revolutionär maßgeblich dafür verantwortlich, dass die linke Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Große Sozialistische Oktoberrevolution in eine Fehlentwicklung, in eine Sackgasse geführt wurde. Es war ein unvertretbar großes Wagnis, als revolutionärer Führer die erste sozialistische Revolution eingeleitet und durchgeführt zu haben, obgleich als Grundlage für die notwendige bewusste Gestaltung der angestrebten neuen ökonomischen Gesellschaftsformation keine ausreichend begründete ökonomische Theorie vorlag und ohne eine Antwort auf die zentrale Frage der ökonomischen Funktionsweise der neuen Gesellschaftsordnung offen bleiben musste, ob die Revolution in einem Land, zum gegebenen Zeitpunkt, mit dem gestellten Ziel objektiv berechtigt war und dauerhaft erfolgreich sein würde.

Anmerkungen:

- Lenin dogmatisierte die wissenschaftlichen Ergebnisse von Karl Marx und Friedrich Engels in Form des „Marxismus“ als „System der Anschauungen und der Lehre von Marx“[96] zu einer eigenständigen Lehre. Sie sei „allmächtig, weil sie wahr“ sei, „in sich geschlossen und harmonisch“[97]. Aus der Allmächtigkeit der „wahren“ Lehre wurde die Zwangsläufigkeit ihres Sieges abgeleitet und aus ihrer Geschlossenheit die Unterstellung, Marx habe „den Kapitalismus als gesellschaftlich-ökonomische Formation erschöpfend analysiert“[98]. Doch obgleich Lenin die „ökonomische Lehre“ von Karl Marx als „tiefgründigtse, umfassendste und detaillierteste Bestätigung und Anwendung“ von dessen Theorie bezeichnete[99], schaffte es Karl Marx infolge seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Gründlichkeit weder die über die Ausbeutung hinausgehende Bereicherungsproblematik noch die bedeutsame ökologisch-ökonomische Problematik in geschlossener Form zu bearbeiten und erst recht nicht die ökonomische Problematik der bürgerlichen Lebensweise. Es muss deshalb der Leninschen Deutung der Leistungen von Karl Marx entgegengehalten werden, ob eine in der Beantwortung grundlegender Fragenstellungen offene ökonomische Theorie als „wahr“ bezeichnet werden darf!

- Durch die Akzeptanz und das verstärkte Hervorheben des von Karl Marx abgelehnten Begriffes Marxismus [100] leistete Lenin – sicherlich ungewollt – dem Personenkult Vorschub, denn ohne den Begriff Marxismus hätte es wohl kaum die Begriffe Marxismus-Leninismus, Stalinismus und Maoismus gegeben.

- Aus dem zum Dogma erhobenen Marxismus und aus eigenen unzureichend begründeten Erkenntnissen leitete Lenin die (einseitige) Lösung der sozialen Frage ab. Indem er aber die in Russland notwendige und mögliche soziale Revolution zu einer sozialistischen Revolution ausdehnte und damit die Machtfrage stellte, indem er die nachzuholende Industrialisierung Russlands zu einem wesentlichen Inhalt des Aufbaus des Kommunismus erklärte[101], wurde ein Prozess der jahrzehntelangen Konfrontation und des an höherer Arbeitsproduktivität gemessenen „ökonomischen Wettbewerbs“ zweier gegensätzlicher Gesellschaftssysteme provoziert.

- Die Denkweise, die diesem Wettbewerb zugrunde lag, äußerte sich im „ökonomischen Grundgesetz des Sozialismus“, das 1975 wie folgt formuliert wurde: „Sicherung der höchsten Wohlfahrt und der freien allseitigen Entwicklung aller Mitglieder der Gesellschaft auf dem Wege des ununterbrochenen Wachstums und der Vervollkommnung der gesellschaftlichen Produktion.“[102] Mit dem „ununterbrochenen Wachstum“ war das Wirtschaftswachstum gemeint, das am Zuwachs an Nationaleinkommen gemessen wurde – analog dem Anstieg des Bruttosozialprodukts unter kapitalistischen Bedingungen.

- Die Leninsche Orientierung, unter sozialistischen Bedingungen im ökonomischen Wettbewerb eine höhere Arbeitsproduktivität zu erzielen sowie die generelle primäre Ausrichtung der sozialistischen Volkswirtschaftsplanung auf neu zu schaffende Gebrauchswerte vernachlässigte insbesondere die vorhandenen Gebrauchswerte langer Nutzungsdauer, was sich dramatisch im Städtebau und Wohnungsbau auswirkte, zur Vernachlässigung der Erhaltung vor allem der innerstädtischen Bausubstanz, zum massenhaften Bauen auf der „grünen Wiese“, zur Erweiterung der technischen und Verkehrsnetze und zur verzerrten Ausrichtung der Bauproduktion auf Neubaukapazitäten führte. Die Frage nach dem Umgang mit der vernachlässigten innerstädtischen Bausubstanz als Bestandteil des Nationalreichtums blieb bis zur politischen Wende der Jahre 1989/90 offen. Eine Baupolitik im Sinne der rationellen weitgehend innerstädtischen Befriedigung der Wohnbedürfnisse über den Weg ökonomischer Reproduktion wäre aber unter sozialistischen Bedingungen trotz der politischen und ökonomischen Konkurrenzsituation möglich gewesen.

- Dem überragenden Wissenschaftler W. I. Lenin hätte auffallen müssen, dass Marx bewusst auf die Behandlung der Reichtums- bzw. Bereicherungsproblematik weitgehend verzichtete, obwohl es jenes Werk von Adam Smith gab, das Marx wohlbekannt war und erstmalig die Problematik Nationalreichtum als vergegenständlichte Arbeit grundlegend behandelte. Eine Erweiterung der Marxschen ökonomischen Theorie durch Lenin hätte diese Problematik nicht ausschließen dürfen!

- Der „ökonomische Wettbewerb“ scheiterte letztlich am Konkurrenten und verursachte in der eigenen sozialistischen Lebenswelt vergleichbare ökologische Schäden, wie es für das heutige kapitalistische System weltweit als fast „normal“ gilt. Der falsche Versuch, gegen den Kapitalismus mit den ihm eigenen, über Jahrhunderte bewährten Mitteln zu konkurrieren, führte zur Verschärfung der ökologischen Krise und zum Nichterkennen ihrer gesellschaftlichen Verursachung durch die marxistischen Theoretiker.

- Das Verdrängen der aus der ökologischen Krise erwachsenden existenziellen Gefahren für die Menschheit, die Nichtlösung der sozialen Frage und das sehr späte Erkennen der grundlegenden Ursachen der ökologischen Krise haben die Lage so weit zugespitzt, dass nur die baldige weltweite Ablösung des Kapitalismus und der Übergang zu einer dem Ökologischen adäquaten ökonomischen Denk- und Handlungsweise das Überleben der Menschheit sichern werden.

 

6.2. Zum Kapitalismus als Bereicherungssystem

These zum existenziellen Grundwiderspruch des Kapitalismus:

Der innerhalb des ökonomischen Systems des Kapitalismus unauflösbare existenzielle Grundwiderspruch besteht darin, dass sich hinter der Fassade der wissenschaftlich-technischen Höherentwicklung schleichend eine Negativentwicklung vollzieht, die zur Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschheit führt. Wenn die Menschheit den Kapitalismus als Gesellschaftssystem nicht rechtzeitig ablöst, geht sie mit ihm unter.

Anmerkungen:

- Der innerhalb des ökonomischen Systems des Kapitalismus unauflösbare existenzielle Grundwiderspruch resultiert insbesondere aus dem privatökonomisch verursachten unbeschränkten Streben nach Bereicherung einerseits und der beschränkten Verfügbarkeit natürlicher Reichtümer andererseits. Er basiert auf den privaten und gesellschaftlichen Eigentums- und Besitzverhältnissen, die eine privatkapitalistische Produktions- und Aneignungsweise ermöglichen sowie eine individualistische Lebensweise erzeugen. Die private und gesellschaftliche Bereicherung erfolgt auf Kosten und zu Lasten der Vorwelt, Mitwelt und Nachwelt. Die Ergebnisse der gesamten Gesellschaftsentwicklung geraten in Widerspruch zur Belastbarkeit der natürlichen Lebensgrundlagen. Sie zerstören tendenziell weltweit unser gesamtes Lebenssystem.

- Die Formulierung des genannten existenziellen Grundwiderspruchs unterscheidet sich grundsätzlich von jener Aussage, die zum festen Bestandteil der Lehre des Marxismus-Leninismus gehörte, wonach der „Grundwiderspruch des Kapitalismus … zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten kapitalistischen Aneignung“ besteht.[103] Der Begriff Grundwiderspruch stammt jedoch weder von Marx noch von Engels, wurde aber aus bestimmten ihrer Aussagen abgeleitet.[104] Der wesentliche inhaltliche Unterschied zwischen beiden Formulierungen zum Grundwiderspruch besteht in seiner Überwindbarkeit: Während die bisherige Formulierung die positive Nutzbarkeit der Zuspitzung des Widerspruchs durch die Überführung des Privat- in gesellschaftliches Eigentum unterstellt, geht die neue Formulierung davon aus, dass die extreme Zuspitzung dieses Widerspruchs aus existenziellen Gründen von vornherein verhindert werden muss.

- Es sind die Auswüchse privater Bereicherung, die in der Spätphase des Kapitalismus – unter Nutzung des im Ausbeutungs- und Umverteilungsprozess angeeigneten Kapitals – die „Investoren“ dazu treiben, auch die gewinnträchtigen Naturreichtümer, wie Holz, Erdöl und andere Bodenschätze, sich weltweit anzueignen und zu „verwerten“.

- Zu den gewinnträchtigen Naturreichtümern gehört auch das Wasser. Infolge der Verschuldung der Kommunen wird auch die Wasserversorgung immer stärker privatisiert. Doch die „schlichten Privatisierungen kommunaler Versorger liefern die Bürger den Privaten zum Plündern aus.“[105] Privatisieren ermöglicht das Aneignen von fremdem Eigentum und Besitz mit Mitteln, die aus der Aneignung von fremdem Eigentum und Besitz resultierten.

- Es muss allerdings auch von persönlicher Bereicherung gesprochen werden, etwa wenn sich viele Menschen der „reichen“ Länder durch die Nutzung eigener Fahrzeuge eine Lebensweise leisten, die unser Lebenssystem infolge der klimawirksamen Abgase nicht dauerhaft verträgt.

- Selbst das Aneignen von Land durch die verarmte einheimische Bevölkerung in den „Entwicklungsländern“ mit dem Ziel, es nach der Brandrodung durch Urbarmachen zum Überleben zu nutzen, gehört zum persönlichen und gemeinsamen Bereichern, obgleich dies nicht einigermaßen vergleichbar ist mit der nach der Naturzerstörung auf Maximalgewinn orientierten landwirtschaftlichen Produktionsweise der Großgrundbesitzer dieser Länder.

- Letztlich ist es die gesamte Menschheit, die auf der Basis der Privatökonomie als Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft zugleich auf Kosten der Nachwelt lebt! Was in Form vielfältiger Waren und massenhaften Angebots als Fortschritt erscheint, trägt zum Untergang der Menschheit bei! Die Menschheit kann aus dieser Eigenentwicklung, die ihre Existenz gefährdet, nur ausbrechen, wenn sie rechtzeitig, also noch vor der maximalen Zuspitzung des existenziellen Grundwiderspruchs, erkennt, dass sie nur durch die Überführung des privaten und gesellschaftlichen Eigentums in Gemeineigentum und (eingeschränkten) Gemeinbesitz sowie nach der Ablösung der Privat- durch die Gemeinschaftsökonomie eine Zukunft hat.

 

These zur Charakterisierung der kapitalistischen Gesellschaft: Die kapitalistische Gesellschaft ist eine Bereicherungs-, Ausbeutungs-, Verarmungs-, Zerstörungs- und letztlich Selbstvernichtungsgesellschaft. Sie teilt die Menschheit nicht nur in Reiche und Arme; sie verarmt und zerstört zugleich ihre eigene, unsere Lebenswelt.

Anmerkungen:

- Die vorgeschlagene Charakterisierung soll das Wesentliche des privatökonomischen Entwicklungsprozesses in seiner Gesamtheit erfassen: Nach jahrtausendelanger dominanter Entwicklung in Form privater, gesellschaftlicher und nationaler Bereicherung durch die Ausbeutung von Menschen und zu Lasten unserer Lebenswelt während der Sklavenhaltergesellschaft und des Feudalismus findet das Bereicherungsgeschehen im Kapitalismus mit der drohenden Selbstvernichtung der Menschheit seine existenzielle Zuspitzung: Wenn dieses Geschehen nicht als gesetzmäßige Negativentwicklung erkannt und ihr nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird, führt es tendenziell zur Selbstvernichtung der Menschheit!

- Die kapitalistische Gesellschaft hat sich selbst entblößt, nachdem das bürgerliche Recht auch für die „bürgerliche Ehe“ die Bereicherungsmentalität unterstellt und vom „Güterstand der Zugewinngemeinschaft“[106] ausgeht. Damit wurde die Ehe von einer Lebens- und Wertegemeinschaft zur Wert“gemeinschaft“ degradiert, d. h., die Ehepartner sollen ihr erworbenes Geld nunmehr gemeinsam zur (weiteren) Bereicherung „anlegen“. Sie sind dann – wie es im deutschen Steuerrecht so „schön“ heißt – „gemeinsam veranlagt“!

- Die kapitalistische Gesellschaft charakterisiert sich über ihre Sprache in vielfältiger Weise als Bereicherungsgesellschaft selbst, und zwar nicht nur in der Umgangssprache, wenn vom Abkassieren, Abzocken, Absahnen und dergleichen gesprochen wird; es gibt auch eine Gewinnwarnung statt Verlustwarnung, ein Nullwachstum statt Stagnation und eben jenes „ertragreiche“ Wirtschaftswachstum.

 

These zur Herrschaftsweise des kapitalistischen Gesellschaftssystems: Die Macht des kapitalistischen Gesellschaftssystems resultiert aus dem Wirken der Privatökonomie. Sie bedient sich des internationalen Währungs- und Finanzsystems, insbesondere der so genannten Leitwährungen. Die Privatökonomie herrscht in Eigenentwicklung aus sich selbst heraus und dominiert tendenziell die Entwicklung der gesamten Menschheit. Deshalb braucht sie in ihrer am „höchsten“ entwickelten Form keine Diktaturen. Im Prozess der Globalisierung dehnt sie ihre Dominanz nach außen aus, im Prozess der Privatisierung nach innen. Was als Demokratie erscheint, unterliegt letztlich dem Diktat der Privatökonomie.

Anmerkungen:

- Das System der Privatökonomie ist in Wirklichkeit ein riesiges Netz, an dem sie überall auf unserer Welt wie eine Spinne webt. Dort, wo ihre Leitwährungen akzeptiert werden, beginnt sie zu herrschen, um die Beherrschten und deren Lebenswelt in den Bereicherungssog einzuverleiben und an die bereits Eingewebten anzuschließen. Die Menschen aller Länder sind an die Wertformen der Privatökonomie, an Geld, Edelmetall, Aktien usw., gebunden und zusammen verbunden. Die Fäden des Netzes führen insbesondere zu den Großbanken, die heute mittels des Internets die angeeigneten Werte zum Zwecke privater, gesellschaftlicher, nationaler, staatlicher und persönlicher Bereicherung aufsaugen, konzentrieren und wieder verbreiten, um die Bereicherungsspirale weiter voranzutreiben. Es bewahrheitet sich der Spruch aus der Umgangssprache: „Geld regiert die Welt!“

- Es handelt sich um ein ideelles Spinnennetz, das in der Überzeugung seiner Nutzer existiert und von allen Ecken und Enden der Welt Wertsubstanz aufsaugt und den „Investoren“ weiteren Wertzuwachs verspricht. Tagtäglich werden wir durch die Medien über die Bereicherungsmechanismen informiert und in Unruhe versetzt, wenn die Bereicherungsspirale ins Stocken gerät. Tagtäglich werden per Knopfdruck Milliarden Dollar über das Bereicherungsnetz des Internet transferiert. Fehler an einer Stelle können innerhalb weniger Minuten zu riesigen Verlusten und zu großen Gewinnen an anderer Stelle führen.[107] Doch jeder „Erfolg“ der „Anleger“ ist ein kleiner Schritt weiter zur Selbstvernichtung der Menschheit!

- Dem ideellen Netz entsprechen verschiedenartige materielle Netze, die es ermöglichen, die den Wertsubstanzen entsprechenden Gebrauchswerte lokal, regional, national, international oder weltweit zu transportieren. Es sind dies die Handels- und Verkehrsnetze für den Schiffs- und Flugverkehr, die Straßen- und Schienennetze, die Rohrnetze usw. Der Tauschwert der Gebrauchswerte ist es, der es den Händlern und Anlegern ermöglicht, sich Wertsubstanz über die Datennetze anzueignen. Doch es gibt auch Spekulanten, die ausschließlich mit Wertsubstanz, etwa mit Währungen, „handeln“.

- Indem sich das Spinnennetz der Privatökonomie immer ausgedehnter und dichter über alle Länder der Erde spannt, werden die lokalen und regionalen Lebenssysteme, die uns das Leben ermöglichen, ausgesaugt, verarmt, belastet, vergiftet und zerstört.

- Wer im Fortschrittsglauben den Begriff Vernetzung fast als Zauberwort betrachtet, sollte prüfen, welchem Hauptziel die Schaffung neuer Netze unter kapitalistischen Bedingungen dient. Geht es primär um weltweiten Informations- und Warenaustausch oder um die Ausdehnung von Macht und Bereicherungsmöglichkeiten? Dient nicht auch das Schaffen dieser Netze vor allem privater Bereicherung? Es stellt sich deshalb die Frage, was mit den Netzen geschehen sollte, um die Bereicherungsspirale zu stoppen oder gar aufzulösen.

 

6.3. Naturwissenschaftliche Aspekte spätkapitalistischer Entwicklung

Zur globalen ökologischen Krise: Die globale ökologische Krise resultiert insbesondere aus der Störung des globalen ökologischen Gleichgewichts, also des natürlich entstandenen Verhältnisses zwischen dem Anteil an pflanzlichem Leben einerseits und dem Anteil an tierischem sowie menschlichem Leben andererseits. Wenn das ökologische Gleichgewicht tendenziell zuungunsten des pflanzlichen Lebens stark gestört wird, kommt es über einen verstärkten Treibhauseffekt zu einem weiteren Aufheizen der Erdatmosphäre. Der zusätzliche Treibhauseffekt entsteht, weil die Gesamtheit an pflanzlichem Leben nicht mehr ausreicht, um den vergrößerten Anteil an Kohlendioxyd aus der Atmosphäre zu binden, der durch die privatökonomisch dominierte Produktions- und Lebensweise der Menschheit erzeugt sowie vom menschlichen und tierischen Leben insgesamt abgegeben wird. Werden die gesellschaftlichen Ursachen für das Entstehen der globalen ökologischen Krise nicht rechtzeitig erkannt und beseitigt, „kippt“ das Klima nach dem Überschreiten eines kritischen Wertes der Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre, was zu einem Weltbrand und zur weitgehenden Vernichtung unserer Zivilisation führt.

Anmerkungen:

- Im Verlaufe von Jahrmillionen hat sich auf der Erde ein Gleichgewicht zwischen dem tierischen und dem pflanzlichen Leben entwickelt, so dass tierisches Leben ohne Pflanzen nicht existieren kann und umgekehrt. Man spricht von einem ökologischen Gleichgewicht. Das auf der Erde entstandene Leben wird durch die fortwährende Aufnahme von Sonnenenergie ermöglicht, die die unteren Luftschichten auf durchschnittlich minus 18 Grad Celsius aufheizen würde, wenn in der Atmosphäre keine Treibhausgase vorhanden wären.[108] Dank solcher Treibhausgase, wie vor allem Wasserdampf, Kohlendioxid und Methan, aber auch anderen Gasen, die die von der Erde abgestrahlte Energie teilweise absorbieren, entsteht ein Treibhauseffekt von 33 Grad zusätzlicher Erwärmung, so dass auf der Erde eine durchschnittliche Lufttemperatur in Bodennähe von plus 15 Grad Celsius erreicht wird.[109] Erst dieser für uns normale Treibhauseffekt ermöglicht die Vielfalt des Lebens auf der Erde.

- Die Höhe des Beitrags der einzelnen Gase zum Treibhauseffekt ist extrem unterschiedlich. Während z. B. Wasserdampf mit einem Volumenanteil von bis zu 3 % in der Atmosphäre mit 20,6 Grad am normalen Treibhauseffekt beteiligt ist, beträgt er beim Kohlendioxid 7,2 Grad, obgleich es in der Atmosphäre mit 0,03 % nur als Spurengas nachgewiesen werden kann. Beim bodennahen Ozon sind die Verhältnisse noch extremer: Sein Beitrag zum normalen Treibhauseffekt beträgt 2,4 Grad Celsius, obgleich sein Volumenanteil in der Atmosphäre lediglich drei Millionstel Volumenprozente ausmacht.[110] Es gibt weitere Gase, die für die Chemieindustrie bedeutsam, als Spurengase in der Atmosphäre vorhanden und als Treibhausgase wirksam sind.

- Bei möglichen künftigen Veränderungen der Zusammensetzung der Erdatmosphäre und damit auch bei der Ausbildung eines zusätzlichen Treibhauseffektes spielt das Kohlendioxid die dominierende Rolle. Die Schätzungen, wie weit mögliche Temperaturerhöhungen der unteren Luftschichten von den einzelnen Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten bewirkt werden könnten, liegen für Kohlendioxid zwischen 2 und 4 Grad Celsius.[111]

- Der Anteil an Kohlendioxid in der Atmosphäre erhöht sich erstens dann, wenn pflanzliches Leben in seiner Gesamtheit, etwa zur Papier- und Energiegewinnung sowie zur veränderten Flächennutzung, in großem Umfange und schneller zerstört wird, als es wieder nachwachsen kann, zweitens wenn fossile Stoffe, wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die seit Millionen von Jahren Kohlenstoff fest binden, zur Energiegewinnung verbrannt werden, drittens wenn die Gesamtheit an menschlichem und tierischen Leben zunimmt.

- Aus den Darlegungen geht hervor, dass das Einschränken des Ausstoßes an Kohlendioxyd zur Abwendung einer Klimakatastrophe keinesfalls ausreicht. Kritisch sind der Grad der Störung des globalen ökologischen Gleichgewichts, die historisch bereits verursachte Anreicherung von Kohlendioxyd und der anderen klimawirksamen Gase in der Erdatmosphäre sowie die bereits erfolgte Erderwärmung der Luft, der Ozeane und Meere.

- Welche Belastung das historische Erbe des bereits gestörten globalen ökologischen Gleichgewichts darstellt, zeigen neuere Untersuchungen: „Auch wenn die Menschheit von sofort an keinerlei Kohlendioxid mehr in die Erdatmosphäre abgeben würde, könnte das den Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten nicht stoppen. Mindestens 20 Jahre lang stiege die Durchschnittstemperatur auf der Erde noch um mehrere Zehntelgrad an; das Treibhausgas Kohlendioxid wäre dennoch erst im Jahre 2100 wieder auf das Niveau von 1975 gesunken. Dieses >>Generationen-Erbe des Klimawandels<< haben der französische Umweltforscher Pierre Friedlingstein und seine US-Kollegin Susan Solomon errechnet und in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift >>Proceedings<< der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlicht. … >>Unsere Kalkulationen machen deutlich, wie jede Generation einen von CO2-Emissionen bewirkten, wesentlichen Klimawandel von früheren Generationen erbt<<, halten Friedlingstein und Solomon fest. >>Die derzeitigen Emissionen werden also erheblich zum Klimawandel für künftige Generationen beitragen. <<“[112] Die Ergebnisse der beiden Forscher erklären sich u. a. dadurch, weil die bereits erfolgte Erwärmung der Ozeane und Meere erst nach Jahrzehnten klimawirksam wird.

- Dass die Stärke des zusätzlichen Treibhauseffekts sehr schwierig voraussehbar ist, zeigt sich am Treibhausgas Methan. Es ist in großer Menge in Meeresböden gebunden, entsteht bei Fäulnisprozessen u. a. beim Reisanbau, aber auch in vermehrtem Umfange, wenn die Dauerfrostböden der nördlichen Hemisphäre auftauen. Deshalb könnten es sekundäre oder tertiäre Wirkungen sowie zeitliche Fernwirkungen sein, die letztlich zum Kollaps führen.

- Die Untersuchung des bis vor wenigen Jahren von den Klimaforschern unzureichend erforschten Einflusses der Verschmutzung der Erdatmosphäre zeigt, dass der Treibhauseffekt bereits heute schon weitaus stärker wirksam wäre, wenn die Sonneneinstrahlung nicht durch diese Verschmutzung, durch die so genannte Schwarze Sonne, gebremst würde. Als es nach dem 11. September 2001 für drei Tage zu einem absoluten Flugverbot über die USA kam, stieg die Durchschnittstemperatur für das gesamte Land um ein Grad! Unter Berücksichtigung der Wirkungen der Schwarzen Sonne wird davon ausgegangen, dass der tatsächliche Anstieg der Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche innerhalb von 50 Jahren um 5 Grad und innerhalb von 100 Jahren um 10 Grad betragen wird! Dies wäre für das irdische Leben in der Tat tödlich! Als Konsequenz bleibt nur die notwendige Reduzierung sowohl der Luftverschmutzung als auch des Kohlendioxydanteils aus der Erdatmosphäre.[113]

- Es könnte irgendwann eine einzige wesentliche Aktivität zu Lasten unseres Lebenssystems sein, die unser Klima zum „Kippen“ bringt und die weltweite Katastrophe auslöst. Die riesigen in vielen Gebieten der Erde in den vergangenen Jahren teils natürlich entstandenen Waldbrände sind Vorboten jenes alles verheerenden Weltbrandes. Der Kollaps tritt ein wie bei einem einzelnen Lebewesen, dessen Körpertemperatur eine bestimmte Grenze überschreitet.

- Das Streben der Privatökonomie ist tendenziell gegen die Erfordernisse der Wahrung des ökologischen Gleichgewichts gerichtet. Wirtschaftswachstum orientiert auf massenhaften Verbrauch, um den Umsatz zu erhöhen und die Gewinne zu maximieren. Zeitungsverlage streben zum Beispiel möglichst große Auflagen ihrer Zeitungen mit möglichst vielen Seiten an, um durch gut bezahlte Reklame und Annoncen zusätzlich zu verdienen. Auf anderen Gebieten werden dem Mehrverbraucher finanzielle Vorteile eingeräumt, wie z. B. beim Verbrauch an Erdgas und an Elektrizität. Doch besonders krass ist das Fehlverhalten der Automobilindustrie, die nicht nur die Produktion von Autos mit geringem Spritverbrauch hinauszögert, sondern dabei ist, den in den „reichen“ Ländern üblichen Individualverkehr auf andere Staaten auszudehnen. Im Jahre 1996 fand ich eine Zeitungsnotiz, nach der "der italienische Konzern Fiat ... ein Auto" konstruiert hat, "das ausschließlich in Entwicklungsländern verkauft werden soll." Der Autor führte dazu aus: "Erst will man Brasilien und Argentinien, dann Indien und China mit dem neuen Kleinwagen 'Palio' beglücken. Jeder weiß: Die Übertragung westlicher Autodichte auf die ganze Welt führt zum Klimakollaps. … Die Fiat-Manager versuchen gar nicht, das zu bestreiten. Stumm sind sie auch nicht. Der Vizepräsident des Konzerns sagt: 'Wenn wir das nicht tun, machen es andere.'" Und weiter schrieb der Autor: "Da ist ein Markt, der Gewinn verspricht, also wird der Gewinn auch geholt, also kann man ihn sich auch selbst holen. Darin steckt eine Regel: Wenn etwas möglich ist, muss man es tun; einige erliegen dem Zwang bestimmt, also darf auch Fiat schwach werden. ... Man kann daraus nur schließen, dass … Autoverkehr, …selbst wenn er beliebig steigt, gerechtfertigt ist. Mit dem Autoverkehr ist auch der Klimakollaps gerechtfertigt."[114] Es bleibt zu ergänzen, dass es das kapitalistische System ist, dass derlei „Zwänge“ erzeugt und dass uns folglich nur seine Ablösung vor der Selbstvernichtung bewahrt.

- Welche Folgen hätte ein Weltbrand für das Leben auf der Erde? Es gab einen Weltbrand „vor 250 Millionen Jahren“. Er wurde vom „größten Vulkanausbruch“ ausgelöst, „den die Erde je erlebt hat“, und zwar im heutigen Sibirien. „Der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre schnellte hoch, der Treibhauseffekt explodierte. Die Erde überhitzte, saurer Regen tötete die Pflanzen. Die Welt brach zusammen.“ Es wurde „kaum noch Biomasse produziert“. Der „Sauerstoffgehalt fiel und fiel … von etwa 30 Prozent auf 15 oder gar nur 13 Prozent. Und die Luft blieb ‚stickig’, fünf Millionen Jahre lang. Das hatte Auswirkungen auf die Organismen. … Organismen, die wenig Sauerstoff brauchten, profitierten von dieser Welt. Die ersten Saurier tauchen vor 230 Millionen Jahren auf, als der Sauerstoffgehalt am geringsten war.“[115] 

  Der Sauerstoffgehalt der Luft liegt heute bei 20,93 Prozent.[116] Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das allmähliche Absinken des Sauerstoffgehalts der Erdatmosphäre auf das menschliche Leben hätte und ob Menschen nach einem Weltbrand infolge unzureichender Sauerstoffversorgung irgendwo auf der Erde überhaupt überleben könnten.

 

Zur Überbevölkerung: Eine wesentliche Verschärfung der ökologischen Krise kann – relativ unabhängig vom gesellschaftlichen Geschehen – allein aus einer unkontrollierten Bevölkerungsentwicklung entstehen. Eine solche Entwicklung stört das ökologische Gleichgewicht dann, wenn die Gesamtheit des menschlichen und tierischen Lebens im Missverhältnis zur Gesamtheit des pflanzlichen Lebens steht, wenn die Menge an abgegebenem Kohlendioxid die Aufnahmemöglichkeiten der gesamten Pflanzenwelt übersteigt. Jede Gesellschaft müsste in diesem Falle – unabhängig von der Verursachung der Überbevölkerung – ihre Bevölkerungsanzahl langfristig zielgerichtet reduzieren.

Anmerkungen:

- Das zielgerichtete Reduzieren der Überbevölkerung setzt das Wissen voraus, wie viele Menschen die Erde zu tragen und zu ernähren vermag, ohne ihrem Lebenssystem in seiner Ganzheit zu schaden. Es ist anzunehmen, dass bereits heute viel zu viele Menschen auf der Erde leben, so dass die Überbevölkerung als ökologische Falle wirken kann. Es sind folglich Strategien zu entwickeln, wie die Reduzierung der Überbevölkerung erreicht werden kann.

- Wesentlich ist auch die Kenntnis, ob es im Rahmen des kapitalistischen Gesellschaftssystems überhaupt möglich ist, die Bevölkerungsanzahl in kontrollierter Form weltweit zu reduzieren. Sollte sich dies als unmöglich erweisen, wäre das allein schon ein ausreichender Grund, das System abzulösen!

- Die Akzeptanz der Erkenntnis, dass die Menschheit durch die Verschärfung der ökologischen Krise in ihrer Existenz durch das gemeinsame Wirken von Gesetzmäßigkeiten der Natur und der Gesellschaft bedroht ist, wird sich als überaus schwierig erweisen. Doch erst aus dieser Erkenntnis leitet sich die Möglichkeit ab, die existenzielle Krise der Menschheit zu überwinden. Sie wird nur möglich sein, wenn die Völker der Erde im globalen Rahmen über alle politischen, nationalen, ideologischen und religiösen Schranken hinweg gemeinschaftlich denken und handeln lernen.

 

6.4.   Ein neues dialektisches Gesetz der gesellschaftlichen Entwicklung?

These zur Entwicklung des Gesellschaftlichen: Infolge von Konkurrenz und privatem Überlebenskampf erzeugen private Bereicherungsbestrebungen individualistisch dominierte Gesellschaften. Auf der Basis von privatem Reichtum setzt sich das Individualistische weltweit schrankenlos durch und zerstört tendenziell das Gemeinschaftliche. In Form des Nationalismus können Gesellschaften auch individualistische Züge auf „höherer“ Ebene annehmen. Hinter einem spezifischen Nationalismus können sich Absichten und Bestrebungen nach gesellschaftlicher Bereicherung verbergen, die sich im Bemühen nach internationaler wirtschaftlicher Dominanz äußern, aber auch im Überlegenheits- und Herrschaftsanspruch über andere Nationen, im Annektieren fremder Territorien sowie in der Unterjochung und Versklavung anderer Völker.

Anmerkungen:

- Das Bestreben nach privatem Eigentum und Besitz jedweder Form erzeugte im Verlaufe der historischen Entwicklung Bereicherungsgesellschaften. Heute dominiert innerhalb dieser Gesellschaften verstärkt das Individualistische und im Rahmen des Individualistischen das Privatökonomische. Dies reicht bis in die Familien hinein, etwa bei Erbschaftsstreitigkeiten.

- Karl Marx spricht von Selbstentfremdung: Der Mensch als Gemeinschaftswesen entfremdet sich von sich selbst, indem er seinen Erfolg am finanziellen und materiellen Ergebnis misst, nicht aber am angeeigneten geistigen Reichtum, nicht an der erreichten Gemeinschaftlichkeit selbst. Nach Marx ist es „größter Reichtum, … den andren Menschen als Bedürfnis“ zu „empfinden“[117].  

- Das Zerstören des Gemeinschaftlichen bezieht sich sowohl auf Gemeinschaften zwischen den Menschen als auch auf Gemeinschaften in der Natur. Es bewirkt das Nichteinordnen von Menschen in natürliche Lebenssysteme und den Versuch von Gesellschaften zur Naturbeherrschung.

- Im Kampf um das private Überleben im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf steht der Einzelne bzw. das einzelne Unternehmen letztlich gegen die gesamte Menschheit und gegen sich selbst. Ein Einzelner bzw. ein einzelnes Unternehmen kann durch eine Aktivität letztlich die weltweite ökologische Katastrophe auslösen, wenn die Schwelle des Erträglichen für das irdische Lebenssystem überschritten wird.

 

These zum dialektischen Gesetz der Vereinigung oder der Divergenz: In Abhängigkeit von den Eigentums- und Besitzverhältnissen und ihren Veränderungen kann gemeinschaftliche bzw. gesellschaftliche Entwicklung tendenziell entweder zu immer höheren Formen gewollter Gemeinschaftlichkeit oder zur Zunahme ungewollter Divergenz führen.

 Anmerkungen:

- Private Eigentums- und Besitzverhältnisse erlauben nur eine eingeschränkte gesellschaftliche Entwicklung. Sie schließen tendenziell eine Negativentwicklung unter Verstärkung der gesellschaftlichen Ungleichheit und Gegensätzlichkeit ein, führen zur gegenseitigen Bekämpfung, zur geistigen Kluft zwischen den ungleich Betroffenen, zu nicht übereinstimmenden Auffassungen, zu unterschiedlichen Ideologien, unauflösbaren Antagonismen und letztlich zur möglichen gegenseitigen Vernichtung – falls die materiellen Grundlagen der gegensätzlichen Entwicklung nicht beseitigt werden.

- Damit sind private Eigentums- und Besitzverhältnisse auch die entscheidende Grundlage für die Ausbreitung gesetzwidrigen Verhaltens von einzelnen Menschen, des Missbrauchs von Menschen gegen Menschen, des organisierten Verbrechens bis hin zum Provozieren von Kriegen.

- Die politischen Parteien sind das Ergebnis gesellschaftlicher Divergenz. Ihre Vertreter agieren als Repräsentanten der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, der Klassen und Schichten, die unter eingeschränkter Demokratie versuchen, die Interessen ihrer Gruppen zur Aufrechterhaltung bzw. Bekämpfung der unsozialen Verhältnisse wahrzunehmen. Die Einschränkung der Demokratie ergibt sich aus der fehlenden direkten Einflussnahme auf das wirtschaftliche Geschehen sowie aus dem Lobbyismus.

- Negative Wirkung des genannten Gesetzes können sich – auch unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen – bereits beim vereinzelt lebenden Menschen ergeben, etwa wenn er sich bewusst gegen die Ehe entscheidet. Über die Ehe und Familie kann der Mensch zuerst den Sinn und die Nützlichkeit gemeinschaftlichen Lebens und Handelns erlernen.

- Die Möglichkeit zu allseitiger menschlicher Entwicklung in immer höheren Formen der Gemeinschaftlichkeit setzt Gemeineigentum und Gemeinbesitz voraus; die Möglichkeit und Notwendigkeit zu neuer gemeinschaftlicher Vereinigung erwächst aus neuer dauerhafter Kommunikation und Kooperation.

 

6.5. Anforderungen an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

Gemeinschaften im engeren Sinne: Gemeinschaften der nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung im engeren Sinne sind Menschen, die in ihrem Lebensraum zur Vervollkommnung ihrer geistigen Entwicklung ihre eigenen Lebens- und Produktionsbedingungen im Sinne der rationelleren Befriedigung sich entwickelnder geistiger, kultureller und materieller Bedürfnisse auf der Basis voller Demokratie gemeinschaftlich reproduzieren. Das schließt ein, dass auch das Bedürfnis nach Arbeit von der Gemeinschaft möglichst im eigenen Lebensbereich erfüllt wird.

Anmerkung:

- Gemeinschaften im engeren Sinne sind Ehepartner, Familien, Dorfgemeinschaften, Hausgemeinschaften, Siedlungsgemeinschaften etc. bis zur Menschheitsgemeinschaft.

 

Gemeinschaften im weiteren Sinne: Unter den Bedingungen einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung sind Gemeinschaften im weiteren Sinne Lebensgemeinschaften, die sich aus der bewussten Einordnung der Menschen in ihre natürliche Lebenswelt entwickeln, wobei Menschengemeinschaften Verantwortung für die Erhaltung und Gesundung von Lebensgemeinschaften der Natur übernehmen können.

Anmerkung:

- Im diesem Sinne sollte auch eine Weltgemeinschaft für das gesamte irdische Lebenssystem angestrebt werden.

 

These zum eingeschränkten Anspruchsdenken: Eine grundlegende Anforderung an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung ist die Reduzierung des Anspruchsdenkens aller Menschen an Eigentum und Besitz über die gemeinschaftlich vorgegebene Orientierung hinaus. Keinem Menschen darf es weiterhin ermöglicht werden, sich durch sein Eigentum bzw. seinen Besitz  auf Kosten anderer Menschen und zu Lasten der Natur zu bereichern. Auch das persönliche Eigentum und der persönliche Besitz sollten auf ein sinnvolles Maß beschränkt bleiben.

 

These zur Aufhebung staatlicher Grenzen: Die Reduzierung des Anspruchsdenkens heißt auch, dass Staaten und Nationen „ihre“ Territorien mit dem natürlichen Reichtum an Bodenschätzen, Wäldern, Böden, Seen, Uferzonen usw. nicht mehr als ihren Besitz betrachten und nicht mehr nach eigenen Vorstellungen und Zielen mit diesem Reichtum umgehen. Die Natur ist der Lebensraum allen irdischen Lebens. Es bedarf der gleichberechtigten Abstimmung zwischen allen betroffenen Völkern und Kulturen, wie mit dem Reichtum der Natur umgegangen wird und wer für die Erhaltung welcher Bereiche der Natur künftig Verantwortung übernimmt. Inhalt dieser Abstimmung muss es sein, den Völkern und Kulturen gemeinsam zu bestätigen, was künftig ihr Siedlungsgebiet und ihr nutzbarer Naturbesitz  sein wird.

 

These zur vollen Demokratie: Volle Demokratie bedeutet, dass auf Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz die Menschen eines Gemeinwesens über alle wesentlichen Belange ihrer Entwicklung, ihrer Lebens- und Produktionsweise eigenständig entscheiden, wobei sie von den Empfehlungen der weltweit verantwortlichen geistigen Führung, der Führungen ihrer Kultur und ihrer Region in Abstimmung mit den kooperierenden Völkern ausgehen.[118]

 

These zur nachkapitalistischen Produktionsweise: Die Zielstellung, möglichst alle gemeinschaftlich anerkannten Bedürfnisse, also auch das Bedürfnis nach anspruchsvoller Arbeit auf rationelle Weise zu befriedigen, erfordert eine weitgehend dezentralisierte Produktion und ihre Einordnung in die Siedlungsgebiete. Dabei ist es wesentlich, dass Fortschritte in der Produktionsweise an einem Standort über ein weltweites Informationsnetz möglichst schnell zu anderen Standorten auf der Erde übertragen werden.

 

These zur nachkapitalistischen Lebensweise: Infolge der Überbevölkerung der Erde erfordert die Sicherung des Überlebens der Menschheit unter nachkapitalistischen Bedingungen eine bewusste Vergemeinschaftung der Lebensweise, d. h. eine solche Veränderung der Siedlungsstruktur und Bauweise, dass die Menschen alle wesentlichen Lebensbedürfnisse im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung mit möglichst geringem Verkehrsaufwand unmittelbar in ihren Siedlungen und Siedlungsgebieten befriedigen können. Das schließt den weitgehenden Verzicht auf den motorisierten Individualverkehr ein.

Anmerkung:

- Es geht um das Beenden der Zersiedelung der Lebensräume. Es geht auch um den Rückbau vieler Verkehrstrassen, die durch das individualistische Verkehrsverhalten erforderlich wurden, und um den Rückbau der Versiegelung von Böden für den „ruhenden Verkehr“.

 

These zur generellen Anforderung an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung: Die generelle Anforderung an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung ist die einheitliche Lösung der ökologischen und der sozialen Frage unter der Dominanz der Wiederherstellung einer gesunden irdischen Lebenswelt. Sie kann auf der Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz sowie unter Anwendung der Gemeinschaftsökonomie erreicht werden.

 Anmerkungen:

- Eine einheitliche Lösung anzustreben, bedeutet eine gleichartige ökonomische Denkweise im Sozialen und im Ökologischen zu realisieren.

- Die Dominanz in der Wiederherstellung einer gesunden irdischen Lebenswelt erfordert eine adäquate Lebens- und Produktionsweise.

- Die Basis für eine einheitliche ökonomische Denkweise und für die mögliche Dominanz des Ökologischen sind adäquate Besitz- und Eigentumsverhältnisse, also Gemeinbesitz und Gemeineigentum.

 

7. Zur Problematik der Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems

7.1. Zur notwendigen Ablösung des Kapitalismus als System

These zur Systemablösung: Der Prozess der Globalisierung hat dazu geführt, dass die Menschen fast aller Länder über das weltweite Netz der Privatökonomie im kapitalistischen System gefangen sind oder als „Verlierer“ ausgesondert wurden. Das Gefangensein betrifft sowohl die Reichen als auch die Armen. Keiner kann sich den Systemwirkungen der Privatökonomie und ihren Fehlwirkungen entziehen. Im Rahmen der Eigenentwicklung dieses Systems können zwar Veränderungen erkämpft werden, ohne jedoch die Entwicklungstendenz zur Zuspitzung der Widersprüche und zur Selbstaufhebung des Systems durch Selbstzerstörung zu verhindern. Der einzige Weg, um der apokalyptischen Gefahr der Selbstvernichtung zu entgehen, besteht in der rechtzeitigen weltweiten Ablösung der kapitalistischen Ordnung durch eine weltweite Gemeinschaftsordnung.

Anmerkungen:

- Die Reichen und Wohlhabenden sind infolge der Konkurrenz, die minder Bemittelten und die Armen über die Ausbeutung und Arbeitslosigkeit an das kapitalistische System gebunden. Wer sich von den Reichen und Wohlhabenden nicht weiter bereichert, wer mit seinem Unternehmen nicht weiter „wächst“, wer mit Massen- und Billigangeboten auf dem Markt keinen Erfolg hat, dem droht die Insolvenz und Verarmung. Wer jedoch von den Armen die Billigangebote ausschlägt, gerät letztlich in Existenzgefahr, weil er steigende Miet- und Energiekosten, Steuern und Kinderbetreuung nicht mehr bezahlen kann.

- Alle Menschen insbesondere der „reichen Länder“ leben bewusst oder unbewusst auf Kosten der Nachwelt und der Dritten Welt. Dies äußert sich in der finanziellen Verschuldung der Staaten sowie in Belastungen und Zerstörungen unserer Lebenswelt. Was als „soziale“ Marktwirtschaft in den „reichen Ländern“ erscheint, erwächst nicht zuletzt aus dem unsozialen Verhalten gegenüber der Dritten Welt und aus Verletzungen weltweiter ökologischer Erfordernisse.

- Der Einzelne lernt, wenn er selbst betroffen ist, sowohl aus dem Negativen als auch aus dem Positiven. Er neigt, sich an Streiks gegen das Unsoziale oder gar an politischen Auseinandersetzungen zu beteiligen, wenn er selbst unter den gesellschaftlichen Verhältnissen leidet; er verteidigt unter den Bedingungen der „sozialen Marktwirtschaft“ sein Lebensniveau, ohne zu übersehen, ob und auf wessen Kosten er sich bereichert. Er wird jedoch zusammen mit vielen anderen Menschen neue Wege gehen wollen, wenn er sie kennt und wenn er spürt, dass die „Überflussgesellschaft“ durch fortwährendes „Wirtschaftswachstum“ Naturzerstörung und Naturbelastung nach sich zieht, dass sie verstärkt Naturkatastrophen und letztlich eine Klimakatastrophe provoziert.

- Die kapitalistische Gesellschaft hat mit dem Internet ein elektronisches System geschaffen, um den weltweiten privaten und gesellschaftlichen Bereicherungsprozess mit elektronischen Mitteln zu stützen, zu beschleunigen und zu perfektionieren. Zur Ablösung des Kapitalismus als weltumspannendes privatökonomisches System wird letztlich auch die Ablösung des Internet als elektronisches Bereicherungsnetz gehören und seine Nutzung als ein Informationsnetz, das der weltweiten Verbreitung und Nutzung neuer Erkenntnisse und Lösungen dient.

- Weil es ein System ist, dass die Menschheit unabhängig vom Willen des Einzelnen beherrscht und tendenziell in die Katastrophe führt, weil dieses Gesellschaftssystem durch das innere Wirken der Privatökonomie auf Konkurrenz, auf massenhaften Verbrauch von Natur und auf unbeschränkter privater Bereicherung ausgerichtet ist, muss die Entstehung eines neuen Systems gegensätzlichen Charakters initiiert werden, eines Gemeinschaftssystems:

 

Der Konkurrenz gilt es Kooperation und Erfahrungsaustausch entgegenzusetzen,

dem Individualistischen das Gemeinschaftliche,

dem unbeschränkten privaten Eigentum und Besitz das persönliche und Gemeineigentum sowie eingeschränkten Gemeinbesitz,

der auf maximalen Gewinn ausgerichteten Privatökonomie die auf rationelle Bedürfnisbefriedigung orientierende Gemeinschaftsökonomie,

der Beherrschung der Natur das Bemühen um ihren Erhalt und die Suche nach der Geborgenheit innerhalb der Schöpfung.

 

- Das Schaffung eines gegensätzlichen Systems, eines Gemeinschaftssystems, einzuleiten und voranzubringen, darf nicht bedeuten, sich im Sinne revolutionärer Aktivitäten gegen das alte System zu stellen. Vielmehr gilt es, von der Eigengesetzlichkeit des kapitalistischen Systems auszugehen, seine inneren Zwänge zu erkennen und Wege zu finden, diese im existenziellen Interesse aller Menschen Schritt für Schritt überwinden zu helfen. Zugleich gilt es, das neue System zur Wirkung zu bringen. Es geht um organisierte Selbsthilfe durch das Einbeziehen möglichst vieler Menschen, um die Fehlwirkungen des alten Systems abzuschwächen, zurückzudrängen, aufzulösen und die Entwicklung des neuen Systems zu fördern. Wer sich gegen bestimmte Fehlwirkungen des kapitalistischen Systems stellt, sollte versuchen zu beantworten, auf welche Weise die Stärkung und Effizienz des Gemeinschaftssystems erreicht werden kann.

- Die inneren Zwänge des kapitalistischen Systems betreffen in hohem Maße die Verschuldungsproblematik, die die staatlichen Organe und die Kommunen zu unsozialen Einschnitten zwingt, wenn den Ansprüchen der Gläubiger entsprochen wird. Ein Weg, um in der ersten Phase des gesellschaftlichen Wandels Diskrepanzen auszugleichen, ist die Übergabe von überschüssigen, nicht verwertbaren Gebrauchswerten, Flächen und Kapazitäten an Arbeitslose und andere Interessenten mit dem Ziel, das sowieso Verfügbare im Eigeninteresse rationell zu nutzen und zugleich die notwendige soziale Unterstützung zumindest anteilig zu ersparen.

 

7.2. Zur Dominanz des Ökologischen gegenüber dem Sozialen bei der Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems

These zur Dominanz der primären Lösung der ökologischen Frage: Unabhängig vom beschrittenen Weg zur Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung führt jedes Zurückstellen der primären Lösung der ökologischen Frage als Folge der bisherigen und der nicht mehr vermeidbaren weiteren Schädigung des irdischen Lebenssystems sowie durch die Überbevölkerung der Erde in die Klimakatastrophe.

Anmerkungen:

- Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung der Menschheit hat in den vergangenen Jahrhunderten zur Schädigung und Überbevölkerung der Erde geführt, so dass die Möglichkeiten des irdischen Lebenssystems nicht mehr ausreichen, um alle Menschen wesentlich über die soziale Grundsicherung hinaus zu versorgen. Zudem verstärkt die Masse an Menschen und der zur Ernährung benötigten Tiere den Ausstoß an Treibhausgasen direkt und indirekt über die Zunahme an notwendiger Industrie und Landwirtschaft, an Verkehr sowie durch den zusätzlichen Energie- und Rohstoffverbrauch.[119]

- Der Kampf um soziale Verbesserungen unter kapitalistischen Bedingungen ist von vornherein trotz der Zuspitzung der Gegensätze zwischen Reich und Arm deshalb problematisch, weil er die Bestrebungen zur weiteren privaten Bereicherung zu Lasten der Natur und zur tendenziellen Zerstörung unseres Lebenssystems nicht aufhebt.

- Analoge Fehlwirkungen sind beim erneuten Herausbrechen sozialistischer Länder aus dem kapitalistischen System zu erwarten. Dies würde zu einer erneuten ökonomischen und politischen Konkurrenzsituation oder gar zu einer Konfrontation einschließlich der möglichen Entstehung neuer Kriege führen.

 

These zu ökologisch zulässigen sozialen Fortschritten: Das Durchsetzen sozialer Fortschritte verschärft die ökologische Krise, wenn nicht zugleich die privatökonomischen Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft geschmälert werden.

Anmerkungen:

- Der Kampf um soziale Fortschritte bzw. gegen den Abbau sozialer Errungenschaften birgt deshalb die Gefahr der Verschärfung der ökologischen Krise in sich, weil die Gewinne privater Unternehmen sowohl durch Ausbeutung als auch zu Lasten unserer Lebenswelt zustande kommen. Käme es also nach sozialen Auseinandersetzungen im Sinne der Einschränkung von Ausbeutung zu einer teilweisen Umverteilung der Gewinne „von oben nach unten“, so bliebe dennoch offen, inwieweit die sozialen Verbesserungen durch Bereicherung auf Kosten unserer Lebenswelt ermöglicht wurden. Bei sozialen Auseinandersetzungen gilt es deshalb, alle wesentlichen objektiven Erfordernisse unserer gesamten Lebensweise zu berücksichtigen und nicht nur darauf zu orientieren, den Unternehmern Anteile aus ihren Gewinnen abzutrotzen.

- Das Beschränken privatökonomischer Bereicherungsbestrebungen könnte damit beginnen, nach nationalen demokratischen Entscheidungen die Zunahme der staatlichen Verschuldung zunächst dadurch zu beenden, dass die Zinstilgung bis auf den Ausgangskredit zurückgenommen wird. Jene Mittel, die nach bisherigen Gepflogenheiten zur Zinstilgung verwandt worden wären, würden für notwendige öffentliche Investitionen sowie für ökologische und soziale Maßnahmen frei werden, ohne dass die Reichen und Wohlhabenden verarmen!

- Ein weiterer wesentlicher Schritt zur Einschränkung von privatökonomischer Abhängigkeit wären Entscheidungen zur Rückführung der privaten Wasser- und Energieversorgung, der Abwasserbehandlung und der Müllentsorgung in die Verantwortung der Kommunen, der Länder und des Staates. Wegen ihrer außerordentlichen Bedeutung könnte damit begonnen werden, diese öffentliche Daseinsvorsorge auf rationellste Weise unter Anwendung von Gemeinschaftsökonomie bei kostendeckenden Preisen sowie unter möglichst geringen Belastungen der „Umwelt“ zu sichern.

- Begonnen werden sollte unbedingt auch mit der vollständigen Beseitigung des Privatbesitzes an Wäldern, natürlichen Flächen und Seen, deren Missbrauch zum Zwecke privater Bereicherung möglich ist. Privatbesitz an Natur fremder Länder, insbesondere jener, der mit der Ausplünderung von Rohstoffen, wie Erdöl, Erdgas, Holz und Erzen, verbunden ist, sollte unter Beachtung der bereits erzielten Gewinne und der in den jeweiligen Regionen verursachten Schäden – ggf. mit internationaler Unterstützung – enteignet werden. Staaten, die mit Waffen, kriegerischen oder anderen aggressiven Mitteln die private Bereicherung auf Kosten unserer Lebenswelt in anderer Ländern unterstützen, sind weltweit zu ächten.

- Internationale Verschuldung heißt auch, dass national hinreichend „flüssiges“ Kapital vorhanden ist, das national nicht gewinnträchtig eingesetzt werden kann. Es spricht für die Existenz von national überflüssigem privatem Reichtum in Wertform und könnte mit hohen nationalen Steuern belegt werden.

- Die zuerst eingeleiteten Maßnahmen sollen die Menschen befähigen zu erkennen, dass bereits das staatlich verordnete Abschaffen der nationalen Zinswirtschaft sowie das Beseitigen von Privateigentum an Betrieben der öffentlichen Versorgung und Entsorgung zumindest beitragen, den weiteren sozialen Abstieg vieler Menschen zu mindern oder gar zu verhindern, aber auch um soziale Verbesserungen anzustreben. Es sollte begriffen werden, dass – auch unabhängig vom Privateigentum an Produktionsmitteln – allein die Zinswirtschaft dazu führt, den Gegensatz zwischen Arm und Reich zu verschärfen.

- Wir brauchen eine wissenschaftlich begründete neue Strategie, die das Anstreben  und Durchsetzen sozialer Ziele in das Überlebensziel der Menschheit einordnet und die verengte Sichtweise der meisten Menschen der reichen Länder überwinden hilft.

 

7.3. Zum Versuch der Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus

These zum Scheitern des Sozialismus: Der Sozialismus scheiterte als Gesellschaftssystem, weil er die notwendige Ablösung der kapitalistischen Ordnung im Wesentlichen auf die Lösung der sozialen Frage einengte und die gesellschaftliche Verursachung der ökologischen Krise weitgehend negierte. Aus den Versuchen, die soziale Frage zunächst national zu lösen, ergab sich der Zwang zur Übernahme der Konkurrenzökonomie, was zum weltweiten Wettbewerb der beiden Gesellschaftssysteme führte. Daran mussten die sozialistischen Volkswirtschaften scheitern, weil die kapitalistische Gesellschaft in der Anwendung der Privatökonomie als Konkurrenzökonomie über Jahrhunderte Erfahrungen besaß und weil sie durch die Ausbeutung der Dritten Welt sowie durch die weltweite Ausplünderung der irdischen „Ressourcen“ von vornherein im „Vorteil“ war. Der Versuch, den Kapitalismus als Gesellschaftssystem mit dessen eigenen ökonomischen Mitteln zu „besiegen“, führte auf ihn selbst zurück, führte zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse.

Anmerkungen:

- Das Scheitern des Sozialismus war insofern auch theoretisch bedingt, weil der Marxismus-Leninismus die kapitalistische Gesellschaft einengend als Ausbeutergesellschaft kennzeichnete und die gesellschaftliche Verursachung der ökologischen Krise nicht erkannte. Es wurde nicht wahrgenommen, dass sich hinter dem Rücken des gesellschaftlichen Fortschritts des Kapitalismus tendenziell eine Negativentwicklung, eine gesetzmäßige Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen vollzieht.

- Im Kern scheiterte der „wissenschaftliche Sozialismus“ am Fehlen einer ökonomischen Theorie zur einheitlichen Lösung der ökologischen und der sozialen Frage. Eine solche Theorie hätte voreilige „sozialistische Revolutionen“ und Erkenntnisschranken für die Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems verhindern können!

- Der Sozialismus als Theorie und als Gesellschaftssystem scheiterte in dreifacher Hinsicht an der Vernachlässigung der ökologischen Problematik. Zum Ersten erkannten die Theoretiker des Marxismus-Leninismus die kapitalistische Gesellschaft nicht im umfassenden Sinne als Bereicherungsgesellschaft, wodurch es ihnen nicht möglich war, die ökologische Krise als Bereicherung auf Kosten der Nachwelt einzuordnen. Zum Zweiten wurde ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen der Lösung der sozialen Frage und der Bewältigung der ökologischen Krise nicht erkannt: Während die Möglichkeit bestand, die soziale Frage anteilig national zu lösen, kann die ökologische Krise nur weltweit überwunden werden. Zum Dritten begaben sich die Marxisten-Leninisten mit ihrer These des möglichen nationalen Sieges des Sozialismus unter Inkaufnahme des wirtschaftlichen Wettbewerbs mit dem Kapitalismus – einschließlich des Rüstungswettlaufs! – selbst auf einen Weg zur Verschärfung der ökologischen Krise. Sie scheiterten im wirtschaftlichen Wettbewerb gegen die Privatökonomie, deren Stärke nicht zuletzt aus dem Wirtschaften zu Lasten unserer Lebenswelt resultiert. Der sozialistische Weg führte in eine Sackgasse und zur weitgehenden Restauration des Kapitalismus. Ein sozialistischer Weg könnte nur dann eine bedingte Berechtigung haben, wenn die ökonomische Funktionsweise dieses „neuen“ Sozialismus, etwa durch „nachhaltiges Wirtschaften“, die ökologischen Krise nicht weltweit verschärfen würde.

 

These zum Ökosozialismus: Auch der Ökosozialismus wird als nachkapitalistische Gesellschaftsordnung nicht erfolgreich sein können, weil sich seine Theoretiker und Praktiker prinzipiell im Rahmen der privatökonomischen oder der gesellschaftlichen Denkweise des kapitalistischen bzw. des gescheiterten sozialistischen Systems bewegen und handeln.

Anmerkungen:

- So z. B. schlagen Saral Sarkar und Bruno Kern einen „neu zu konzipierenden Sozialismus“ vor, einen „Ökosozialismus“, dessen Realisierung „die Vergesellschaftung des großen Kapitals“ voraussetzt, wobei der „Staat“ das „Primat des Profits und Wachstumszwanges außer Kraft“ setzt und einen „Schrumpfungsprozess“ der Wirtschaft einleitet. An „die Stelle des Chaos der freien Marktwirtschaft“ müsse „eine wirtschaftliche Rahmenplanung treten.“[120] „Ökosozialismus“ sei „eine Synthese von Sozialismus und Radikalökologie“.[121]

- Der Vorschlag von Sarkar und Kern ist ein nationaler Ansatz zur Bewältigung der ökologischen Krise und kann deshalb auf die ökologischen Probleme globalen Charakter zwar bedingt Einfluss nehmen, sie aber nicht lösen. Der Ansatz bewegt sich im Rahmen eines (eingeschränkten) nationalen Wirtschaftlichkeitsdenkens, obgleich die dominierenden ökologischen Probleme nur außerhalb von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen gelöst werden können.

- Die wesentliche Problematik des privaten und gesellschaftlichen Besitzes an natürlichen „Ressourcen“, der innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen Bereicherung auf Kosten der Natur ermöglicht, wird von Sarkar und Kern ausgeklammert, obwohl die Einschränkung der Verfügungsgewalt des Menschen über die Natur, das Wahrnehmen von Verantwortung für ihre Erhaltung sowie die Renaturierung entscheidende Anliegen der ganzen Menschheit sein werden. Nationale Interessen könnten dem „radikalen“ ökologischen Gesamtziel entgegenstehen.

- In den Vorschlägen von Sarkar und Kern äußert sich ihr geistiges Gefangensein in einer historisch überholten, unser Lebenssystem schädigenden Denkweise. Die Lösung der gesellschaftlichen und ökologischen Probleme liegt eben nicht in der staatlichen Verfügungsgewalt zur Verhinderung der Auswüchse der Marktwirtschaft, sondern in einer völlig anderen nicht auf Wirtschaftlichkeit und Gewinn orientierten ökonomischen Denk- und Handlungsweise. Es geht z. B. nicht darum, die Mittel für ökologische Maßnahmen über die Warenproduktion – häufig unter Schädigung der „Umwelt“! – „erst einmal“ zu erwirtschaften, sondern die verfügbaren Arbeitskräfte, einschließlich der Millionen aus privatökonomischen Gründen „frei gesetzten“ Arbeitslosen, so zu nutzen, dass von vornherein sowohl dem Überlebensbedürfnis der Menschheit als auch den sozialen Interessen aller Menschen entsprochen wird.

- Auch der Begriff Ökosozialismus ist als Name für eine Übergangsordnung bzw. für eine nachkapitalistische Gesellschaftsordnung abzuweisen, weil er sprachlich die als falsch erwiesene Dominanz der Lösung der sozialen Frage impliziert.

 

7.4. Zur notwendigen Verdrängung der Privatökonomie durch die Gemeinschaftsökonomie

Verdrängungsthese: Die Sicherung des Überlebens der Menschheit setzt unter den derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen voraus, dass möglichst viele Menschen die existenziellen Gefahren aus den Fehlwirkungen der vorherrschenden Privat- und Konkurrenzökonomie erkennen, dass sie Ökonomie als rationelle Bedürfnisbefriedigung auf der Grundlage von Gemeineigentum und Gemeinbesitz begreifen und bereit sind, einen entsprechenden Wandel in der Produktions- und Lebensweise einzuleiten. Über das bewusste und verstärkte Anwenden der wahren Ökonomie besteht auf gemeinschaftlicher Basis die Möglichkeit, die bisher dominierende Privatökonomie zu verdrängen und den Privat- und Konkurrenzordnungen schrittweise ihre Dominanz zu nehmen. Das entscheidende Mittel, um der Gemeinschaftsökonomie den Weg zu ebnen, ist die Anwendung der vollen Demokratie. Unabhängig davon sollten alle legalen, demokratischen Möglichkeiten der bestehenden Ordnungen zur Realisierung des gesellschaftlichen Wandels genutzt werden.

Anmerkungen:

- Die Verdrängungsthese geht von einer neuen Strategie aus. Sie schließt Revolutionen oder gar eine Weltrevolution aus, erfordert jedoch einen länger währenden Wandel von den derzeitigen Gesellschaftsordnungen zu einer weltweiten Gemeinschaftsordnung unter einheitlicher Lösung der ökologischen und der sozialen Frage. Ihre Notwendigkeit und Möglichkeit resultiert erstens aus der Zwangsläufigkeit, mit der uns die Privat- und Konkurrenzökonomie tendenziell in die Selbstvernichtung treibt, zweitens aus dem weltweit erforderlichen Lern- und Reifeprozess im ökonomischen Umdenken und Handeln, drittens aus dem ökologisch orientierten Charakter der Gemeinschaftsökonomie.

- Die Verdrängungsthese geht vom Grundgedanken aus, dass sich Entwicklung, sofern sie erst einmal eingeleitet ist, in Eigenentwicklung realisiert.

- Die Grundvoraussetzung für das mögliche Verdrängen der Privatökonomie nach ihrer langen Vorherrschaft ist das Begreifen, Akzeptieren und eigenständige Anwenden jener vorgeblich „neuen“ Ökonomie, die gemeinschaftlicher Lebensweise am besten entspricht und die Schöpfung bewahren hilft.

- Die Notwendigkeit eines anderen als des etablierten ökonomischen Denkens und Handelns wurde von verschiedenen Wissenschaftlern in jüngster Zeit erkannt. Die Lösung liegt aber offenbar nicht in einer neuen „politischen“ Ökonomie[122], wie sie auch die politische Ökonomie des Sozialismus sein sollte; sie liegt fernab aller „großen“ Theorie im Nichtpolitischen, im Natürlichen![123]

- Die Möglichkeit zum Verdrängen erwächst dann, wenn Menschen beginnen, sich aus eigener Überzeugung und eigenem Willen irgendwo in der Gesellschaft zu Gemeinschaften zusammenzufinden, um nach den Grundsätzen der vollen Demokratie auf der Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz mittels der Gemeinschaftsökonomie und prinzipiell unabhängig von den Erfordernissen der Privatökonomie unter strenger Wahrung der Individualität des Einzelnen eine gemeinschaftliche Lebensweise aufzubauen.

- Volle Demokratie schließt im Rahmen der jeweiligen Gemeinschaft demokratische Entscheidungen über alle wesentlichen Fragen der gemeinschaftlichen Lebens-, Produktions- und Austauschweise ein. Ihre Anwendung ist eine politische Voraussetzung zur Schaffung einer hierarchischen weltweiten Gemeinschaftsordnung. Jede demokratische Entscheidung hat jedoch nur innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft bindenden Charakter, während hierarchisch übergeordnete Entscheidungen i. a. Empfehlungen für nachgeordnete Gemeinschaften sein sollten.

- Durch das Verbreiten der Erkenntnis über die Existenz und Berechtigung der wahren, der schöpfungskonformen Ökonomie kann weltweit eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, um die Kreativität möglichst vieler Menschen zur Verdrängung der Privatökonomie und zur allmählichen Veränderung und Aufhebung der kapitalistischen Ordnung zu nutzen. Dieser Entwicklungsprozess muss überall auf der Welt in allen Kulturen, gesellschaftlichen Schichten und Bereichen reifen. Er kann durch keinen noch so wohl gemeinten revolutionären Akt ersetzt werden. Erst der Bewusstseinswandel vieler kann Veränderungen hervorbringen!

- Die Privatökonomie ist Konkurrenzökonomie. Zur Konkurrenzökonomie gehören auch alle nichtprivaten Formen des Wirtschaftens, wie etwa das Wirtschaften auf nationaler Ebene, der Genossenschaften, von religiösen Gemeinschaften usw. Entscheidend für diese Einordnung ist ein unmittelbarer Bezug zum privaten Wirtschaften, der i. a. durch die Nutzung der jeweiligen Landeswährung gegeben ist.

- Ein bedeutsamer Weg zum Verdrängen der Privatökonomie ist die einvernehmliche Übertragung von bisher privatem Eigentum und Besitz aller rechtlichen Formen in Gemeineigentum bzw. Gemeinbesitz mit dem Ziel, beides dauerhaft zur rationellen Nutzung für das Wohl von Gemeinschaften und für ökologische Projekte einzusetzen. Dazu könnte auch privates Kapital gehören, das auf diese Weise dem Kapitalkreislauf für immer entzogen wird. Angestrebt werden sollte, die reichen und wohlhabenden Menschen und Völker aus eigener Überzeugung aufzufordern, große Teile ihres gehorteten materiellen Reichtums den Armen unserer Welt abgeben. Auch dies wäre – bei Verzicht auf bestimmte materielle Produktion – rationelle Bedürfnisbefriedigung!

- Im dialektischen Sinne bedeutet das Verdrängen der Privatökonomie eine bewusste Anwendung des Gesetzes der Negation der Negation, d. h., im Wissen um die selbstzerstörerische Kraft der Privatökonomie, im Wissen, dass sich sie sich durch ihre Fehlwirkungen über den Weg der Selbstvernichtung der Menschheit tendenziell selbst aufhebt, wird sie auf kreative Weise durch jene Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben verdrängt werden, die sich um das Verstehen der Zusammenhänge bemüht haben und die in der Nutzung der Gemeinschaftsökonomie ihre Selbstverwirklichung und für die Menschheit die Überlebenschance sehen.

 - Je mehr die Nutzung der Gemeinschaftsökonomie Erfolge bringt, umso schneller rückt jene Zeit heran, da gar mit Hilfe der bürgerlichen Demokratie der Wirkungsbereich der Privatökonomie immer mehr eingeengt werden kann – bis es zu demokratischen Entscheidungen über die Ablösung jenes verbliebenen privaten und gesellschaftlichen Reichtums kommt, der immer noch zur privaten und gesellschaftlichen Bereicherung missbraucht wird.

 - Im Marxschen Sinne wird die nachkapitalistische hierarchische Gemeinschaftsordnung eine für die Erdenmenschheit qualitativ neuartige ökonomische Formation sein.

 

These zu den Zellen und Strukturen der Gemeinschaftsökonomie: Der Weg zur Verdrängung der Privatökonomie führt vor allem über die Schaffung eigenständiger Zellen der Gemeinschaftsökonomie in allen Bereichen der kapitalistischen Gesellschaft. Derartige Zellen sind Gemeinschaften, die auf der Basis der vollen Demokratie entsprechend den Anforderungen der Gemeinschaftsökonomie nach eigenen Regeln leben und arbeiten, sich weitgehend selbst versorgen, sich entwickeln, sich ausdehnen, mit anderen Zellen kooperieren oder sich mit ihnen zusammenschließen. Sie agieren unabhängig oder weitgehend unabhängig vom wirtschaftlichen Geschehen, schaffen sich eigenständige Lebens- und Produktionsstrukturen und eigene ökonomische Hilfsmittel.

Anmerkungen:

- Ein wesentlicher Ausgangspunkt der Schaffung von Zellen der Gemeinschaftsökonomie sollte darin bestehen, die Fehlwirkungen der Privat- und Konkurrenzökonomie bewusst zu nutzen, um diese mittels Gemeinschaftsökonomie gezielt verdrängen zu helfen. Auf diese Weise kann das Unsinnige der bisher vorherrschenden Ökonomie bloßgestellt werden. Es geht dabei um das ökonomische Nutzen des Unwirtschaftlichen! Es geht vor allem um das Gewinnen und Einbeziehen der „Verlierer“ der Marktwirtschaft, der Millionen Arbeitslosen und Ausgestoßenen. Es geht um die Nutzung leer stehender Wohngebäude und ehemaliger Produktionsstätten sowie der still gelegten Agrarflächen. Und es geht um die Wiederaufbereitung ausgesonderter Gebrauchswerte der „Wegwerfgesellschaft“. Auf diese Weise können sich die „Verlierer der Marktwirtschaft“ zu selbstbewussten Gewinnern im Sinne der anzustrebenden Gemeinschaftsordnung wandeln.

- Die „Verlierer der Marktwirtschaft“ werden sich lokal, regional, national und später international politisch organisieren. Sie werden auch die bürgerliche Demokratie nutzen, ihre Ziele zu artikulieren und in den politischen Vertretungen durchzusetzen – auch hinsichtlich eigener finanzieller Ansprüche oder etwa zur Minderung der Auswüchse der Zinswirtschaft. „Verlierer“ aller Länder vereinigt euch! Doch sucht auch einsichtige Partner bei den „Gewinnern“ und den zerstrittenen Linken! Es geht letztlich nicht um die Interessenvertretung bestimmter Gesellschaftsschichten, sondern um das Überlebensinteresse der Menschheit!

- Zellen, die sich vernetzen, und mit andersartigen Strukturen der Gemeinschaftsökonomie kooperieren, werden Wege zum Austausch ihrer Produkte finden, ggf. auch zeitweilig eigene Währungen einführen, die nur im vereinbarten Rahmen gültig und zu den nationalen Währungen nicht austauschbar sind.

- Der weite Weg zu einer weltweiten nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung wird auch über den Aufbau von eigenständigen hierarchischen Strukturen der vollen Demokratie führen. Sie werden neben den Strukturen der bürgerlichen Demokratie existieren und eine Grundlage für die Schaffung der unter nachkapitalistischen Bedingungen benötigten Führungsgremien und Verwaltungsstrukturen darstellen.

- Die neuen Strukturen aufzubauen, erfordert, eigene Instrumente zu schaffen, um die Menschen über die gemeinsamen Ziele aufzuklären, um sie für die gemeinsame Sache zu gewinnen und in die volle Demokratie einzubeziehen. Es werden neben eigenen Presseorganen auch eigene Rundfunk- und Fernsehstationen gebraucht werden und damit entsprechende finanzielle Mittel. Die Spenden zum Aufbau der Strukturen der Überlebensdemokratie werden in dem Maße zunehmen, wie die Menschen durch Erfahrungen mit Naturkatastrophen die existenziellen Gefahren für die gesamte Menschheit spüren und Fortschritte unter der Anwendung der Gemeinschaftsökonomie erreicht werden.[124]

- Die Erfolge der Zellen der Gemeinschaftsökonomie werden dazu führen, dass sie als Wohn- oder Arbeitstätten auch die in der Marktwirtschaft tätigen Menschen anziehen.

- Die Erfolge aus der Nutzung der Gemeinschaftsökonomie werden es ermöglichen, die privatisierten kommunalen Betriebe über politische Entscheidungen wieder in kommunales Eigentum zu verwandeln, was die Grundlage dafür darstellen kann, sie auf Basis der Gemeinschaftsökonomie zu betreiben.

- Die Erfolge aus der Nutzung der Gemeinschaftsökonomie sowie die Fehlwirkungen der Marktwirtschaft, insbesondere die Klimaveränderungen, werden auch innerhalb der privaten Unternehmen und bei den nationalen Repräsentanten Verhaltensweisen verändern, die sich gegen die Fortführung der bisherigen Wirtschaftspolitik richten, so z. B. gegen die Aufrechterhaltung der Rüstungsproduktion und gegen die Fortführung der weltweiten Börsengeschäfte. Es ist großer moralischer Druck zu erwarten. Doch es gibt schon heute Einsichtige, wie jene Millionärserben, die sich in der Bewegungsstiftung zusammengefunden haben und „kein besseres Leben, sondern eine bessere Welt“ wollen und ihr geerbtes Vermögen voll dafür einsetzen.[125]

- Die Befürworter und Nutznießer der Marktwirtschaft werden argumentieren, dass das Einstellen bestimmter gewinnträchtiger Produktionskapazitäten zu Wirtschaftskrisen führen wird. Doch auch dies wird das Durchsetzen der Gemeinschaftsökonomie unterstützen, falls die ausgegliederten Kapazitäten bisher nicht der Grundversorgung dienen; denn es werden mehr Kräfte zur Verhinderung der ökologischen Katastrophe verfügbar sein. Die Gesellschaften bzw. die Gemeinschaften können ausgehend von der bedürfnisorientierten Gemeinschaftsökonomie ein neues Denken und Verhalten zur Verteilung der Arbeit entwickeln!

- Ein zur Schaffung eigenständiger Zellen der Gemeinschaftsökonomie verwandter Vorschlag wurde bereits von Rudolf Bahro unterbreitet. Er schlug ein dauerhaftes Ausbrechen aus der (gesellschaftlichen) „Megamaschine“ vor, setzte auf die innere Umgestaltung des Einzelnen und auf neue Lebensformen durch die Schaffung von Kommunen als „neue soziale Synthese“. Von den Kommunen erwartet er, dass sie sich später zu „neuen kleinen Lebenskreisen“ und „größeren Stämmen“ usw. zusammenschließen, um auf diese Weise die Gesellschaft von „unten“ her umzugestalten.[126] Bahro schlägt eine „kommunitäre Subsistenzwirtschaft“ mit dem Ziel der „weitgehenden örtlichen bzw. regionalen Selbstversorgung in puncto Grundbedürfnisse“ unter „Selbstbegrenzung“ vor.[127] Damit orientiert er zwar auf ein qualitativ anderes ökonomisches Herangehen, findet jedoch nicht zur notwendigen Unterscheidung zwischen Wirtschaftlichkeit und Ökonomie und damit nicht zur grundsätzlichen Kritik des wertorientierten Wirtschaftlichkeitsdenkens.

- Der Übergang zu einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung im Rahmen der kapitalistischen (und postsozialistischen) Gesellschaftsordnungen bedarf einer sprachlichen Kennzeichnung. Ich schlage – ausgehend von der in dieser Zeit zwingend notwendigen Dominanz der Bewältigung der ökologischen Krise – den Begriff Ökoismus vor: Ökoismus ist der weltweite Prozess der Aneignung und bewussten Nutzung der Gemeinschaftsökonomie, der erstens das Ziel verfolgt, die vorherrschende kapitalistische Gesellschaftsordnung durch das Verdrängen der Privatökonomie und alle anderen Formen von Konkurrenzökonomie schrittweise abzulösen, zweitens über die einheitliche Lösung der ökologischen und sozialen Frage den Aufbau einer weltweiten Gemeinschaftsordnung zu ermöglichen.[128]

 

7.5. Zum Kommunismusbegriff

Zum Kommunismus: Weil Kommunismus im Marxschen Sinne an die Lösung der Naturfrage gebunden ist, kann es Kommunismus als hierarchische Gemeinschaftsordnung auf der Basis von Gemeinbesitz und Gemeineigentum sowie unter Anwendung der Gemeinschaftsökonomie nur im Weltmaßstab geben.

Anmerkungen:

- Die ökologische Krise ist gesellschaftlich bedingt und besteht weltweit. Ihre schrittweise Bewältigung erfordert das Einbeziehen aller Völker, ein bewusstes Einordnen in die irdischen Lebenssysteme sowie die Verantwortungsübernahme für die Erhaltung dieser Systeme und aller Lebensformen. Im Rahmen dieser existenziellen Aufgabe wird es möglich sein, auch den grundlegenden sozialen Erfordernissen aller Menschen zu entsprechen. Es geht folglich um die „wahrhafte Auflösung des Widerstreits zwischen den Menschen mit der Natur und mit den Menschen“[129] zur Selbstbefreiung der Menschheit und zur Schaffung der höchsten Form von Demokratie. Kommunisten in diesem Sinne sind folglich jene, die das Ziel der Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung auf demokratischem Weg anstreben und damit das Überleben der Menschheit sichern.

- Die Begriffe „kommunistisches Land“ und „kommunistischer Staat“ sind in sich widersprüchlich, weil eine kommunistische Ordnung den generellen Besitzanspruch über die Natur ablehnt und Ländergrenzen aufhebt. Zerstörung, Belastung und Vergiftung von Natur sowie Bereicherung zu Lasten der Natur sind objektiv Verbrechen an der Menschheit und an der irdischen Schöpfung und deshalb der kommunistischen Denkweise fremd.

- Der Begriff „Kommunismus“ wurde im Verlaufe des 20. Jahrhunderts von vorgeblichen kommunistischen Führern, von Diktatoren Stalinschen Typs, extrem missbraucht. Davon ausgehend wird der Begriff bis heute von vielen Politikern, Ideologen und Wissenschaftlern auf breiter Front diffamiert. Solange der Missbrauch und die Diffamierung des Begriffes „Kommunismus“ möglich sind, empfiehlt es sich, von Weltgemeinschaftsordnung (World Community Order) zu sprechen.

- Das große historische Dilemma der Linken war es, dass es bisher nicht gelungen war, die kommunistische Ordnung zumindest in den Grundzügen als ökonomische Formation neuer Qualität, als ökonomische Gemeinschaftsformation, im Marxschen Sinne zu kennzeichnen. Durch die Unterscheidung nach Ökonomie im Sinne von Gemeinschaftsökonomie und Wirtschaftlichkeit als Privatökonomie könnte das Manko behoben sein.

 

8. Schlussbemerkungen

Die grundlegende Erkenntnis der Berliner Thesen besagt, dass als Folge der Dominanz der Privatökonomie und anderer Formen der Konkurrenzökonomie die Menschheit tendenziell in die Klimakatastrophe und Selbstvernichtung geführt wird, d. h., die Menschheit wird mit den derzeitig herrschenden Gesellschaftssystemen untergehen, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, die Konkurrenzökonomien durch die wahre Ökonomie zu verdrängen und über die Schaffung von Zellen sowie eigenen Strukturen der Gemeinschaftsökonomie schrittweise eine Gemeinschaftsordnung auf der Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz aufzubauen.

Diese Erkenntnis erlaubt zugleich eine grundsätzliche Kritik am sozialistischen Weg: Wenn wir akzeptieren, dass die Sklavenhaltergesellschaft, der Feudalismus und der Kapitalismus Bereicherungsgesellschaften im umfassenden Sinne waren bzw. sind, wenn wir darüber hinaus erkannt haben, dass Bereicherung zu Lasten unserer Lebenswelt möglich war und dass die ökologische Krise wesentlich aus dieser Bereicherung erwuchs, wenn wir uns letztlich eingestehen, dass auch die sozialistischen Gesellschaften an der Verschärfung der ökologischen Krise in Anwendung der Konkurrenzökonomie beteiligt waren, dann muss der sozialistische als nachkapitalistischer Weg abgewiesen werden.

Die Logik, die sich hinter diesen grundlegenden Aussagen verbirgt, kann in wenigen Sätzen nachvollzogen werden:

Wenn die kapitalistische Gesellschaft umfassend als Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft nachgewiesen wurde, dann folgt

- erstens die gesellschaftliche Verursachung der ökologischen Krise und

- zweitens die gesetzmäßige Negativentwicklung unserer Zivilisation,

- Dann wäre drittens der Versuch, das kapitalistische Systems durch

   ökonomische Konkurrenz ablösen zu wollen, selbstzerstörerisch.

- Dann brauchen wir viertens eine andere Ökonomie.

- Dann muss diese andere Ökonomie fünftens ökologisch orientiert sein.

- Dann gilt es sechstens, die Existenz dieser Ökonomie nachzuweisen und

   zu propagieren.

- Dann muss siebentens eine neue Entwicklung unter Nutzung dieser anderen

  Ökonomie eingeleitet werden, die sich aus der Einsicht und dem Willen

  der Menschen selbst trägt und schrittweise ermöglicht, die Privatökonomie

  weltweit zu verdrängen.

Weil die dargelegten Ergebnisse auf Thesen beruhen, bedürfen sie selbstverständlich einer wissenschaftlichen Beweisführung. Die Berliner Thesen sind deshalb als eine Aufforderung an alle verantwortungsbewussten Menschen zu betrachten, die Thesen und die gewählte Herangehensweise zu hinterfragen, zu verwerfen, zu bestätigen oder zu ergänzen. Jede konstruktiv gemeinte Kritik auf der Suche nach Wahrheit kann nützlich sein.

Dem Autor ist bewusst, dass sich gegen die Berliner Thesen starker Widerspruch von mehreren Seiten erheben wird, insbesondere auch von jenen Linken, die weiterhin von den sozialistischen Grundideen ausgehen. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass ohne eine ausreichend begründete theoretische Klärung der Ursachen des Scheiterns des „Realsozialismus“ und ohne ein verbessertes theoretisches Fundament die Linken – gleich welcher Denkrichtung – an der existenziellen Krise der Menschheit scheitern könnten. Gerade die theoretische Schwäche der Linken hat ja in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zu ihrer Zersplitterung beigetragen! Als progressiver Teil der Menschheit, die die Linken sein wollen, tragen sie in den nächsten Jahrzehnten von allen Menschen die größte Verantwortung für die Sicherung der Weiterexistenz der Menschheit! Sehr viele Menschen verschiedener Denkrichtungen spüren intuitiv, dass wir als Menschheit vor dem Abgrund stehen, sehen keinen Ausweg und erwarten von uns auf die dringendsten Fragen unserer Zeit wissenschaftlich begründete klare Antworten!

 

[1] Der Begriff Berliner Thesen verweist lediglich auf den Entstehungsort: auf den Wissenschaftsstandort Berlin. Die Tätigkeit des Autors in zentralen Berliner wissenschaftlichen Einrichtungen bis 1989/1990 und danach war sicherlich eine entscheidende Voraussetzung für die Möglichkeit, die vorliegenden Thesen zu erarbeiten.

[2] Vgl. Vorwort zu: „Lenin: ‚Ausgewählte Werke in drei Bänden‘, Bd. I“, 7. Aufl. 1970, S. 7

[3] Der Begriff Privatökonomie wurde zuerst von Friedrich Engels verwandt, der ihn auf die ökonomischen Wissenschaften seiner Zeit bezog (vgl. „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“, MEW, Bd. 1, Berlin 1970, S. 499/503).

[4] Vgl. Friedrich Engels; Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd.1, Berlin 1970, S. 503

[5] Vgl. Karl Marx; Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 89

[6] Vgl. Matthias Freude; Tiere bauen, Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin 1982

[7] Dem Begriff rationell werden in älteren Wörterbüchern in Ost und West sehr unterschiedliche Bedeutungen zuerkannt. Im „Fremdwörterbuch“ aus dem Verlag Enzyklopädie, Leipzig, 1960, wird rationell u. a. verstanden als „zweckmäßig, sparsam, haushälterisch“, hingegen rational u. a. als „vernünftig, der Vernunft entsprechend“ – im Gegensatz zu irrational (vgl. ebd., S. 532). In mehreren westdeutschen Wörterbüchern fand ich zwar zu rational analoge Erklärungen wie in DDR-Wörterbüchern, doch wird dem Begriff „rationell“ in einigen Fällen zusätzlich die Bedeutung „wirtschaftlich“ gegeben. Das Substantiv zum Begriff rational lautet Rationalität; zu rationell gibt es im Deutschen offenbar kein Substantiv. Der Begriff Rationalisierung erfasst das Bemühen um das Rationelle lediglich mit eingeengtem Inhalt.

[8]Lebensform: … Art, wie, in der sich Leben organisiert >>Auch unter Wasser finden sich viele pflanzliche Lebensformen.<<“ (Vgl. Karl-Dieter Bünting; Deutsches Wörterbuch, Isis Verlag, Chur/ Schweiz, 1996, S. 702)

[9] Der Begriff Urgesellschaft bezieht sich auf die Gesamtheit der relativ isoliert gemeinschaftlich lebenden Sippen, den Urgemeinschaften.

[10] Nach der vom Autor vorgeschlagenen Unterscheidung zwischen Ökonomie und Wirtschaft verbietet es sich, das ökonomische Verhalten innerhalb der Urgemeinschaften und den Austausch von Gebrauchswerten zwischen den Sippen als „Wirtschaften“ zu bezeichnen, wenn er auf der Basis aufgewandter Arbeitszeit geschieht.

[11] Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 780

[12] Über Reproduktion wurde von den marxistischen Ökonomen viel geschrieben; der Begriff des ökonomischen Reproduzierens wurde nach Kenntnis des Verfassers noch nicht eingeführt.

 [13] Vgl. Norbert Suchanek; Null Dollar, aber reich: >>Dritte<< Welt, ein natürliches Öko-Modell und die westliche Gier. In: Neues Deutschland vom 14./15.01.2006, S. 21. Der Autor beschreibt seinen Besuch einer „fünfköpfigen Papua-Familie in ihrem Pfahlhaus am Ok Tedi-Fluss“. „Fast alles, was sie zum Leben brauchten, lieferte ihnen ihr Waldgarten am Ufer. Wildfleisch, Feuer- und Bauholz gab es; der Fluss war reich an Fischen.“

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. Ökonomisches Lexikon, L-Z, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1971, S. 248

[16] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 25, Berlin 1968, S. 794-795

[17] Vgl. Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte, Komet Verlag, Köln, S. 13

[18] Vgl. ebd., S. 14

[19] Vgl. ebd., S. 17

[20] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 2, S. 474/475. Marx schreibt: „Bei den Athenern wird daher der Gewinn, den ein Sklavenbesitzer direkt durch industrielle Verwendung seines Sklaven … zieht, auch nur betrachtet als Zins (nebst Amortisation) des vorgeschossnen Geldkapitals, ganz wie in der kapitalistischen Produktion …

[21] Vgl. ebd., S. 474. Im letzten Satzteil des Zitats dürfte in der Aussage von Karl Marx eine Ungenauigkeit vorliegen, indem er den Begriff der Naturalwirtschaft auch auf „primitive Gemeinwesen“ übertrug, die nicht „mit Hörigkeits- oder Sklavereiverhältnissen versetzt“ sind. Vermutlich ergab sich die Ungenauigkeit, weil er es unterließ, den Begriff Ökonomie explizit in Unterscheidung zu Wirtschaftlichkeit zu definieren, was im Rahmen der Schaffung einer ökonomischen Theorie für die nachkapitalistische Gesellschaft notwendig geworden wäre.

[22] Vgl. Hans Dollinger, a. a. O., S. 657 u. 225

[23] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 2, S. 474/475

[24] Vgl. „Ökonomisches Lexikon L-Z“, a. a. O., S. 658

[25] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 167, Fußnote 6

[26] Es ist bemerkenswert, dass Aristoteles zu diesen klaren Aussagen fand, war er doch der Lehrer des größten Eroberers der Antike, von Alexander dem „Großen“ (356-323 v. d. Z)!

[27] Elmar Altvater; The proof of the pudding … Oder: Was heißt und zu welchem Ende betreiben wir Kapitalismuskritik? In: Neues Deutschland vom 28./29. Januar 2006, S. 24

[28] Vgl. Werner Grundmann; Zur ökonomischen Entwicklung von Bürgerstädten, in: Rainer Mackensen (Hg.); Handlung und Umwelt. Beiträge zu einer soziologischen Lokaltheorie, Leske + Budrich, Opladen 2000, S. 165-191.

[29]  Der Unterschied zwischen privater und persönlicher Bereicherung wird am Begriff Privatisierung deutlich. Privatisierung ermöglicht das Erwerben von Eigentum und Besitz, um durch dessen Nutzung Gewinne zu erzielen. Im persönlichen (familiären) Bereich wird die Schwelle zum Privaten z. B. dann (meist unbewusst) überschritten, wenn aus Sparguthaben in der Form von Zinsen (ohne eigenständige Arbeit) Gewinne erzielt werden. Ein (bewusstes) familiäres Überschreiten zum Privaten ist es, wenn etwa (ein „gemeinsam veranlagtes“) Ehepaar zur gemeinsamen Bereicherung Aktien erwirbt – wie dies Millionen deutsche Ehepaare tun. Bei der (nicht gewerblichen) Nutzung von Kraftfahrzeugen, also bei einer die Natur belastenden Lebensweise, für deren Folgen der Einzelne und die Gesellschaft nicht aufkommen, kann man von persönlicher Bereicherung (zu Lasten der Nachwelt) sprechen.

[30]  Vgl. Friedrich Engels; Dialektik der Natur, MEW, Bd. 20, Berlin 1972, S. 452-453

[31] Vgl. Ina Bauer; Papierkonsum zerstört Umwelt. Alternativer Waldbericht: Bundesrepublik viertgrößter Verbraucher, in: „Neues Deutschland vom 25. Januar 2006, S. 10 

[32]  Vgl. Meldung von dpa, zitiert nach „Neues Deutschland“ vom 4./5. 10.2003, S. 16

[33]  Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 741 ff

[34]  So bezeichnete Karl Marx den „Sklavenhandel“ – bezogen auf Liverpool – als „Methode der ursprünglichen Akkumulation“ (vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 787).

[35]  Vgl. ebd., S. 779

[36]  Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 162

[37]  Ebd., S. 167

[38]  Vgl. ebd., S. 167/168

[39]  Vgl. Karl Marx; Das Elend der Philosophie. MEW, Bd. 4, Berlin 1977, S. 141 

[40]  Vgl. Hans Dollinger; Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Komet Verlag Köln (2002), S. 101-103

[41]  Vgl. transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 279

[42]  Vgl. Ökonomisches Lexikon L-Z, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1971, S. 658

[43]  Die „Sklavenhändler brachten Textilien, Perlen, Waffen, Alkohol u. a. nach Afrika, handelten dafür Sklaven ein, verschifften diese nach Süd- oder Mittelamerika bzw. in die Südstaaten des Nordens und kauften für den Erlös amerikanische Plantagenprodukte ... für das ‚Mutterland‘ ein.“ (Vgl. Der Pfeffer ist gut, die schwarze Ware ist besser, Sendung des Deutschlandsfunks, Reihe „Religion und Gesellschaft“ vom 12.05.99)

[44] Vgl. auch Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte, Komet Verlag Köln 2002, S. 256-269 

[45]  Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 780

[46] Karl Marx spricht von „zwei diametral entgegengesetzten ökonomischen Systemen“, die sich „in ihrem Kampf“ in den eroberten Kolonien gegenüberstehen (vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 792).

[47] Klaus Blessing, Eckart Damm, Matthias Werner; Die Schulden des Westens. Wie der Osten Deutschlands ausgeplündert wird. Selbstverlag, Berlin 2005, 147 S.

[48] Vgl. Jörg Roesler: Sieben Billionen Mark! Die Schulden des Westens gegenüber dem Osten. In: Neues Deutschland vom 2. Februar 2006, S. 13

[49] Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 795

[50] Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 657ff

[51] Karl Marx; Das Elend der Philosophie, MEW, Bd. 4, Berlin 1977, S. 132

[52] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, S. 529/530

[53] Vgl. Hermann Scheer; Globalisierung – Zur ideologischen Transformation eines Schlüsselbegriffs, in: Le Monde diplomatique (Hg.); Atlas der Globalisierung, taz Verlag 2003, S. 6/7

[54] Vgl. junge welt vom 19.01.2006

[55] Vgl. F. Engels; Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, Berlin 1970, S. 499/503

[56] Vgl. Friedrich Engels; Anti-Dühring, MEW, Bd. 20, Berlin 1972, S. 136

[57] Vgl. ebd., S. 213

[58] Vgl. ebd., S. 139

[59] Die Einführung des Begriffes Gesellschaftsökonomien wurde in Unterscheidung zum Begriff Gemeinschaftsökonomie sowie zur Einordnung historisch entstandener Begriffe erforderlich. (W. G.)

[60] Vgl. Karl Marx; Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 89

[61] „Die Dritte Welt entwickle sich immer mehr zur Giftmüllhalde der Ersten Welt“, mahnte Greenpeace. Veronica Odriozola vom argentinischen Zweig der Umweltorganisation forderte vor der 19. Generalversammlung der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) 1992 in Buenos Aires „die Zustimmung zu einem Vorschlag, den Export giftiger Abfälle der Industriestaaten in die Entwicklungsländer zu verbieten.“ Greenpeace zufolge wurde in den vergangenen fünf Jahren 100 Millionen Tonnen Müll in die Dritte Welt abgeschoben. (Vgl. „Neues Deutschland“ 01.02.1994, S. 14)

[62] Die Berliner Zeitung berichtete am 21. Juli 2006 auf Seite 2 von der Versklavung von 113 polnischen Erntehelfern in Süditalien, die „von bewaffneten Männern – den Kapos“ und „hetzenden Hunden“ bewacht und in „Arbeitslagern“ gehalten wurden. Sie mussten täglich 10 bis 15 Stunden arbeiten.  

[63] Die erste deutsche Bank, die Fuggerbank, wurde vom Kaufmannsgeschlecht der Fugger gegründet, das seit 1370 in Augsburg ansässig war und im Verlaufe von 150 Jahren zur reichsten deutschen Familie aufstieg. Sie finanzierte nicht nur die Kaiser des Hauses Habsburg, sondern pflegte auch eine enge Bindung zum Heiligen Stuhl in Rom. Die Fugger bereicherten sich u. a. dadurch, dass der Kaiser eine Reichssteuer an die Kaufmannsfamilie verpfändete und der Papst der Fuggerbank die Rechnungsführung für das gesamte Ablasswesen übertrug. Im Jahre 1519 wandten die Fugger „850 000 Gulden allein an Bestechungsgeldern auf“, um dem eigenen Favoriten, den späteren Karl V., zur deutschen Kaiserkrone zu verhelfen (vgl. Die Fugger; Ein Kaufmannsgeschlecht im Zentrum der Macht, Thales-Verlag, Essen 1991, S. 17, 29, 31 und 43).

[64] Nach dem „Reichtumsbericht ‚World Wealth Report 2003’ der privaten US-Bank Merrill Lynch und der Unternehmensberatung Cap Cemini Ernst & Young … verfügten Ende des Jahres 2002 insgesamt 755.000 Privatpersonen in der Bundesrepublik Deutschland über ein Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar (ca. 950.000 Euro). Ende 2001 lag die Zahl der Millionäre in Deutschland – ohne Immobilienvermögen – noch bei 730.000 Personen (vgl. Michael Klundt; Armut und Reichtum in Deutschland. Ursachen und Folgen des Sozialstaatsumbaus, Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung [gespeichert am 10.01.2005 von www.linksnet.de]).

[65] Siehe Hermann Fürst von Pückler, Briefe eines Verstorbenen (1830/32), zitiert nach Neues Deutschland vom 23./24.08.03, S. 24

[66] Adam Smith;  An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, London 1776 bis 1789

[67] Adam Smith; Der Wohlstand der Nationen, München: dtv, 7. Auflage 1996 nach der 5. Auflage, London 1789, S. 347

[68] Friedrich Engels; Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd.1, S. 502/503

[69] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, S. 782

[70] Laut einer Notiz auf Seite 16 des Neuen Deutschland vom 25.02.05 meldete dpa, dass in „deutschen Haushalten ungenutzte, aber weitgehend voll funktionsfähige Gegenstände im Wert von rund 20 Milliarden Euro [lagern] … So eine gestern vorgestellte repräsentative TNS Emnid-Studie für das Internet-Auktionshaus eBay. Das dominierende Hamster-Motiv lautet: Fast keiner möchte die Sachen einfach wegwerfen.“

[71] Vgl. MEW, Bd. 40, S. 540; vgl. auch Rainer Thiel; Marx und Moritz. Unbekannter Marx. Quer zum Ismus. 1945-2015. trafo Verlag, Berlin 1998, S. 76-77

[72] „Schizophren“ heißt im übertragenen Sinne „widersprüchlich im Denken und Handeln“ (vgl. Knaurs Fremdwörterbuch; Lexikographisches Institut, München 1982, S. 380).

[73] Vgl. „Neues Deutschland“ vom 12./13. Februar 2005, S. 20

[74]  Vgl. junge Welt vom 20.01.2006

[75] Karl Marx; Einleitung [zur Kritik der Politischen Ökonomie] (aus dem handschriftlichen Nachlass von Marx aus dem Jahre 1857), MEW, Bd. 13, S. 639

[76] Ralph Henry Gabriel, Die Entwicklung des demokratischen Gedankens in den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine geisteswissenschaftliche Betrachtung seit 1815 (Übersetzung aus dem Amerikanischen) Duncker & Humblot, Berlin 1951, S. 29. Die Originalausgabe „The Course of the American Democratic Thought. An Intellectual History since 1815“ erschien bei The Ronald Press Company, New York, 4. Auflage November 1946.

[77] Vgl. Ralph Henry Gabriel, a. a. O., S. 153

[78] Vgl. ebd., S. 226

[79] Vgl. ebd., S. 158/159

[80] Vgl. ebd., S. 158

[81] Vgl. TV Hören und Sehen, Nr. 23/2006, S. 24-26

[82]  Vgl. Karl Marx; Kritik des Gothaer Programms, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 19/20

[83]  Vgl. Karl Marx; Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW, Ergänzungsband, Erster Teil, Berlin 1968, S. 536

[84]  Vgl. Karl Marx; Kritik des Gothaer Programms, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 21

[85]  Vgl. Karl Marx; [Vorbemerkung zur französischen Ausgabe] von Friedrich Engels „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 185

[86] Vgl. Karl Marx; Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, MEW, Bd. 13, Berlin 1969, S. 9; vgl. auch Michael Löwy; Destruktiver Fortschritt. Marx, Engels und die Ökologie, Utopie kreativ, H. 174, April 2005, S. [3]

[87]  Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels; Die deutsche Ideologie, MEW, Bd. 3, Berlin 1969, S. 69; vgl. auch Michael Löwy, a. a. O., S. [4]

[88] Vgl. Friedrich Engels; Anti-Dühring, MEW, Bd. 20, Berlin 1972, S. 263;

[89] Vgl. Karl Marx; Das Kapital. Dritter Band,  MEW, Bd. 25, Berlin 1968, S. 828

[90] Vgl. Karl Marx; Kritik des Gothaer Programms, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 15

[91] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1, MEW, Bd. 23, S. …

[92] Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, S. 499-524

[93] Vgl. Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie, Vorwort, MEW, Bd. 13, S. 10

[94] Vgl. ebd., S. 7

[95] Friedrich Engels, a. a. O., S. 499

[96] W. I. Lenin; Karl Marx. Kurzer biographischer Abriß mit einer Darlegung des Marxismus, Ausgewählte Werke in drei Bänden“, Bd. I, Berlin 1970, S. 30

[97] W. I. Lenin; Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Ausgewählte Werke in 3 Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 77

[98] Vorwort zu W. I. Lenin: Ausgewählte Werke in drei Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 7

[99] Vgl. Lenin; Karl Marx …, a. a. O., S. 38,

[100] Im Brief von Friedrich Engels an Paul Lafargue vom 27.8.1890 überliefert Engels den folgenden Ausspruch von Karl Marx: „Alles, was ich weiß, ist, daß ich kein Marxist bin!“ MEW, Bd. 37, S. 450

[101] Lenins Losung zur Realisierung des Elektrifizierungsplans vom Dezember 1920 hieß: „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes.“ (Vgl. Die UdSSR – Enzyklopädie der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Verlag Enzyklopädie Leipzig, 1959, S. 540)

[102] A. M. Rumjanzew (Hg.), Politische Ökonomie des Sozialismus – erste Phase der kommunistischen Produktionsweise (russisch), Moskau 1975, S. 92

[103] Vgl. „Ökonomisches Lexikon A-K“, 2. Auflage, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1969, S. 850/851

[104] Karl Marx spricht vom „Widerspruch“ der „kapitalistischen Produktionsweise“ (vgl. „Das Kapital“, Bd. 3, MEW Bd. 25, S. 26), Friedrich Engels vom „Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung“ (vgl. „Anti-Dühring“, MEW, Bd. 20, S. 257); vgl. auch „Chrestomathie Politische Ökonomie“ 2. Auflage, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1983, S. 241- 243

[105] Harry Nick, „Privatisieren“ heißt „rauben“, in: Neues Deutschland, 5.11.2004, S. 8

[106] Vgl. Das Bürgerliche Gesetzbuch, KOMET Verlag, § 1363

[107] Die Berliner Zeitung berichtete am 10./11.12.2005 auf der Seite 14 über den Fehler eines Angestellten der zweitgrößten japanischen Bank Mizuho, der am Donnerstag, dem 8. Dezember 2005, der Bank einen Verlust von „mindestens 27 Milliarden Yen“ brachte – fast 200 Millionen Euro! „Der Broker von Mizuho Securities  hatte 9.27 Uhr den Auftrag, für einen Kunden eine Aktie der J-Com für 610 000 Yen zu verkaufen“. Durch eine „Verwechslung … verkaufte er 610 000 J-Com-Aktien für je einen Yen … Der Markt griff begeistert zu … Zwischen 9.30 Uhr und 9.38 Uhr schoss das Papier von 572 000 auf 708 124 Yen nach oben. … Erst am Freitag wurde der J-Com-Titel vom Handel suspendiert.“

[108] Schönwiese, Christian-Dietrich; Diekmann, Bernd: „Der Treibhaus-Effekt. Der Mensch ändert das Klima“ Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, S. 128

[109] Vgl. ebd., S. 129

[110] Vgl. ebd., S. 132

[111] Vgl. ebd., S. 148

[112] Vgl. „Neues Deutschland“ vom 19.07.05, S. 9

[113] Vgl. David Sington: „Schwarze Sonne – Die Folgen der globalen Verdunkelung“ Übernahme einer BBC-Dokumentation aus dem Jahre 2005 durch den Fernsehsender VOX am 25.08.05, 23:20 Uhr

[114] Michael Jäger: „Ökologische Notizen: Wenn wir das nicht tun“ In: Neues Deutschland vom 06.05.1996, S. 8

[115] Vgl. Dagmar Röhrlich: „In dünner Luft oder wie das Leben wurde, was es ist“ Teil 2: „Sauerstoff formt die Welt“, Manuskript des Deutschlandsfunks, Forschung Aktuell – Wissenschaft im Brennpunkt, 21. März 2007, S. 11-12, http://www.dradio.de/download/66244/

[116] Vgl. „Knaurs Lexikon von a bis z“, Weltbild Verlag 1999, S. 565

[117] Vgl. MEW, Bd. 40, S. 544; vgl. auch Rainer Thiel; Marx und Moritz. Unbekannter Marx. Quer zum Ismus. 1945-2015. trafo verlag, Berlin 1998, S. 56

[118] Die bürgerliche Demokratie ist eine Scheindemokratie, insbesondere deshalb, weil sie die Verfügungs- und Entscheidungsgewalt über das für die gesellschaftliche Entwicklung Bestimmende, nämlich für das Wirken der Privatökonomie, prinzipiell ausschließt. Sie sichert zwar gesetzlich die Funktionsweise des Staates und der Wirtschaft, vor allem auch der Finanzwirtschaft, doch primär das Begleichen von Schuld- und Zinsverpflichtungen des Staates und der Kommunen gegenüber den Banken und privaten Geldgebern sowie in hohem Maße die Möglichkeiten privater Unternehmen, Gewinne zu erzielen. Damit ordnen sich die bürgerlich demokratischen Institutionen voll in den sich unbeschränkt vollziehenden Bereicherungsmechanismus zur privaten Kapitalverwertung ein. Der bewusste Gehorsam der bürgerlichen Institutionen geht so weit, dass nicht einmal das zeitweilige Aussetzen fälliger Zinszahlungen im Extremfalle in Betracht gezogen wird, d. h., die Bereicherungsspirale bleibt stets offen! Obgleich den Verantwortlichen die „Zinsfalle“ und damit der mögliche Ruin selbst der reichsten Staaten bewusst ist, wird am Grundsatz des Absicherns weiterer privater Bereicherung festgehalten, woraus der Entzug von Mitteln aus anderen gesellschaftlichen Bereichen bis zur äußersten Grenze resultiert. Aus dieser Diskrepanz erwächst der Anschein, die Gesellschaft, zu denen ja die Reichen gehören, habe keine ausreichenden finanziellen Mittel verfügbar. Die Diskrepanz erzwingt, weiter zu privatisieren, wodurch sich der Gegensatz zwischen Arm und Reich noch mehr verschärft. „Privat geht vor Katastrophe!“, sagt der Volksmund. Zugleich verarmt, krankt und stirbt unsere Lebenswelt.

[119] Vgl. Wolfgang Stauber, Sturz in die Klimakatastrophe, Mensch – Hüter der Erde 4, FIGU, CH-8995 Schmidrüti, Schweiz, S. 5

[120] Vgl. Saral Sarkar / Bruno Kern, Ökosozialismus oder Barbarei. Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik, Hg.: Initiative Ökosozialismus, Köln, Mainz 2004, S. 33 (vgl. auch „tarantel“ Nr. 25, Ökologische Plattform bei der PDS, Anhang, S. 30/31, Berlin, Juni 2004)

[121] Vgl. Tarantel Nr. 29, Ökologische Plattform bei der PDS, Juni 2005

[122] „Ich glaube, daß wir heute eine neue politische Ökonomie brauchen: das wird in Zukunft die große Aufgabe der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sein.“ (Ulrich Beck, Professor an der Universität München, in: „Marx ist nicht länger Marx. Der Soziologe Ulrich Beck über ratlose Intellektuelle, arbeitslose Staatsbürger und Chancen der politischen Gestaltung“, Tagesspiegel vom 26.1.1998, S. 5)

[123] Die Wahrheit ist von so einfacher Natur, dass es für die „großen Ökonomen“ unangenehm sein könnte, sie nicht erkannt zu haben. Doch sie sollten sich trösten: Nicht einmal Karl Marx hat – im Wissen um ihre Existenz! – eine Definition der „wahren“ Ökonomie hinterlassen!

[124] Der Gedanke zur Schaffung eigenständiger Strukturen der Gemeinschaftsökonomie ergab sich nach dem Studium einer Gastkolumne von Ekkehart Krippendorff im „Neuen Deutschland“ vom 4./5. Februar 2006. Krippendorff, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, schrieb zum „Iran-Poker“: „Strategisch … bedürfen“ wir „anderer Kategorien und Ebenen der Beziehungen zwischen den Völkern und Kulturen“, „nicht der machtpolitischen Interessenvermittler …, um Konflikte zu bearbeiten oder gar zu lösen.“

„Fernsehen abschalten, eine längere Denkpause einlegen. Und dann sich an seinem konkreten Ort, seiner >>Basis<< einbringen, den eigenen Kiez mit politischem Leben erfüllen, Modelle des sozialen und interkulturellen Zusammenlebens erarbeiten, Friedensstädte schaffen, die politische Klasse ignorieren, indem wir sie mit verdienter intellektueller und moralischer Verachtung strafen, weil sie sich ja nicht um das Gemeinwohl, sondern nur das parteiliche Eigenwohl verdient macht. Gesellschaft verändert man langfristig von unten … Das schöne Wort >>global denken, lokal handeln<< ist alles andere als überholt …“

[125] Vgl. www.bewegungsstiftung.de ; vgl. auch Maxim Leo: „Reich und gut“ In: Berliner Zeitung vom 21.02.2007, S. 3

[126] Vgl. Rudolf Bahro; Apokalypse oder der Geist einer neuen Zeit, edition ost, Berlin 1995, S. 13 u. 29

[127] Vgl. ebd., S. 173

[128] Den Begriff Ökoismus (englisch: ecoism) hatte der Autor zuerst während eines Vortrags bei Prof. Dr. Rainer Mackensen am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin am 15.12.1994 vorgeschlagen. Ökoismus und ökoistische Gesellschaft waren als Bezeichnungen für eine ökologisch orientierte Übergangsgesellschaft zum Kommunismus gedacht. Erst in den Jahren 2006 und 2007 fand der Autor zur dargelegten Definition.

[129] Vgl. Karl Marx; Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844), MEW, Ergänzungsband, Erster Teil, S. 536

Ende der angehängten Datei mit den Berliner Thesen

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